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Studio 9 | Beitrag vom 02.11.2015

UgandaMit einer App gegen die Korruption

Von Leonie March

Whistleblower gesucht: Mit Smartphones und einer speziellen App soll in Uganda gegen Korruption und Misswirtschaft gekämpft werden. (dpa / picture alliance / Yannick Tylle)
Whistleblower gesucht: Mit Smartphones und einer speziellen App soll in Uganda gegen Korruption und Misswirtschaft gekämpft werden. (dpa / picture alliance / Yannick Tylle)

Korruption gilt als eines der schwersten Entwicklungshemmnisse im ostafrikanischen Uganda. Dort versickern jeden Tag öffentliche Gelder, die für Grundschulen oder Kliniken gedacht waren. Das soll sich jetzt ändern – durch eine App, mit der jeder zu einem Whistleblower werden kann.

Ein Dutzend Erwachsene haben sich auf die niedrigen Holzbänke der Dorfschule gezwängt. Viele haben diesem Nachmittag entgegengefiebert. Einige haben sich sogar extra schick gemacht. Wie wissbegierige Schüler hängen sie an den Lippen eines jungen Mannes in dunklem Anzug, der sein Smartphone in die Luft hält. Es sei eine Waffe gegen Korruption:

"Ich heiße Gerald Businge. Ich bin der Programmdirektor von 'Action for Transparency'. Wir haben eine App entwickelt, die zeigt, welche Budgets die Regierung für Schulen und Kliniken angewiesen hat. So kann jeder nachprüfen, ob das Geld auch tatsächlich angekommen ist und ob es wie geplant ausgegeben wurde. Unser Ziel ist es, Korruption und Misswirtschaft öffentlicher Gelder aufzudecken."

Fasziniert schauen die Dorfbewohner zu, wie der Finger des Medienwissenschaftlers über das Display seines Handys fährt. Eine Landkarte erscheint; kleine Symbole markieren alle staatlichen Schulen und Kliniken. Mit einem Klick öffnet sich eine Tabelle. Dort steht, wie viel Geld diese Grundschule pro Jahr und Quartal vom Staat erhalten soll und welche Mittel zweckgebunden sind. Doch was einfach aussehe, sei harte Arbeit gewesen, betont Gerald Businge:

"Wir haben über ein Jahr gebraucht, um diese Daten zusammenzutragen. Man schickte uns im Ministerium von einem Bearbeiter zum nächsten. Denn eine zentrale Datenbank existiert nicht. Es war mühsame Kleinarbeit, die Detailinformationen für die einzelnen Schulen und Kliniken herauszufiltern, so dass die Bürger sie auch tatsächlich vor Ort überprüfen können. Wenn beispielsweise Geld für ein neues Klassenzimmer angewiesen, aber keines gebaut wurde, oder zwölf Lehrergehälter bezahlt werden, obwohl hier nur sieben arbeiten, dann können sie hier auf dieses Whistleblower-Symbol klicken und uns den Vorfall melden."

Alle wollen das direkt ausprobieren. Viele haben selbst ein Smartphone, andere schauen ihrem Nachbarn über die Schulter. Margaret Namagemba, eine füllige Frau in dottergelbem Kostüm, ist begeistert:

"Es ist wirklich einfach, die Informationen abzurufen und im Zweifelsfall zum Whistleblower zu werden. Entweder mit einem anonymen Tipp durch die App oder indem man die Hotline anruft. Diese Leute verfolgen den Fall dann für uns weiter."

Politische Monokultur befördert den Filz

Alle Hinweise laufen bei Transparency International in Uganda zusammen, im Büro von Moses Karatunga. Vetternwirtschaft gehöre in dem ostafrikanischen Land zum Alltag, erklärt er. Zwar gebe es gute Gesetze gegen Korruption, aber es hapert wie so oft an der Umsetzung und dem politischen Willen dazu. Ugandas Präsident Museveni regiert schon seit fast drei Jahrzehnten, die politische Monokultur fördert den Filz. Im weltweiten Korruptionsindex rangiert Uganda im letzten Viertel, auf Platz 142:

"Es gibt viele Korruptionsfälle, in die auch hochrangige Regierungsmitglieder verwickelt sind. Meistens kommen sie leider ungestraft davon. Dagegen wirken die kleineren Korruptionsfälle an Schulen und Kliniken natürlich wie Peanuts. Aber wir dürfen sie deshalb nicht ignorieren. Wir müssen den Bürgern zeigen, dass Transparenz im Umgang mit öffentlichen Geldern generell wichtig ist. Nur so können wir Korruption im Keim ersticken. Wir überprüfen also jeden Hinweis. Wenn er sich als stichhaltig herausstellt, dann nehmen wir Kontakt zu den entsprechenden Behörden, der Polizei oder den Ministerien auf."

Dicke Fische sind den Anti-Korruptionskämpfern durch die App noch nicht ins Netz gegangen. Aber die beiden sind trotzdem zufrieden mit den ersten Erfolgen ihres Pilotprojekts: So wurde beispielsweise ein Beamter überführt, der jahrelang Gelder für eine Schule einkassiert hatte, die nur auf dem Papier existierte, erzählt Gerald Businge. Fälle wie dieser hätten Signalwirkung:

"Viele Studien belegen den Zusammenhang zwischen Korruption und mangelnder Information. Wer sich unbeobachtet fühlt, stiehlt weiter. Sobald die Bürger aber wissen, um welche Summen es geht und wofür das Geld gedacht ist, wird es schwieriger, es abzuzweigen. Wir geben den Bürgern mit der App ein Kontrollinstrument, das sie sicher nutzen können, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen."

Aufgeklärte, mündige Bürger sind das beste Mittel im Kampf gegen die Korruption: Davon hat Gerald Businge an diesem Nachmittag auch die Zuhörer in der Grundschule überzeugt. Ermutigt gehen die Dorfbewohner nach Hause, als potenzielle Whistleblower.

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