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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 18.11.2009

"This is love"

Anke Leweke über die Geschichte einer extremen Liebe

In "This is love" geht es um die Gefühle des jungen Dänen Chris für eine Kinderprostituierte aus Vietnam. Er hat sie aus den Händen ihres Zuhälters gerissen, um sie in Deutschland an Adoptiv-Eltern zu verkaufen, doch alles kommt anders.

Schon im letzten Film von Matthias Glasner, "Der freie Wille", ging es um eine sogenannte tabuisierte Liebe. Ein Triebtäter verliebt sich in eine junge Frau, führt eine Beziehung und spürt gleichzeitig, dass seine Wut und Aggression gegenüber anderen Frauen wieder zunimmt.

In "This is love" geht es nun um die Gefühle des jungen Dänen Chris, die er für eine Kinderprostituierte aus Vietnam empfindet, die er aus den Händen ihres Zuhälters gerissen hat, um sie in Deutschland an Adoptiv-Eltern zu verkaufen. Die extremen Wege der Liebe verfolgen, ohne sie moralisch verurteilen zu wollen, so könnte man den Ansatz von Matthias Glasner umschreiben.

Während er in "Der freie Wille" die Perspektive des Triebtäters einnimmt, verschachtelt er jetzt zwei Geschichten miteinander: Vor vielen Jahren wurde die Kommissarin Maggie von ihrem Mann verlassen. Ohne ein Wort zu sagen, ohne Vorwarnung ist er einfach spurlos verschwunden. Jetzt gibt sie sich nach Dienstschluss dem Alkohol hin, erklärt sich selbst für beziehungsunfähig. Sie ist es, die sich um den Fall Chris kümmern muss. Er wollte Selbstmord begehen, eine Leiche wurde bei ihm gefunden, und die Kinderprostituierte ist verschwunden.

Maggie und Chris erkennen ihre Seelenverwandtschaft, sehen ihre eigene Verzweiflung im Gesicht des Anderen, die beiden Versehrten bilden eine Art von Leidensgemeinschaft. In Rückblenden wird die Hölle ihrer beiden Leben vergegenwärtigt, gleichzeitig beginnt die Suche nach dem Mädchen. Dieser Film besticht durch seine Darsteller. Das Gesicht des dänischen Schauspielers Jens Albinus wird zur Seelenlandschaft. Je mehr er seine Zuneigung zu dem kleinen Mädchen spürt, desto erschrockener ist er über sich selbst. Hemmungslos exzessiv spielt Corinna Harfouch eine Frau, die, weil sie sowieso verloren hat, ohne Rücksicht auf Verluste lebt.

Doch statt sich auf seine Darsteller zu verlassen, will Matthias Glasner großes Kino machen. Wenn Corinna Harfouch die bittere Wahrheit über das Verschwinden ihres Mannes erfährt, würde ein Blick auf ihr verstörtes Gesicht reichen, doch Glasner muss es noch stürmen und in Strömen regnen lassen. In den auf Hochglanz getrimmten Bildern gehen die Gefühle, um die es ihm doch eigentlich geht, immer wieder unter. Auch wenn der gelblich gekachelte und arg heruntergekommene Verhörraum optisch etwas hermacht, scheint er eher einer Kinofantasie als der Wirklichkeit entsprungen. Mit diesen visuellen Manierismen kommt Glasner seiner Geschichte immer wieder in die Quere.

Und warum gönnt er der Kinderprostituierten keine Entwicklung? Sowohl Maggie und Chris dürfen zu sich finden, während das kleine Mädchen immer alles mit ihrem Körper bezahlen will. Sie darf keine anderen Möglichkeiten finden, Gefühle oder Zuneigung auszudrücken. Auch wenn in diesen Momenten der Film fragwürdig wird, muss man Glasner zugestehen, dass er das Risiko nicht scheut und sich mit seinen Filmen stets auf vermintes Gebiet begibt.


Deutschland 2009, Regie: Matthias Glasner. Mit Corinna Harfouch, Jens Albinus, Jürgen Vogel, Devid Striesow, Herbert Knaup, Lisa Nyugen. 107 Minuten

Filmhomepage "This is love"

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