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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.01.2012

Ulrich Khuon: Nicht alles muss authentisch besetzt sein

DT-Intendant zur Debatte um vermeintliche "Black Face"-Besetzung

Ulrich Khuon, Intendant am Deutschen Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Ulrich Khuon, Intendant am Deutschen Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Ist es Rassismus, wenn geschminkte weiße Schauspieler Schwarze verkörpern? In der Debatte um die "Ich bin Rappaport"-Inszenierung des Berliner Schlossparktheaters sagt der Intendant des Deutschen Theaters Berlin, Ulrich Khuon: Nicht alles muss authentisch inszeniert sein.

Khuon sagte im Deutschlandradio Kultur, einerseits müsse man solche Kritik ernst nehmen, "als wir ja im Moment in einer Phase leben, wo viele sagen: Das verfügende theatrale Sprechen über andere, dem muss man Einhalt gebieten." Stattdessen habe sich das partizipative Reden und Darstellen in den Vordergrund geschoben: "Das hat große Vorteile." Gleichwohl warnte er davor, an einen Punkt zu kommen, an dem alles authentisch besetzt werden müsse: "Dann wird genau das ausgehöhlt, was Theater eigentlich leisten kann: das zu verfremden, da eine neue Sichtweise, eine fremdere Sichtweise, eine irritierende Sichtweise drauf zu ermöglichen", so Khuon.

Wenn beispielsweise in dem Stück "Unschuld" am Deutschen Theater zwei illegale schwarze Immigranten von entsprechend geschminkten weißen Schauspielern gespielt würden, stelle dies genau "dieses verfügende Nachdenken über den Anderen" dar und kritisiere es, betonte Khuon.

Ganz zutreffend ist dem Intendanten des Deutschen Theaters zufolge die "Black Face"-Analogie im Fall der umstrittenen "Ich bin Rappaport"-Inszenierung am Schlossparktheater nicht. Der "Weiße" auf dem Filmplakat, Dieter Hallervorden, "der wirkt da nicht souverän oder erhaben, sondern da sind zwei komische Figuren."

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