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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.02.2011

"Tucker & Dale vs Evil"

Hans-Ulrich Pönack über einen überdrehten Horror-Klamauk

Der Debüt-Langfilm von Eli Craig  (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)
Der Debüt-Langfilm von Eli Craig (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)

Der Jux-Horror "Tucker & Dale" spielt köstlich mit den Klischees des Genres: Eine Gruppe von Teenagern trifft auf vermeintlich blutrünstige Kettensägen-Hinterweltler. Es gibt Tote - und viele Missverständnisse.

Kanada 2009; Regie: Eli Craig; Hauptdarsteller: Alan Tudyk, Tyler Labine, Katrina Bowden, Jesse Moss; Länge: 89 Minuten

Das ist für mich selbst die größte Überraschung in dieser Kinopremieren-Woche: Dass ein komischer Horrorfilm, mit "lachendem Blut" sozusagen, ganz vorne in der Sympathietemperatur steht - vor allen anderen Kunstprodukten. Aber es ist so. Über den hierzulande unbekannten Autoren-Regisseur Eli Craig heißt es im Presseheft, dass er nach dem College als Bergführer tätig war ("…absolvierte einige der schwierigsten Aufstiege der Welt…"). "Um auf noch abenteuerlichere Weise an seine Adrenalin-Klicks zu kommen, begann er als Autor und Regisseur zu arbeiten". Na bitte. Nach einem Praktikum bei Clint Eastwood, so weiter im Presseheft, folgte der Abschluss an der "USC School of Cinema", "an der er einige preisgekrönte Kurzfilme inszenierte". Nun also der Debüt-Langfilm. Und was für einer!

Thema: Die an sich gemeinen amerikanischen Hinterwäldler. Jedenfalls die vom typischen US-Landeier-Horror-Kino à la "Hügel der blutigen Augen" oder aus den Klassikern "Texas Chainsaw Massacre" (von Tobe Hooper) und "Beim Sterben ist jeder der Erste" (von John Boorman). Der freche Film "Zombieland" verulkte neulich schon dieses Genre um die unterbelichteten wie mörderischen Dschungelcamp-Piefkes aus dem amerikanischen Süden, jetzt aber wird die blutige Chose einmal völlig umgekehrt. Auf ziemlich ulkig-rabiate wie überdreht-augenzwinkernde Unterhaltungsart. Aus dem Standard-Programm. Denn wen haben wir beisammen bzw. wer stößt hier auf wen?

Ganz klar - diese ekligen Deppen aus den Tiefen der Wälder auf der einen Seite sowie eine Gruppe von "niedlichen" wie aufgekratzten Großstadt-Teenagern beiderlei Geschlechts auf der anderen, die nichts anderes wollen als mal Spaß haben. Mit Gesöff und Getue. Abseits von Eltern, Aufpassern und Anstand. Camping im tiefen Wald. Als eine Art Freizeit-Live-Abenteuer. Und das bekommen sie dann auch geboten. Mehr als ihnen lieb ist und gut tut. Das All-Inclusive-Horror-Vollprogramm sozusagen.

Tucker & Dale, diese beiden schlichten Gemüter mit dem etwas gruseligen Aussehen, beabsichtigen eigentlich nur, ein nettes Weekend in ihrer schäbigen Waldhütte zu verbringen - mit viel Dosenbier und Angeln. Die College-Kids aber wissen es besser, halten die Beiden für finstere Brüder. In ihrer völlig überhitzten Fantasie, gesteuert aus Unmengen von schlechten Filmbildern, sind sie felsenfest überzeugt, es mit kannibalistischen Inzucht-Hillbillies zu tun zu haben.

Zumal doch ihre "süße Blonde" Allisson von denen gerade entführt wurde. Gerettet, wissen wir dagegen. Denn sie wäre beim nächtlichen Bad beinahe ertrunken. Anstatt aber nun schnellstens abzuhauen und Polizei-Hilfe zu holen, will der Nachwuchs es "mit denen" lieber selber aufnehmen. Was irrwitzige Folgen hat. Denn zufälligerweise ergeben sich derart makabere Zufallsunfälle, dass es tatsächlich so ausschaut, als würden "die lieben Kleinen" hier einfach weggekillt. Dabei wollen Tucker & Dale wirklich nur helfen. Zunächst. Um sich dann gegen diese, wie sie meinen, "Selbstmordsekte" ein bisschen zur Wehr zu setzen. Was den Klugscheißern draußen gar nicht gut bekommt. Was uns wiederum gar nicht schrecklich, sondern schrecklich komisch vorkommt.

Der Jux-Horror "Tucker & Dale" spielt köstlich mit den Klischees des Genres. "Tucker & Dale" ist total überdrehte, lachhafte Horror-Folklore. Mit absurdem Humor und bizarrer Situationskomik. Als hintergründiges, kauziges Kulturvergnügen: Denn wenn zwei so unterschiedliche "soziale Kulturkreise" aufeinanderprallen, sind schon mal Missverständnisse und Vorurteile gut möglich - wenn man nicht vernünftig miteinander zu kommunizieren versteht. Auf dem letztjährigen Fantasy-Filmfest war der Film ein Hit. Auch, weil mit Alan Tudyk & Tyler Labine zwei wirklich "komische Käuze" als vermeintliche Massenmörder köstlich herumalbern. Mit denen möchte man gerne weitere "Späße" erleben.

Filmhomepage (engl.)

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