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Tödliche Passion

Vor 50 Jahren starb der Segelflieger Heini Dittmar

Von Irene Meichsner

Piloten wie Heini Dittmar oder auch Hanna Reitsch waren nationale Idole, die sich leicht für die NS-Ideologie einspannen ließen.
Piloten wie Heini Dittmar oder auch Hanna Reitsch waren nationale Idole, die sich leicht für die NS-Ideologie einspannen ließen. (Stock.XCHNG / Simon Collins)

Nirgendwo hat der Sport des Segelfliegens so viele Anhänger wie in Deutschland. Vor allem Jugendliche waren schon früh vom motorlosen Fliegen fasziniert, darunter der spätere Rekordsegelflieger und Testpilot Heini Dittmar, den diese Begeisterung sein Leben begleitete - und letztendlich kostete.

"Fliegen ist und bleibt die Sehnsucht jedes deutschen Jungen, der schon beim Modellbauen in der Schule und im Jungvolk kaum die Zeit erwarten kann, in der es ihm einmal vergönnt sein wird, die geliebte Heimat aus der Vogelperspektive zu schauen. Mut und Selbstvertrauen werden geweckt und entwickelt, der Blick wird offen und frei und weitet sich für die Erfordernisse des Lebens. KAMPF heißt die Parole! Ritterlicher Kampf mit offenem Visier gegen alles, was Volk und Vaterland in den Schmutz ziehen will. Und Fliegen ist Kampf! Flieger sind Kämpfer!"

Segelfliegen als ein Ausdruck nationaler Stärke und völkischer Gesinnung: In diesen Sätzen aus einer 1937 erschienenen Biographie von Paul Carl Doernfeldt über den "Weltrekord-Segelflieger Heini Dittmar" schlägt sich der Zeitgeist plastisch nieder.

Piloten wie Dittmar oder auch die berühmte Hanna Reitsch waren nationale Idole, die sich leicht für die NS-Ideologie einspannen ließen, weil sie mit der Fliegerei auch ihre persönlichen Lebensträume verwirklichten. Dittmar, der am 30. März 1911 in Bad Kissingen als Sohn eines Zahnarztes geboren wurde, bastelte von klein auf leidenschaftlich gerne Modellflugzeuge.

"Die Romantik erwachte in dem halbwüchsigen Bengel. Eingehend studierte er die Berichte, die über die Segelflüge von der Wasserkuppe ihren Weg in die Zeitungen fanden. Wie sehnsüchtig wünschte er, wenigstens einmal dabei zu sein."

Eigentlich sollte der Junge ein solider Kaufmann werden. Stattdessen begann er eine Lehre in den Flugzeug-Werkstätten der "Rhön-Rossitten-Gesellschaft" auf der Wasserkuppe, die 1924 zur Förderung des noch jungen Segelflugsports gegründet worden war. Mit dem Preisgeld aus einem Modellflug-Wettbewerb finanzierte sich Dittmar den Segelflugschein. Seine Ausbilder brachten ihn auf die Idee, sich in der Freizeit ein eigenes Flugzeug zu bauen.

"Ein ganzes Jahr lang schuftete Heini im wahrsten Sinne des Wortes an seiner Maschine. Nächtelang hämmerte er in der Werkstatt, leimte, fräste. Mochten ihm vor Frost die Zähne klappern oder drohten ihm vor Müdigkeit bald die Augen zuzufallen, eines riss ihn immer wieder hoch: der Glaube an das Gelingen seines Werkes! So entstand der ‚Condor’, das Werk eines Selbstlerners, eines der besten und meistgebauten Segelflugzeuge Deutschlands."

1932 siegte der 21-Jährige in seiner Altersklasse des Rhön-Segelflugwettbewerbs. 1934 schaffte er als Mitglied einer deutschen Segelflugexpedition bei Rio de Janeiro einen neuen Höhenweltrekord über 4675 Meter. Im selben Jahr gelang ihm ein neuer Langstreckenrekord, 1936 die erste Alpenüberquerung, 1937 der Gesamtsieg in der ersten Weltmeisterschaft der Segelflieger auf der Wasserkuppe.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Dittmar Testpilot der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde. Als erster trieb er die legendäre "Messerschmitt Me 163" - ein kompaktes Militärflugzeug mit Raketenantrieb, das als Abfangjäger gedacht war - auf eine Geschwindigkeit von knapp über 1000 Stundenkilometern, nicht mehr weit von "Mach 1", der Schallgeschwindigkeit, entfernt. Die Maschine geriet in heftige Schwingungen, ließ sich kaum noch steuern. Dittmar erinnerte sich später:

"Diese sogenannten ‚Mach-Erscheinungen’, die ich als erster Pilot erlebte, waren das erste Anklopfen an die Schallmauer."

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde den Deutschen, ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg, zunächst jegliche Fliegerei verboten. Aber schon 1950 flogen die ersten, noch illegalen Segelflugzeuge. Und Dittmar nutzte die Zeit, um sein erstes Motorflugzeug zu entwickeln: die zweisitzige "Möwe HD-153". Sie war so ausgelegt, dass sie von Jugendgruppen aus teilweise industriell vorgefertigten Bauteilen in Eigenarbeit zusammengesetzt werden konnte. Doch schließlich wurde diese Maschine dem Helden vieler jugendlicher Fliegerträume zum Verhängnis. Ihre Tragflügel waren nicht stabil genug. Am 28. April 1960 kam Heini Dittmar bei einem Absturz mit seiner "Motor-Möwe" in der Nähe von Mülheim an der Ruhr ums Leben.

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