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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 07.04.2014

Ukraine-KonfliktOperation "Russischer Frühling"

Die Aktivitäten russischer Radikaler in der Ukraine

Von Gesine Dornblüth

Pro-russische Demonstranten halten bei einer Demonstration in Donezk eine russische Fahne hoch. (afp/KHUDOTEPLY)
Pro-russische Demonstranten gehen in Donezk für ein Referendum auf die Straße. (afp/KHUDOTEPLY)

Immer wieder heißt es aus Kiew, Provokateure aus Russland seien an der Destabilisierung der Ukraine beteiligt. Das Moskauer Außenministerium reagiert empört. Doch es gibt Belege, dass russische Radikale in die Ostukraine reisen.

Während am vergangenen Wochenende prorussische Demonstranten in Charkiw, Lugansk und Donezk öffentliche Gebäude stürmen, demonstrieren in Moskau etwa fünfzig Radikale für einen sogenannten "Russischen Frühling" in der Ostukraine. Auf ihren roten Fahnen sind Handgranaten abgebildet. Ein Redner verkündet die Losung: "Russland ist alles, alles andere ist nichts."

"Angesichts des glänzenden Sieges auf der Krim dürfen wir nicht nachlassen. Wir haben Kraft, das Volk ist entschlossen. Russland, voran!"

Die nationalbolschewistische Partei "Anderes Russland" hat die Kundgebung organisiert. Sie steht weder rechts noch links, sondern ist gegen das System und dabei streng imperialistisch. Mit dem "Russischen Frühling" wollten sie eine Gegenrevolution in der Ukraine unterstützen, sagt Sergej Aksenow, einer der Funktionäre.

"Wir sind stolz, dass einige unserer Leute zur Zeit in der Ukraine sind. Ein paar wurden bereits abgeschoben, andere sind noch da. Sie haben erst bei den Selbstschutztruppen auf der Krim mitgemacht und für das Referendum dort geworben. Am Tag der Abstimmung haben sie dann bei der Organisation geholfen. Jetzt sind sie in Donezk und Charkow. Dort muss es auch Referenden geben, und damit das geschieht, ist jede Methode recht."

Ungewöhnliche Allianzen

In der Ecke, etwas abseits bei der Kundgebung in Moskau, steht ein Grüppchen Rechtsradikaler mit den Schwarz-gelb-weißen Fahnen des Zarenreiches. Der imperialistische Vormarsch Russlands ruft ungewöhnliche Allianzen hervor. Auch sie hätten Aktivisten in der Ukraine, sagt Aleksandr Amilin von der Partei "Russische Wiedergeburt":

"Das sind 15 Mann. Wir wollen, dass die Ukrainer und wir ein Volk sind. Dass wir nicht künstlich getrennt werden."

Politiker in der Ukraine warnen immer wieder vor, radikale Provokateure aus Russland würden die Lage im Osten des Landes anheizen. Dafür gibt es Belege. In Donezk zum Beispiel wählten prorussische Demonstranten vor wenigen Wochen einen jungen Mann zum „Volksgouverneur“, der früher Mitglied in der mittlerweile verbotenen russischen rechtsextremen Partei RNE war, Russische Nationale Einheit. Der Mann wurde von den ukrainischen Behörden festgenommen. Alexander Verchovskij ist ein ausgewiesener Experte für Rechtsextremismus in Russland. Er bestätigt, dass viele russische nationalistische Organisationen ihre Leute in die Ukraine schicken. Verchovskij warnt aber davor, das überzubewerten.

"De facto sehen wir nicht, dass viele Nationalisten aus Russland dort hinfahren. Sie fahren, und es sind mehr als die fünf oder sechs, über die in den Medien berichtet wird. Aber es sind keine Massen. Und wir sehen auch nicht, dass sie dort etwas Bedeutsames anrichten."

Verwirrung um "Eurasische Jugendunion"

Kürzlich allerdings meldeten die ukrainischen Behörden, sie hätten in Kiew einen Aktivisten der "Eurasischen Jugendunion" festgenommen, einer weiteren rechtsextremen Gruppe aus Russland, wie Verchovskij erläutert. Es hieß, der Mann habe einen Sturm auf das Parlament geplant, für jeweils 500 Dollar Mitstreiter rekrutiert und bereits Waffen verteilt.

Der Rechtsextremismus-Experte Verchovskij glaubt diesen Meldungen nicht:

"Von den Festnahmen in der Ukraine erfahren wir vor allem vom dortigen Geheimdienst, und bei dessen Mitteilungen wäre ich vorsichtig. Geheimdienste neigen dazu, ihre Erfolge kräftig zu übertreiben. Ich weiß ungefähr, was die Eurasische Jugendunion ist. Sie können vielleicht eine Show auf einem Platz organisieren, ein, zwei Leute überfallen, aber das sind keine Kämpfer. Sie sind nicht in der Lage, ein Parlament zu stürmen.

Insbesondere in der Ostukraine, in Charkow und Donezk, gibt es genügend ortsansässige prorussische nationalistische Gruppen, einige mit starkem Gewaltpotenzial. Die brauchen keine Hilfe aus Russland."

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