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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 05.08.2009

"Tropa de Elite"

Anke Leweke über einen Actionfilm aus Brasilien

Regisseur Jose Padilha und Schauspielerin Maria Ribeiro auf der Berlinale. (AP)
Regisseur Jose Padilha und Schauspielerin Maria Ribeiro auf der Berlinale. (AP)

In seinem Spielfilm folgt Regisseur José Padilha mit der Handkamera einer brasilianischen Elite-Truppe der Polizei bei Einsätzen in den Favelas, den Elendsvierteln von Rio. Selbstjustiz steht dabei auf der Tagesordnung. "Tropa de Elite" wurde auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Brasilien / Niederlande / USA 2007, Regie: José Padilha, Darsteller: Wagner Moura, André Ramiro, Caio Junqueira, Maria Ribeiro, keine Jugendfreigabe, 115 Minuten

Jury-Entscheidungen sorgen immer wieder für Überraschungen. So war man 2008 einigermaßen erstaunt, dass der Goldene Bär der Berlinale an den brasilianischen Film "Tropa de Elite" ging. Erstaunt deshalb, weil der Film um eine Spezialtruppe der Militärpolizei von Rio de Janeiro letztlich nicht gelungen war. Doch warf die Auszeichnung die alte und ewig aktuelle Frage wieder auf: Wie viel Gewalt verträgt ein Film über gewalttätige Zustände?

Der Film folgt der titelgebenden Truppe 1997 bei ihren Einsätzen in den von Drogendealern beherrschten Favelas. Die Handkamera heftet sich an die Fersen der Polizisten, hetzt mit ihnen durch enge Gassen und blickt durch ihre Zielfernrohre. Unter der Führung ihres Vorgesetzten, des Capito Nascimento, hat sich die Todesschwadron darauf spezialisiert, den Antidrogenkrieg ohne bürokratisches Federlesen zu führen. Dealer werden zertreten, erschlagen, erschossen, mit Plastiktüten gefoltert und erstickt, korrupte Polizisten von Scharfschützen erlegt. Der Spielfilm "Tropa de Elite" beruht auf einem Buch, in dem ein ehemaliges Mitglied von den Methoden der Truppe berichtet, und kokettiert mit der Aura des Authentischen.

Mit den Polizisten geht man nach Hause, lernt ihre privaten Probleme kennen, die Dealer bleiben hingegen gesichtslos, oder zynisch gesagt, reines Kanonenfutter. Das Leben in den Favelas ist reine Kulisse, und scheint nur aus Verrohung und Schnellfeuerwaffen zu bestehen.

Der wirklich unangenehme Beigeschmack von "Tropa de Elite" kommt aus den Bildern selbst. Indem Padilhas hastige, permanent mit Reißschwenks arbeitende Kamera die Überforderung und den Stress der brasilianischen Militärpolizisten bei ihren Einsätzen überhöht, suggeriert sie, dass den Beamten gar keine andere Wahl bleibe als ständig den Finger am Abzug zu lassen.

Diese kopflos mit der Selbstjustiz kollaborierende Kamera, die immer wieder vom Favela-Rock vorangetriebene Clip-Montage und der coole Schwarzhemdenlook der Polizisten machen "Tropa de Elite" zu einem Film, der die Wirklichkeit, von der er erzählen will, mit allzu gängigen Kinomitteln erschlägt.

Filmhomepage: "Tropa de Elite"

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