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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 17.03.2010

"Troubled Water"

Hannelore Heider über ein Drama um Schuld und Sühne

Nach einem Mord und einem Aufenthalt im Gefängnis will ein junger Mann in "Troubled Water" ein neues Leben beginnen. Nur im Orgelspiel kann er sich ausleben. Der Film aus Norwegen vereint alle Qualitäten des nordeuropäischen Kinos.

Norwegen 2008, Regie: Eric Poppe, Hauptdarsteller: Pal Sverre Valheim Hagen, Ellen Dorrit Petersen, Trine Dyrholm, 121 Minuten, ab 12 Jahren

Mit beachtlichen Vorschusslorbeeren kommt dieses norwegische Drama nun endlich doch in die deutschen Kinos. Der amerikanische Dokfilmstar Michael Moore sah in ihm den "absolut besten Film", den er seit Jahren gesehen hat, auf mehreren internationalen Filmfestivals, so in Rotterdam und in Emden, errang er den Publikumspreis und der junge Hauptdarsteller wurde an der Seite der aktuell wohl berühmtesten dänischen Darstellerin Trine Dyrholm als bester Hauptdarsteller in einem norwegischen Film ausgezeichnet.

Erzählt wird uns ein dichtes Drama um Schuld, Sühne und Vergebung, das alle Qualitäten des nordeuropäischen Kinos in sich vereint. Die größten Emotionen in dieser sehr zurückhaltenden, ganz auf das Vermögen der Schauspieler konzentrierten und dramatisch klug geführten Inszenierung transportiert das Orgelspiel des jungen Helden Jan, der nur hier seine nie mehr zur Ruhe kommende Seele offenbaren kann. Daher auch der Titel: Simon & Garfunkels Rockklassiker "Bridge Over Troubled Water" wurde für den Film in eine dramatische Orgelversion übersetzt.

Jan hat als Aushilfsorgelspieler in einer kleinen Gemeinde unter seinem zweiten Vornamen Thomas ein neues Leben begonnen. Er braucht den Job, um aus dem Gefängnis entlassen zu werden, in dem er acht Jahre wegen der Tötung eines Kindes einsaß. Die junge Pastorin Anna (Ellen Dorit Petersen) sieht das Besondere des Jungen, ohne seine Qualen wirklich zu kennen. Er verliebt sich in sie und vermag sogar ihrem kleinen Sohn ein Freund zu werden. Bis ihn die Mutter des toten Kindes (Trine Dyrholom) auf der Straße erkennt mit diesem Jungen an der Hand, der ihrem getöteten Sohn so ähnlich sieht.

Agnes hat den tragischen Schicksalsschlag nie verwinden können. Die Leiche ihres Sohnes wurde nie gefunden, was damals passiert sein könnte, speist jede Nacht ihre Albträume, genauso wie bei Jan. Es sind nicht einfach zwei Seiten des Erlebens, deren Zeuge wir hier werden. Es sind zwei Qualen, die nie aufhören werden, das ahnt der Zuschauer und ist von der Konsequenz des immer dramatischer werdenden Geschehens nicht überrascht.

Schuld einzugestehen, Sühne anzunehmen und Vergebung zu gewähren, das erfordert für diese in Mimik, Gestik und Dialogen absolut glaubwürdig gezeichneten Charaktere eine schier übermenschliche Anstrengung. Dass es ihnen gelingen möge, wünscht sich der Zuschauer sehr.


Filmhomepage "Troubled Water"

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