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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.02.2014

Tod im KinderfilmErnste Themen für junge Zuschauer

Wie viel man Kindern im Kino zumuten sollte

Margret Albers, Geschäftsführerin der Deutschen Kindermedienstiftung Goldener Spatz, vor einem gelben Kücken.
Margret Albers ist Geschäftsführerin der Deutschen Kindermedienstiftung Goldener Spatz und Sprecherin beim Förderverein Deutscher Kinderfilm.

Im Berlinale-Beitrag "Johan und der Federkönig" geht es um ein für Kinder ungewöhnlich ernstes Thema: den Tod. Die Medienwissenschaftlerin Margret Albers findet das gut so: Es gebe "kaum etwas, was man in Kinderfilmen nicht behandeln kann".

Julius Stucke: Wie kann Opa in den Himmel kommen, wenn man ihn in einen Sarg einsperrt? So ernst das auch ist, es kann durchaus zum Schmunzeln anregen, wenn Kinder das Thema Tod entdecken. Es ist nicht leicht, aber man muss mit ihnen darüber sprechen und damit umgehen. Wie Kinder- und Jugendfilme mit dem Thema Tod umgehen, umgehen sollten, ob es im Kinderfilm thematische Tabus gibt, darüber sprechen wir gleich. Zuerst ein Blick darauf, wie Filme bei der Berlinale gerade mit schwierigen Themen umgehen. "Generation“ heißt der Teil des Festivals für Kinder- und Jugendfilme.

"Johann und der Federkönig“, ein Film für Kinder, der das schwierige Thema Tod nicht scheut. Ein Tabuthema, oder ist das eine Frage des Wie? – Margret Albers ist Geschäftsführerin der Kindermedienstiftung "Goldener Spatz“. Hallo, Frau Albers.

Margret Albers: Hallo!

Stucke: Ist dieser Film, "Johann und der Federkönig“, ein Film, der das Thema Tod für Kinder gut aufbereitet?

Albers: Aus meiner Sicht schon, weil er dieses sehr ernste Thema angeht, aber nicht mit Schock und nur mit Trauer arbeitet, sondern dann im Endeffekt auf Erkenntnis setzt, dass der kleine Hase einfach erkennen muss, dass seine Mutter nicht wiederkommen wird. Das ist schon sehr beeindruckend gemacht. Ebenfalls sehr beeindruckend auch, dass hier viel mit Comic relief gearbeitet wird, dass es immer wieder lustige Szenen gibt, gerade zwischen dem Hasen und seinem Vater, die sich sehr nahe sind, dass er mit diesem Thema nicht alleine gelassen wird, und das ist auch ein sehr wichtiger Aspekt.

Stucke: Das heißt, die Umsetzung ist das Entscheidende bei schwierigen Themen?

Albers: Auf jeden Fall. Es gibt, glaube ich, kaum etwas, was man in Kinderfilmen nicht behandeln kann. Aber in der Tat ist es die Frage, wie es gemacht wird, wie die Kinder begleitet werden, die jungen Protagonisten auf der Leinwand einerseits, aber natürlich auch auf der anderen Seite der Leinwand die Kinder, die es sich anschauen, im Idealfall natürlich, gerade wenn sie noch kleiner sind, auch zusammen mit ihren Eltern oder einem Elternteil.

Stucke: Dann sind wir bei den Eltern. Worauf sollten Eltern denn noch achten? Im Beitrag gerade, da klang es an: Es gab auch Kinder, die geweint haben, die das ganze traurig fanden – natürlich. Wie sollen denn Eltern dann reagieren?

"Kinder haben einfach Antennen dafür"

Albers: Ich denke mal, Nähe ist da was ganz, ganz großes und auch auf die Kinder zu hören. Wenn man im Kino sitzt und es ist zu gruselig oder zu laut und das Kind bittet darum zu sagen, ich möchte gerne mal raus, wir können ja vielleicht später wieder reingehen, oder einfach mal die Ohren zuhält, dann auch dem nachzugehen, weil Kinder haben einfach Antennen dafür. Wenn es ihnen zu viel wird, dann möchten sie gerne raus, und dem sollte man dann auch wirklich nachgehen. Es ist schon erstaunlich, manchmal zu sehen, dass das, was für Erwachsene gar nicht so bedrohlich wirkt, manchmal für Kinder sehr bedrohlich sein kann, gerade im Kino, wo es dann doch ein großer Raum ist, sehr dunkel und der Ton meistens auch sehr laut.

Stucke: Aber das macht es für Eltern doch dann auch schwierig, Verständnis und Nähe zu zeigen, weil, wenn ich das bei Ihnen so heraushöre, die Filme ganz anders wirken auf Kinder. Das heißt, Erwachsene verstehen vielleicht gar nicht, was das Problem für die Kinder ist.

Albers: Ja. Aber in dem Moment wirklich auf die Kinder zu hören und sie dann gegebenenfalls einfach in den Arm zu nehmen und zu zeigen, ich bin da und Du musst keine Angst haben, es ist ein Film, und wenn es Dich sehr berührt und sehr umtreibt, erst mal einfach zu signalisieren, dass man da ist, und wenn der große Wunsch besteht zu gehen, auch wirklich rauszugehen.

Stucke: Sie haben vorhin gesagt, es kommt auf die Umsetzung hauptsächlich an. Gibt es trotzdem Tabus, Themen, die nichts für Kinder sind?

Albers: Dabei scheiden sich bei Zeiten und Geister. Natürlich ist so ein extrem heikles Thema Missbrauch. Da ist wirklich die Frage, ob das in einem Kinderfilm sein muss. Allerdings kann man auch wiederum sagen, so traurig es ist, Kindern geschehen furchtbare Dinge, warum soll man sie nicht adäquat in Filmbeiträgen aufgreifen. Zum Beispiel ja auch im Fernsehen in der Reihe Krimi.de, was natürlich schon für die Älteren ist, ab zehn, zwölf Jahre, wurde das Thema Missbrauch sogar schon mal aufgegriffen, was damals auch sehr gut gelaufen ist.

Stucke: Das heißt, Sie würden sagen, es ist vielleicht sogar wichtiger und besser, solche schwierigen Themen zu haben, als, ich sage jetzt mal das andere Extrem, immer nur schöne, bunte, lustige Filme zum Lachen?

"Kinder haben ein Recht darauf zu entspannen"

Albers: Die Mischung machts halt. Man darf da wiederum auch nicht dem Missverständnis aufsitzen, dass Kinder, ganz egal welche Medien sie auch nutzen, immer etwas zu lernen haben. Die Kinder haben genauso wie Erwachsene ein Recht darauf zu entspannen, sich zu amüsieren und auch ganz einfach ein Recht auf Unterhaltung. Das muss man immer beachten. Die Mischung macht’s aber, und das ist etwas, was für Filmangebote für Kinder sehr wichtig ist, dass man da auch eine große Vielfalt anbietet, die von der sehr unterhaltsamen Popcorn-Kinogeschichte bis hin zu sperrigen Themen alles bereit hat.

Stucke: Nun ist trotzdem natürlich nicht jeder Film für jedes Alter das richtige. Lässt sich denn für Eltern irgendwo gut erkennen, das sind gute Filme für meine Kinder in dem und dem Alter?

Albers: Da gibt es mittlerweile ja auch im Internet einige sehr interessante Plattformen wie Kinderfilmwelt.de oder auch Kinderfilm Online, die auch Altersempfehlungen geben, weil die FSK-Freigaben ja keine Empfehlungen sind, sondern nur quasi Unschädlichkeitsmeldungen. So dass man dann sagt, ok, der Film hat eine sechs. Der ist für Kinder ab sechs nicht schädlich. Aber ob er für Kinder ab sechs auch wirklich interessant und gut ist, das ist eben sehr grob gerastert. Und auf diesen Seiten gibt es noch feinere Empfehlungen, wo dann auch Filme ab sechs, ab acht, ab neun oder ab zehn empfohlen werden. Da kann man sich ganz gut orientieren.

Stucke: Schwerer Stoff in Kinderfilmen – kein Tabu, sondern eine Frage der Umsetzung, sagt Margret Albers von der Kindermedienstiftung "Goldener Spatz“.

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