Seit 17:30 Uhr Tacheles
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 17:30 Uhr Tacheles
 
 

Länderreport | Beitrag vom 04.03.2016

TV-Duell zwischen Klöckner und DreyerHart aber freundlich

Von Anke Petermann

Beitrag hören
Julia Klöckner und Malu Dreyer  (picture alliance / dpa / Foto: Andreas Arnold)
Julia Klöckner (CDU) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD, r.) am 1. März 2016 im Sendestudio des SWR in Mainz. (picture alliance / dpa / Foto: Andreas Arnold)

Fast 30 Prozent Einschaltquote – selten schauen so viele das Regionalprogramm in Rheinland-Pfalz. Das Aufeinandertreffen von SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer und CDU-Herausforderin Julia Klöckner wollten viele nicht verpassen. Am Ende gab es sogar eine kleine Überraschung.

"Die Erwartungshaltung bei unserem Testpublikum war, dass Julia Klöckner etwas besser abschneiden würde",

so der Mainzer Politikwissenschaftler Thorsten Faas, der 70 Probanden analog zur gesellschaftlichen Zusammensetzung ausgewählt hatte, die das SWR-Duell bewerteten. Ihre Erwartung bestätigte sich nicht, konstatierte Faas:

"35 Prozent unserer Probanden haben Dreyer vorn gesehen, 32 Prozent Klöckner."

Dass die Herausforderin eine Stunde lang auf Augenhöhe mit Der Amtsinhaberin agierte, sei nicht zu unterschätzen, meint der Politologe – Anerkennung für Klöckner. Anders sieht das die Allgemeine Zeitung aus Mainz: die CDU-Spitzenkandidatin habe die Chance vertan, eine halbe Million Rheinland-Pfälzer von der Notwendigkeit eines Wechsels zu überzeugen. Ihr Handicap habe sich die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende selbst zuzuschreiben, findet der Kommentator: Erst die Nähe zur Kanzlerin inszeniert, dann von Merkel abgerückt, deshalb die Breitseite von Gegnerin Malu Dreyer verdient.

Dreyer: "Die Kanzlerin hat einfach Recht. Wir brauchen eine europäische Lösung. Sie fallen ihr in den Rücken, anstatt sie zu stärken. Sie braucht eigentlich die Unterstützung von ganz Deutschland."

Frey: "Also …"

Klöckner: "Das möchte ich korrigieren… CDU und CSU sind der Motor bei der Lösung der Fragen der Flüchtlingskrise. Die Kanzlerin hält Europa zusammen. Ich steh an ihrer Seite."

Mit Menschlichkeit gepunktet

Was die Bundeskanzlerin im Interview mit der Mainzer Allgemeinen und der Rhein-Zeitung soeben bestätigt. Mit Julia Klöckner als Ministerpräsidentin, so wirbt Angela Merkel für ihre Stellvertreterin an der Parteispitze, würden abgelehnte Asylbewerber in Rheinland-Pfalz konsequenter zurückgeführt. Doch bei diesem umstrittenen Thema hatte Malu Dreyer beim Testpublikum mit einem Plädoyer für Menschlichkeit gepunktet. Die Replik der Amtsinhaberin auf Klöckners Forderung nach einem "Integrationspflichtgesetz" fiel dem Kommentator der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dagegen "zu schnoddrig" aus. Die CDU-Spitzenkandidatin erzählt häufig von muslimischen Männern, die Frauen nicht respektierten. Einspruch Dreyer:

Dreyer: "Frau Klöckner, die Diskussion, die Sie regelmäßig aufmachen, da frage ich mich manchmal schon, leben Sie eigentlich hier in Rheinland-Pfalz? Wir haben einen so ausgezeichneten interreligiösen Dialog. Imame geben einem hier in der Regel auch die Hand. Und ich kenne hier in Rheinland-Pfalz keine Menschen, die sich angeblich weigern, irgendwelches Essen anzunehmen, die einem keine Hände geben…"

Also: keine Parallelgesellschaften in diesem rot-grün regierten Land? Da darf man zweifeln. Alles in allem aber,

"hart in der Sache, aber freundlich im Umgang",

so fasst Petra Wagner vom SWR das Damen-Duell zusammen. "Vorbildhaft", ergänzt die Süddeutsche Zeitung: ein "hochprofessioneller Umgang" der Kontrahentinnen miteinander, und zwar nicht nur im Fernsehen, sondern im gesamten bisherigen Wahlkampf. Insofern: Glückwunsch, Rheinland-Pfalz!

Mehr zum Thema

Rheinland-Pfalz vor der Wahl - Das Land der Rüben, Reben und Rotoren
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 04.03.2016)

Landtagswahl in Rheinland-Pfalz - Vorteil Dreyer in TV-Duell
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 02.03.2016)

Klöckner vs. Dreyer - Wie weiblich ist der Wahlkampf in Rheinland-Pfalz?
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 29.02.2016)

Landtagswahl in Rheinland-Pfalz - Wahlkampf-Medizin von der CDU
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 29.02.2016)

Landtagswahlen am 13.März - Wie Berlin auf die "kleine Bundestagswahl" blickt
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 29.02.2016)

Länderreport

BayernVom Freistaat zum freien Staat?
Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?Mehr

Der Schleswig-HolsteinerHarte Beine, kurze Röhren
Eine Holsteiner-Stute (picture alliance / dpa / Axel Heimken)

Der Schleswig-Holsteiner: Zwei Hauptstämme, zwei Vertreter und so natürlich auch zwei Beschreibungen. Ethnologen geben da sehr verschiedene Beschreibungen ab. Wir blättern in diversen Zuchtberichten - auf der Suche nach Parallelen zwischen Mensch und Tier.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur