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Thema / Archiv | Beitrag vom 24.02.2009

Umgekehrte Republikflucht

"Lilly unter den Linden", das neue Stück des Gripstheaters

Von Marianne Allweiss

Die "Mahn- und Gedenkstaette Deutsche Teilung" an der ehemaligen Grenzübergangsstelle Marienborn (AP Archiv)
Die "Mahn- und Gedenkstaette Deutsche Teilung" an der ehemaligen Grenzübergangsstelle Marienborn (AP Archiv)

Die meisten Deutschen flohen im geteilten Deutschland aus dem Osten in den Westen. Die 13-jährige Lilly macht es andersherum: Nach dem Tod ihrer Mutter flüchtet sie aus Hamburg nach Jena, wo ihre Tante lebt. "Lilly unter den Linden" heißt das neue Theaterstück des Berliner Kinder- und Jugendtheaters "Grips" und vermittelt Jugendlichen Wissenswertes über die Geschichte der Teilung.

Heiligabend 1988. Familie Wollmann hat sich in Jena um den Weihnachtsbaum versammelt, als es überraschend an der Tür klopft.

"ABV: Frau Wollmann, es geht um Ihre Nichte aus Hamburg. Eine Anfrage vom Bundesgrenzschutz.
Lena: Bundesgrenzschutz?
ABV: Genau. Wie es aussieht, ist Ihre Nichte aus Hamburg aus dem Internat ausgerückt. Wir vermuten zu Ihnen.
Familie Wollmann: Zu uns?"

Die Wollmanns sind verdutzt: Lena Wollmann hat die dreizehnjährige Lilly vor einigen Wochen zum ersten Mal gesehen, auf der Beerdigung ihrer Schwester Rita in Hamburg. Nachdem Rita Anfang der 70er Jahre in den Westen floh, hatten die beiden keinen Kontakt mehr.

Lilly kennt ihre DDR-Verwandten nur aus Erzählungen. Nach dem Tod ihrer Mutter fühlt sich Lilly allein und isoliert. Als sie in eine Pflegefamilie soll, entschließt sie sich zur Flucht nach drüben. Und das heißt in diesem Fall - in die DDR.

Die ungewöhnliche Flucht gelingt, aber auch bei ihren Verwandten bleibt die Lage schwierig. Lilly fühlt sich bei ihrer ostdeutschen Verwandtschaft nicht wirklich Willkommen. Und erkennt, dass sie ein Stück Familiengeschichte aufarbeiten muss. Denn die Flucht ihrer Mutter war mit dem Unglück des Teils der Familie erkauft, der in der DDR zurückgeblieben war.

Lilly resigniert trotzdem nicht. Die Familie rauft sich in einer Art vorweggenommener Ost-West-Wiedervereinigung zusammen.

"Lena: "Lilly, es ist so wichtig, dass Du da bist; dass Du Dich nicht abgefunden hast."
Lilly: "Abfinden - das musste ich Mama versprechen - dass ich mich nie mit der Mauer abfinde."
Lena: "Da hatte Rita recht, das ist nicht nur ne Mauer durch ein Land. Das ist ne Mauer mitten durch Familien hindurch, durch unsere.""

Hören Sie ein Gespräch mit dem Regisseur des Stückes, Philippe Besson, als MP3-Audio

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