Sonntag, 25. Januar 2015MEZ15:17 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsEin Leben ohne Freiheit ist möglich
Der französische Autor Michel Houellebecq im November 2014 in einem Pariser Restaurant, eine Zigarette in der Hand.

Ein Leben in Unfreiheit muss gar nicht so schlecht sein - meinte zumindest der Schriftsteller Michel Houellebecq im Gespräch mit der "Zeit". Selbst wenn wir die Aufklärung hinter uns ließen, blieben noch Kathedralen und die Musik von Bach.Mehr

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Fazit

NachwuchsförderungMax-Ophüls-Preis geht an "Chrieg"
Der Schweizer Regisseur Simon Jaquemet nach der Verleihung des 36. Max Ophüls Preises im E-Werk Saarbrücken.

Der Max-Ophüls-Preis für den besten deutschsprachigen Nachwuchsfilm geht an den Film "Chrieg" des Schweizer Regisseurs Simon Jaquemet. Das Werk überzeugte durch "Wucht, Klarheit und Authentizität", so die Jury. Insgesamt wurden 15 Preise vergeben.Mehr

Tangerine DreamMusikpionier Edgar Froese ist tot
Der Gründer der 1967 in Berlin gegründeten Electronic-Band "Tangerine Dream", Edgar Froese, aufgenommen am 07.07.2006 in Berlin. Die Gruppe hat in den nahezu 40 Jahren ihres Bestehens weltweit rund 130 Platten veröffentlicht. Mit etlichen, wie der Debüt-LP "Electronic Meditation" (1970) und "Force Mayeur" (1979), schrieb sie Musikgeschichte.

Er war einer der Pioniere der deutschen elektronischen Musik - jetzt ist Edgar Froese im Alter von 70 Jahren gestorben. 1967 hatte er Tangerine Dream gegründet und mit der Band immer wieder wichtige Impulse für verschiedene Musikgenres gegeben.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.09.2010

Überfordert vom vermeintlichen Glück

Leo Tolstois "Anna Karenina" am Müncher Volkstheater

Von Christoph Leibold

Der russische Schriftsteller Leo Tolstoi starb im November vor 100 Jahren.
Der russische Schriftsteller Leo Tolstoi starb im November vor 100 Jahren. (AP Archiv)

Der Akzent in dieser Bühnenadaption ist klug verschoben: Weg von der altmodischen Tragödie einer Ehebrecherin, hin zum Dilemma eines modernen Individuums, das sich frei für sein Glück entscheidet und dabei sein Unglück verschuldet.

Ehebruch? Allein das Wort klingt heute fast schon antiquiert. Zu Tolstois Lebzeiten, war das, was seine Titelheldin Anna Karenina tat (den Ehemann verlassen für einen Geliebten nämlich) noch strengen gesellschaftlichen Sanktionen unterworfen. Heute, wo bald jede zweite Ehe geschieden wird, sind freie Partnerwahl und -wechsel normal. Doch mit der Freiheit wächst die Eigenverantwortung. Und damit der Druck, alles richtig zu machen, um glücklich zu werden.

In der Bühnenadaption von Tolstois "Anna Karenina" am Münchner Volkstheater ist klug der Akzent verschoben: Weg von der tendenziell altmodischen Tragödie einer Ehebrecherin, hin zum Dilemma eines modernen Individuums, dass sich frei für sein Glück entscheiden will und dabei sein Unglück verschuldet.

Diese Verschiebung verdankt sich zum einen der Textfassung von Armin Petras, die die weitverzweigte Handlung samt breit angelegtem Gesellschaftstableau gezielt auf den wesentlichen Handlungskern und sieben zentrale Figuren reduziert; und zum anderen der Regie von Frank Abt.

Allein wie Frank Abt das Aufeinandertreffen von Anna und ihrem Liebhaber Wronski inszeniert, wie Robin Sondermann in überbordendem, ja fast verkrampftem Enthusiasmus auf Barbara Romaner einstürmt, und wie sie verstört, verschüchtert darauf reagiert – allein das erzählt Bände von der Überforderung, die die Ermächtigung, das eigene Glück in die Hand zu nehmen, bedeuten kann.

Trotz dieser bitteren Erkenntnis ist diese rundum geglückte Theaterarbeit nie zynisch, sondern geprägt von großer Menschlichkeit, auch von leiser Komik. Und: getragen von einem hinreißend zusammenspielenden Ensemble.