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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 30.12.2009

"Triff die Elisabeths!"

Hans-Ulrich Pönack über eine winterliche Familien-Komödie

Eine fünfköpfige Familie startet aus Paris in den Skiurlaub. Der wenig taugliche Familienvater soll die Regie übernehmen, während seine Frau zu Hause bleibt. Die von ihm eingeladene Großmutter erweist sich nicht als Unterstützung.

Frankreich 2009, Regie: Lucien Jean-Baptiste, Hauptdarsteller: Lucien
Jean-Baptiste, Firmine Richard, Anne Consigny, ohne Altersbeschränkung


Das ist der Debütfilm des 1964 auf Martinique geborenen, seit 1967 in Frankreich lebenden schwarzen Schauspielers, Regisseurs und Drehbuch-Autoren Lucien Jean-Baptiste, der nach seiner Ausbildung zum Schauspieler zunächst als Synchronsprecher arbeitete und in Frankreich die französische Stimme von zum Beispiel Will Smith ("I am a Legend") ist.

In seinem Erstlingsspielfilm verarbeitet er eigene Erinnerungen. Thema: Der ungewöhnliche Skiurlaub oder fünf Schwarze im Schnee. Willkommen bei den Elisabeths! Einer fünfköpfigen Familie aus der Pariser "Mittel-Unterschicht". Bestehend aus Mama Suzy, weiß, ihrem von den Antillen stammenden Mann Jean-Gabriel, schwarz, und ihren drei Kindern Ludo, Manon und dem halbwüchsigen Yann. Während es Mama Suzy mit viel Mühen und mehreren Jobs gelingt, die Familie halbwegs übers finanzielle Wasser zu halten, zeigt sich ihr Gatte als notorischer Träumer, arbeitsloser Spinner und Faulenzer, der lieber mit Kumpels rumhängt und gerne sein Geld beim Pferdewetten verzockt.

Als er aber, großmäulig, seinem Nachwuchs einen Skiurlaub verspricht, kommt er aus der Nummer nicht mehr raus, muss also sehen, wie er das praktisch in die Reihe kriegt. Und die Komödie kann beginnen, bei der Mama Suzy fast ausgeschlossen bleibt, weil sie einfach die Schnauze voll hat und ihrem Mann mal die volle Verantwortung wie Gestaltung überlässt.

Und Jean-Gabriel engagiert erst einmal seine Mutter als Mit-Urlauberin als dringend benötigte helfende Hand. Doch Bonne Mama (grandios: Firmine Richard, einst die Zofe in Francois Ozons "8 Frauen", 2002) denkt gar nicht daran, will einfach auch mal Nur-Urlaub genießen, ist also (zunächst) alles andere als eine bequeme Hilfe für ihren Sohn, ganz im Gegenteil. Und: Sie ist auch überhaupt nicht auf den Mund gefallen: Als eine Art "karibische Dampfwalze" mit dem Charme einer herzigen Energie-Wuchtbrumme vermag selbst die rassistische Chalet-Vermieterin ihrem feurigen Temperament nicht zu widerstehen. Der Chaoten-Urlaub läuft auf vollen Touren.

Über 1,7 Millionen Zuschauer sahen in Frankreich "La premiére étoile" im einheimischen Kino. Beim diesjährigen "Filmfest Hamburg" bekam "Triff die Elisabeths!" den Publikumspreis. Der Film ist ein feines Vergnügen. Indem er angenehm unangestrengt wie augenzwinkernd-poltrig zwischen Sozialkomödie und Ferienspaß pendelt. Mit den Mitteln von Slapstick argumentiert und dabei den fortwährenden unterschwelligen Rassismus unverkrampft einbindet. Der amüsant überkandidelte wie rührend völkerverbindende Ausflug in die "weiße Region" entpuppt sich als unterhaltsame Such-Reise in das (durcheinandergeratene) Ich einer originellen Familie. In der auch die Kleinsten pointiert-urig mitmischen dürfen.

"Triff die Elisabeths!" funktioniert natürlich vor allem deshalb, weil das Ensemble prächtig auftrumpft. Neben dem "Kraftpaket" Firmine Richard trägt Regisseur und Hauptakteur Lucien Jean-Baptiste als Luftikus Jean-Gabriel die darstellerische Hauptlast. In der Mischung aus Filou und Narr findet er eine glaubwürdige, überzeugende Charakter-Balance. Während die Jüngsten, Ludovic Francois als Ludo und Loreyna Colombo als Manon, einen geradezu umwerfendem Unschuldscharme versprühen. In "Triff die Elisabeths!" menschelt es prima klug-vergnüglich.

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