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Konzert / Archiv | Beitrag vom 14.01.2017

Tschaikowskys "Eugen Onegin"Menschen fühlen einander vorbei

Aufzeichnung aus der Oper Frankfurt am Main

Sara Jakubiak als Tatiana und Daniel Schmutzhard als Eugen Onegin in Tschaikowskys Oper (Barbara Aumüller/Oper Frankfurt am Main)
Sara Jakubiak als Tatiana und Daniel Schmutzhard als Eugen Onegin in Tschaikowskys Oper (Barbara Aumüller/Oper Frankfurt am Main)

Die Frankfurter Oper brachte im vergangenen November eine Neuinszenierung von Peter Tschaikowskys "Eugen Onegin" heraus. Wir senden diese Produktion mit Sara Jakubiak als Tatiana und Daniel Schmutzhard als Onegin unter der Leitung von Sebastian Weigle an dieser Stelle.

Eigentlich ist Eugen Onegin ein Antiheld, seine "vor der Zeit gealterte Seele" ist ein Archetyp der russischen Literatur und entspricht Iwan Turgenews "überflüssigem Menschen". "Du kannst Dir nicht vorstellen, wie wild ich auf dieses Sujet bin!", schrieb Tschaikowsky an seinen Bruder Boris, nachdem er Alexander Puschkins gleichnamigen Roman in einem Zuge durchgelesen hatte. Innerhalb weniger Stunden entwarf er daraufhin ein Szenarium. Es entstand eine epische Reihung von Geschehnissen um Menschen, die "einander vorbeifühlen". Der Reichtum an "Lebenswahrheit und Poesie", der in dieser Oper verborgen liegt, kann bis heute faszinieren.

Ende der 1870er Jahre komponierte Tschaikowsky den "Eugen Onegin". Nikolaj Rubinstein dirigierte die Uraufführung im Moskauer Maly-Theater. Tschaikowsky hatte die Oper als Prototypen einer neuen Ausdruckswelt einbringen wollen, "Eugen Onegin" sollte Versuch einer neuen Denkrichtung sein: "Mir scheint, dass ich tatsächlich die Fähigkeit besitze, durch Musik jene Gefühle, Stimmungen und Gestalten, auf die der Text hinweist, wahrheitsgetreu, innig und einfach auszudrücken. In diesem Sinne bin ich Realist und ein wahrer russischer Mensch." Dann setzte er noch einen drauf, was die Wirkung des Werkes zu seiner Zeit angeht: "Ich pfeife auf Effekte." In dieser Oper setzt der Komponist auf Desillusionierung – Versöhnung scheint ausgeschlossen. Die Gestalten des Dramas zerbrechen an den eigenen Ansprüchen, greifen nicht in den Strom der Handlung ein.

Es ist ein Scheitern an der Welt, das uns hier vorgeführt wird, Tschaikowsky schöpfte damit auch aus dem eigenen Erfahrungsschatz: "Ich suche ein intimes, aber starkes Drama, das auf Konflikten beruht, die ich selber erfahren oder gesehen habe, die mich im Innersten berühren können."

Oper Frankfurt am Main
Aufzeichnung vom 20. November 2016

Peter Tschaikowsky
"Eugen Onegin"
Lyrische Oper in drei Akten und sieben Bildern
Libretto: Peter Tschaikowsky und Konstantin S. Schilowski nach Alexander Puschkin

Barbara Zechmeister – Larina
Sara Jakubiak - Tatiana
Daniel Schmutzhard – Eugen Onegin
Mario Chang - Lenski
Judita Nagyová - Olga
Elena Zilio - Filipjewna
Robert Pomakov - Fürst Gremin
Daniel Miroslaw- Hauptmann
Dietrich Volle - Saretzki
Peter Marsh – Triquet
Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Leitung: Sebastian Weigle

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