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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 05.12.2006

Tradition und Moderne in Ghana

Amma Darko: "Das Lächeln der Nemesis". Schmetterling Verlag 2006, 259 Seiten

Markt in Accra, Hauptstadt von Ghana (AP)
Markt in Accra, Hauptstadt von Ghana (AP)

In ihrem fünften Roman zeichnet die ghanaische Autorin Amma Darko ein lebhaftes, buntes Bild vom heutigen Leben in Accra. Da steht die Bedeutung der Massenmedien mit ihrer täglichen Talk-Show neben dem Einfluss eines selbsternannten Propheten, der Kräuterheiler mit seinen Pasten neben modernen Krankenhäusern und ihren Aids-Tests.

Doch ihr Hauptaugenmerk richtet Amma Darko immer auf das Schicksal der Frauen. Polygamie, Prostitution und Unfruchtbarkeit sind Themen, die die Autorin mit ihrer Geschichte oder ihren Geschichten umkreist. So bunt wie das moderne Leben in Ghana ist nämlich auch der Erzählfaden.

Aus verschiedenen Ecken beginnend, knüpft Amma Darko ihr Netz, in dem sich das Ehepaar Idan und Aggie und die Familie von Randa verfangen haben. Beginnend in einem Camp zur Satansaustreibung, in das psychisch kranke Menschen abgeschoben werden, entwickelt sich die Geschichte von Randa und ihren Geschwistern, die das Schicksal ihrer Mutter rächen wollen. Die Frau, die ihren Vater ausgenutzt und in den Selbstmord getrieben hat, soll den gleichen Schmerz erfahren wie ihre Mutter.

Doch bis dieser Handlungsablauf klar wird, gibt es viele Nebenstränge. Zum Beispiel über das Ritual der Witwenzeremonie, bei dem die Witwe mit dem Bruder ihres verstorbenen Ehemanns verheiratet wird. In wie weit diese Ritual noch in der Gesellschaft verhaftet ist, soll die Organisation MUTE erforschen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Traditionen, die überwiegend mündlich überliefert worden sind, aufzuzeichnen und zu dokumentieren.

Hier arbeitet die kinderlose Aggie, die mit Idan verheiratet ist. Dieser wiederum gerät als "suggar daddy" in die Fänge der verführerischen Studentin Randa. Erst am Ende finden sich die vielen Erzählfäden in der Mitte wieder und lösen das Rätsel um die griechische Göttin der Vergeltung "Nemesis" auf.

Dieses Verwirrspiel stellt einige Anforderungen an die Geduld des Lesers und wird unfreiwillig noch dadurch unterstützt, dass das Buch nicht sorgfältig bearbeitet worden ist. Neben Grammatik- und Schreibfehlern werden an einigen Stellen die Namen der Handelnden vertauscht.

Trotz allem liest sich "Das Lächeln der Nemesis" vergnüglich. Der erfrischende Stil von Amma Darko, ihr Humor und die Offenheit, mit der sie Tradition und Moderne nebeneinander stehen lässt, zeigen uns viel über die Veränderungen in ihrem Land. Ihr Verdienst ist es, dabei nicht zu werten, sondern Erklärungsmuster anzubieten.

Ihren ersten Roman "Der verkaufte Traum" veröffentlichte Amma Darko 1991 in Deutschland über ihre Erfahrungen als Asylbewerberin in Deutschland. Seither widmet sie sich in ihren Romanen dem Schicksal der Frauen in Ghana, ohne dabei die Männer zu vergessen. Die Mutter dreier Kinder, die in der Finanzbehörde arbeitet, gehört zu den wenigen Schriftstellerinnen des afrikanischen Kontinents, die sowohl im eigenen Land, als auch im Ausland Beachtung gefunden haben. 1999 wurde sie mit dem "Ghana Book Award", dem wichtigsten Buchpreis des westafrikanischen Landes ausgezeichnet.

Rezensiert von Birgit Koß

Amma Darko: Das Lächeln der Nemesis
Aus dem Afrikanischen Englisch übertragen von Kirsten Esser Schmetterling Verlag 2006
259 Seiten, Euro 19,80

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