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Studio 9 | Beitrag vom 23.02.2016

Tschetscheniens Präsident KadyrowPutins politischer Ziehsohn

Von Gesine Dornblüth

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Ramsan Kadyrow, Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien. (picture alliance / Ria Novosti / Said Tcarnaev)
Ramsan Kadyrow, Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien. (picture alliance / Ria Novosti / Said Tcarnaev)

Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow gilt als Handlanger Moskaus. Immer wieder tritt er öffentlich für Putins Politik ein und wettert gegen russische Oppositionspolitiker. Die aber legen nun einen Bericht über die Verbindungen von Putin und Kadyrow vor.

Ramsan Kadyrow, Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien, klopft abwechselnd mit dem Finger auf den Tisch und zeigt auf sich selbst.

"Hier hat niemand etwas zu sagen, ich bin hier der Chef. Nur Ramsan, sonst niemand! Es gibt keine anderen Namen in dieser Gegend, nur einen: Kadyrow!"

Das Video der Unterredung Kadyrows mit seinen Untergebenen wurde vor ein paar Jahren im tschetschenischen Fernsehen ausgestrahlt. Der heute 39-Jährige regiert Tschetschenien diktatorisch. Er befehligt als einziger Chef einer russischen Region eine eigene Sicherheitsarmee, die sogenannten Kadyrowzy. Letzten Winter marschierten 20.000 von ihnen in Kampfausrüstung im Fußballstadion von Tschetscheniens Hauptstadt Grosny auf. Kadyrow nutzte das für eine Solidaritätserklärung an Wladimir Putin.

"Hier haben sich die besten Söhne des tschetschenischen Volkes versammelt. Wir erklären der ganzen Welt: Wir sind die Kampftruppe Wladimir Putins! Wir werden den Feind Russlands wo auch immer bekämpfen. Es lebe unser großes Vaterland Russland, es lebe unser nationaler Führer Russlands Wladimir Putin!"

"Den Verrätern nur der Tod"

Putin hat Kadyrow 2007 an die Spitze der Republik gebracht. Nachdem der zunächst vor allem seine eigenen Gegner in Tschetschenien hinter Gitter brachte oder ins Exil zwang, hetzt er nun vermehrt gegen Oppositionelle und kritische Journalisten in Moskau. Im Januar bezeichnete er sie als "Volksfeinde und Verräter", gegen die die Gerichte härter vorgehen müssten. Bei einer Kundgebung in Grosny kam es sogar zu Todesdrohungen.

Der tschetschenische Duma-Abgeordnete und Kadyrow-Vertraute Adam Delimchanow versprach:

"Wir kennen unsere Feinde und die Verräter dieses Landes. Wir haben Listen mit ihren Namen in den Taschen. Für jedes Wort gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin oder gegen das Oberhaupt Tschetscheniens werden sie sich verantworten müssen. Im Rahmen des Gesetzes und auch außerhalb."

Darauf der Moderator der Kundgebung:

"Ganz recht, den Verrätern nur der Tod."

Kurz darauf veröffentlichte Kadyrow ein Video, das den russischen Oppositionspolitiker Michail Kasjanow von der Partei Parnas zeigt, legte ein Fadenkreuz darüber und versah es mit der Unterschrift: "Wer bis jetzt nicht verstanden hat, wird jetzt verstehen." Kasjanow verstand das als Morddrohung.

Die Machtelite im Kreml lässt ihn gewähren

Oppositionelle in Moskau glauben, dass Ramsan Kadyrow auch in den Mord an Boris Nemzow verwickelt ist. Der Oppositionspolitiker Nemzow, gleichfalls von der Parnas-Partei, wurde am Abend des 27. Februar 2015 in Kremlnähe auf offener Straße erschossen. Fünf mutmaßliche Tatbeteiligte wurden festgenommen. Der mutmaßliche Organisator des Mordes ist flüchtig. Alle stammen aus Tschetschenien. Der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin, ein Mitstreiter Nemzows:

"Die Leute, die Nemzow umgebracht haben, sind mit dem Umfeld Kadyrows verbunden. Und ich habe große Zweifel, dass sie handeln konnten, ohne das mit Ramsan Kadyrow abzustimmen."

Die Machtelite im Kreml lässt Kadyrow gewähren, nimmt ihn sogar in Schutz. Denn er hat das zerstörte Grosny nach den Tschetschenienkriegen wieder aufgebaut und den bewaffneten Untergrund weitgehend in den Griff bekommen. Tschetschenien gilt heute als vergleichsweise sicher, die Terroristen sind in die kaukasischen Nachbarrepubliken ausgewichen.

Der Oppositionspolitiker Jaschin will in Moskau heute einen Bericht über Kadyrow vorstellen. Er hält den tschetschenischen Republikchef für ein Sicherheitsrisiko und sagt:

"Kadyrow ist, politisch gesehen, Putins Kind. Putin hat ihn mit beispiellosen Vollmachten versehen, Putin hat das Regime Kadyrows mit Geld, Ressourcen und Einfluss vollgepumpt. Und das ist auch der Hauptgedanke meines Berichts: Das politische Regime Kadyrows ist das Ergebnis von Putins Politik im Nordkaukasus."

 

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