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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 08.02.2010

Trockenheit, Raubbau, Brandstiftung

Spanien ist von Versteppung bedroht

Von Reinhard Spiegelhauer

Ein Feuerwehrmann löscht einen  Waldbrand in Galicien.
Ein Feuerwehrmann löscht einen Waldbrand in Galicien. (AP)

Spanien gehört neben Griechenland und Portugal zu den Ländern in der EU, in denen die Zahl der verbrannten Hektar am höchsten ist. Ein Drittel der Landfläche Spaniens droht im Zuge des Klimawandels zur Steppe zu werden, so warnen Umweltorganisationen. Verschärft wird das Problem durch den sorglosen Umgang mit natürlichen Ressourcen und den Raubbau an der Natur.

Zikaden und Skorpione gehören zu den wenigen Tieren, die sich hier wohl fühlen: die Luft flirrt unerträglich heiß über dem ausgetrockneten, staubigen Boden. Eine Landschaft, wie in Afrika – doch sie liegt im Südosten Spaniens, am Cabo de Gata.

Es ist die einzige natürliche Halbwüste Europas, geprägt durch extreme Klimabedingungen über Tausende von Jahren. Doch was dort nicht nur exotisch ist sondern sogar als Naturpark unter Schutz steht, droht im Zuge des Klimawandels die Lebensgrundlage der Menschen in anderen Gebieten Spaniens zu vernichten, warnt der Umweltschützer Carlos Arribas:

"Die Berichte des Weltklimarates für das westliche Mittelmeergebiet sagen einen Anstieg der Temperaturen, Austrocknung der Böden und weniger Niederschläge voraus. Der Klimawandel wird so hohe Temperaturen mit sich bringen, dass es sogar dem Strandtourismus schaden wird."

Dabei sind viele Böden schon jetzt durch ganz unmittelbaren menschlichen Einfluss in Gefahr - zum Beispiel durch den Raubbau an natürlichen Wasservorkommen. Der traditionelle Trockenfeldbau ist von Intensivlandwirtschaft abgelöst worden – und auch wenn immer sparsamer bewässert wird: Der Wasserbedarf ist riesig, immer neue Flächen werden unter den Pflug oder das Gewächshausdach genommen. Dazu kommt, dass auch in Privathaushalten und im Tourismussektor noch immer sorglos mit Wasser umgegangen wird – denn Wasser ist zwar knapp wird aber trotzdem im europäischen Vergleich relativ billig bereit gestellt.

Zur Trockenheit gesellen sich Waldbrände, die die Versteppung weiter fördern – dabei sind gelegentliche Feuer seit Jahrtausenden ein normaler Umwelteinfluss im Ökosystem der Mittelmeerwälder und Strauchlandschaften: Widerstandsfähige Borke schützt die Bäume, die Samen der Zistrosen-Sträucher keimen besser, wenn sie hohen Temperaturen ausgesetzt waren, und manche Heide-Arten wachsen nach einem Feuer stärker als zuvor. Unter normalen Umständen erholt sich die Vegetation relativ schnell, so Wladimiro Rodriguez, Umweltbeauftragter der Kanarischen Inseln:

"Die Kanarische Kiefer und der Lorbeerwald können sich innerhalb weniger Jahre erholen. Nach zwei bis drei Jahren ist die Insel wieder grün, mit dem gleichen Baumbestand wie vorher."

Doch heute spielen die Waldbrände eine andere Rolle als früher: 90 Prozent der Feuer entstehen aus Unachtsamkeit oder werden vorsätzlich gelegt. Schon deshalb ist die betroffene Fläche weit höher, als unter natürlichen Umständen. Dazu kommt: Das Wechselspiel zwischen natürlicher Vegetation und Kultivierung durch den Menschen ist an vielen Stellen aus dem Gleichgewicht geraten.

Wladimiro Rodriguez: "Wir müssen uns klar machen, dass Landwirtschaft und Umweltschutz zusammen gehören. Zuletzt ist die Beweidung hier auf Teneriffa stark zurück gegangen. Jetzt gibt es hier noch 70.000 Ziegen."

Das Problem: Wo die Ziegen nicht mehr weiden, wuchern die Sträucher. Kommt es dann zu einem Brand – egal, ob vorsätzlich gelegt oder durch natürliche Auslöser – finden die Flammen mehr Nahrung als normal, entwickeln sich sehr viel stärkere Brände, die für das Ökosystem nur schwer zu verkraften sind. Die schützende Pflanzendecke geht verloren, der Boden wird abgetragen, aus Wald und Strauchlandschaft wird Steppe. Und das gleiche Schicksal droht auch Ackerflächen, wenn sich ihre Bewirtschaftung wegen der Konkurrenz durch die Intensivlandwirtschaft nicht mehr lohnt.

Die Böden verarmen nicht nur – auch ihre Funktion als Kohlenstoff-Senke geht verloren: denn die spärliche Steppenvegetation nimmt sehr viel weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Ein wichtiger Punkt, sagt Juan Albaladejo Montoro von der Universität Murcia:

"Man muss sich klar machen, dass zwar nur ein geringer Prozentsatz der verrottenden Pflanzen in den Boden gelangt, aber auf globalem Maßstab ist dreimal so viel Kohlenstoff im Boden gebunden, wie in der lebenden Pflanzendecke – einschließlich Amazonaswälder."

So wird die Steppenbildung Teil eines Teufelskreises: weniger Kohlenstoff wird im Boden fest gelegt, das beschleunigt die Erderwärmung zu beschleunigen, die ihrerseits eine zusätzliche Gefahr für die Böden darstellt. Gute Aussichten allenfalls für Zikaden und Skorpione ...