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Länderreport | Beitrag vom 08.03.2016

Themenwoche EnergiewendeWohin mit dem Atommüll?

Moderation: Claus-Stephan Rehfeld

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Atommüll-Fässer stehen am 18.11.2014 in Eggenstein-Leopoldshafen auf dem Gelände der Firma WAK.  (dpa / pictura alliance / Uwe Anspach)
(dpa / pictura alliance / Uwe Anspach)

Die Energiewende ist in dieser Woche das Thema im Länderreport. Heute berichten unsere Korrespondenten Uschi Götz, Christoph Richter und Alexander Budde über End- und Zwischenlager für Atommüll - in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg.

Gorleben

Von Alexander Budde

Oben tobt der Streit mit Leidenschaft, doch unter Tage ist es still geworden. Im September letzten Jahres durften zum letzten Mal Besucher in den Salzstock Gorleben einfahren. Peter Ward, der Betriebsrat der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern, kurz DBE, zeigte sich damals tief enttäuscht.

Peter Ward: "Die noch offen stehenden Bohrungen müssen verfüllt werden, aber es ist schwierig, dass mit den Kollegen zu machen, weil, es wird ein immenser Druck ausgeübt, jetzt schnell fertig zu werden. Und wenn wir schnell fertig sind, sind wir alle arbeitslos!"

Die Bergleute dürfen den Salzstock Gorleben nicht mehr erkunden. Und auch in das oberirdische Atommüll-Zwischenlager sollen keine weiteren Castor-Behälter gebracht werden. 113 dieser mehr als 100 Tonnen schweren Kolosse lagern dort schon. Eigentlich sollten 26 weitere Behälter aus der Wiederaufbereitung noch dazukommen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat aber versprochen, andere Standorte dafür zu finden.

Eine Fachkommission mit 33 Mitgliedern müht sich seit zwei Jahren, überhaupt erst einmal die Methodik für die Suche ausarbeiten. Alles Im Fluss, alle im Gespräch: Droht dem Widerstand nun der Absturz in die Bedeutungslosigkeit? Mathias Edler, Wendland-Bewohner und Endlager-Experte bei Greenpeace, macht allein schon die Zusammensetzung der Kommission skeptisch.

Mathias Edler: "Geht man diese einzelnen Vertreter, die da drin sitzen, durch, dann weiß man, wer glasklar für tiefengeologisch, für Salz und für Gorleben ist und wer dem vielleicht kritisch gegenüber eingestellt ist. Und dann sieht man sofort: Es wird nie eine 2/3 Mehrheit geben, dass Gorleben rausfällt. Es kann durchaus sein, dass es eine 2/3 Mehrheit gibt, das an diesem Standort doch weitergemacht wird."

Auch Andreas Graf von Bernstorff mag an den versprochenen Neustart bei der Endlagersuche nicht glauben. Ein solcher kann seiner Meinung nach nur gelingen, wenn man tatsächlich alle Projekte auf Null setzt und alle Arten Atommüll, die in der Welt sind, in die Diskussion aufnimmt.

Rund 30 Millionen Mark bot die niedersächsische Regierung unter dem damaligen Landesvater Ernst Albrecht einst für dessen Ländereien über dem Salzstock Gorleben. Doch der junge Aristokrat verzichtete damals überraschend auf das Geld, trat aus der CDU aus und ließ sich in seiner Rebellion auch von der Drohung mit Enteignung niemals beirren.

Andreas Graf von Bernstorff: "Ich glaube, wir haben doch gemeinsam erreicht, dass der Standort Gorleben als Endlager in der breiten Öffentlichkeit in Frage gestellt wird, auch wenn wir natürlich nicht so naiv sind, zu glauben, dass jetzt das Schicksal an Gorleben vorbei geht."

Heute reisen Delegationen aus aller Welt in das von allem weit abgelegene Wendland, um mehr über die örtliche Streitkultur zu erfahren. Eine Streitkultur, die sich längst nicht darin erschöpft, dass Bürger eine ihnen unliebsame Entscheidung verhindern oder sabotieren wollen.

Andreas Graf von Bernstorff: "Ich mache mir jetzt auch Gedanken darüber: Wie sieht eigentlich die Zukunft aus? Ist es so toll, dass wir wieder die ganzen Kohlekraftwerke anschmeißen? Und wie kann man wirklich die Energiewende durchsetzen?"

Bürgerbeteiligung, Kreislauf, Vernetzung sind Leitgedanken. Der größte gesellschaftliche Konflikt unseres Landes sei viel zu wichtig, sagen die Protestveteranen im Wendland, um ihn Experten am Kartentisch zu überlassen.


Salzgitter

Von Alexander Budde

" … ein halbseidenes Auswahlverfahren für ein sehr marodes Bergwerk, das wir hier haben, dass darf nicht die Antwort für die Atommüll-Lagerung sein …"

Salzgitter, Ende Januar: Um Vertrauen will sie werben – doch es wird kein leichter Gang für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).  Mehrere Hundert Konrad-Gegner bereiten dem Gast aus Berlin einen lautstarken Empfang. 19 Städte und Landkreise zwischen Harz und Heide haben einen "Appell der Region" unterzeichnet. Sie fordern einen Stopp der Ausbauarbeiten im geplanten Endlager, haben erhebliche Zweifel, ob die jahrzehntealten Planungen dafür noch dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik genügen. Ursula Schönenberger spricht für die lokale Bürgerinitiative, die atomkraftkritische Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad.

Ursula Schönenberger: "Wir sehen ja gerade in dem Atommülllager Asse, wie unglaublich technisch schwierig es ist und werden wird, Atommüll aus einem havarierten Lager zurückzuholen, das nicht rückholbar vorgesehen ist. (…) Man sagt zum Beispiel heute, man sollte keinen Atommüll in ein altes Bergwerk mehr reinverbringen, sondern das immer neu auffahren. Konrad ist ein altes Bergwerk. Es gibt ganz viele Punkte, die heute nicht mehr genehmigungsfähig wären."

Die Botschaft höre sie wohl, sagt Hendricks bei ihrer Stippvisite – und kontert mit einer drastischen Abfuhr:

Barbara Hendricks: "Konrad ist planfestgestellt und die Genehmigung ist bis zum Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden – das wird auch so kommen!"

Betreiber von Endlagern wie Schacht Konrad ist das Bundesamt für Strahlenschutz. Dessen Präsident  Wolfram König sagt, die Erweiterungspläne seien aus Betreibersicht vom Tisch. Für hochradioaktive Abfälle soll nämlich bis 2031 ein Endlager gefunden werden. Es soll nach dem Willen der Bundesregierung dann auch den Müll aus der Asse und aus dem westfälischen Gronau aufnehmen.

Doch Hendricks relativiert: Bis 2031 sei womöglich nicht endgültig geklärt, ob in Schacht Konrad nicht doch deutlich größere Mengen des radioaktiven Abfalls gelagert werden müssen als ursprünglich genehmigt.

Barbara Hendricks: "Ich muss da ganz ehrlich sein! Ich kann es nicht zu 100-Prozent ausschließen, denn es ist nicht gesagt, wie der Suchprozess für das Endlager für hochradioaktiven Müll, der ja verknüpft sein soll, nach meinen Wünschen, mit dem Suchprozess für weiteren schwach- und mittelradioaktiven Müll, der nicht für Konrad vorgesehen ist, wie dieser Suchprozess ausgeht."

Hendricks geht ans Rednerpult, spricht von größtmöglicher Ehrlichkeit. Die Zeit drängt, betont sie, weil sich die Zwischenlager in Deutschland füllen. Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth fühlt sich an das Debakel mit der Asse und an Vorgänge aus den 70er und 80er Jahren erinnert.

Ulrich Markurth: "Da sind wir, auf gut Deutsch, verarscht worden! Ich kann das alles nachvollziehen. Ich glaube, der Druck ist bei Ihnen genauso da … aber, dass man bitte noch mal guckt, dass auch diejenigen Verantwortung übernehmen, die jahrzehntelang diese Energieform betrieben und promoviert haben, und nicht wir hier, in dieser Region, aber nun wirklich auch alles abkriegen sollen, was übrig bleibt!"

Hendricks lässt Vergleiche zur maroden Asse nicht zu. Es handle sich um zwei völlig unterschiedliche Bergwerke. Sicher ist für die Bundesumweltministerin, dass Schacht Konrad in Betrieb gehen wird – nach jetzigem Stand in 6 Jahren.


Morsleben

Von Christoph Richter

König: "Hier wurden entweder über die Schiene oder die Straße die Abfälle angeliefert …"

…. Wolfram König, der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz und frühere Staatssekretär im Magdeburger Umweltministerium steht bei einer Begehung vor den Toren des Endlagers Morsleben. Ein unscheinbarer Ort direkt an der früheren deutsch-deutschen Grenze, vor den Toren der niedersächsischen Stadt Helmstedt.

In das ehemalige Kali- und Steinsalzbergwerk Morsleben wurden bis 1998 insgesamt knapp 37.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert, die sich etwa 500 Meter unter Tage befinden. Abfälle, die überwiegend aus Atomkraftwerken, Forschungsstellen oder Krankenhäusern stammen.

König: "Es dürfen keine neuen Abfälle mehr eingelagert werden. Das ist ein für alle Mal ausgeschlossen worden."

Morsleben ist eine Anlage aus DDR-Zeiten, die nach heutigen Kriterien nicht als Endlager genehmigt worden wäre, weshalb man an einem Stilllegungskonzept arbeitet. Doch bis es soweit ist, also bis das atomrechtliche Planfeststellungsverfahren entschieden ist, wird es noch Jahre dauern. Geschätzte Kosten: 2,2 Milliarden Euro.

Die Menschen, die über dem Endlager wohnen, müssen sich allerdings keine Sorgen machen, beschwichtigt Deutschlands oberster Strahlenschützer Wolfram König.

König: "Wir stehen nicht vor der Frage, die Sicherheit des Betriebs zu gewährleisten. Ganz im Gegenteil. Hier haben wir so ein umfangreiches System, das weit über das hinausgeht, was eigentlich erforderlich ist …  Also von daher gibt es keine Sicherheitsprobleme."

Die unterirdischen Lagerstätten, die sich über vier Ebenen hinstrecken, haben eine Ausdehnung von etwa 50 Kilometern. Über die genaue Zahl der Behälter, die in Morsleben lagern, ist von Seiten des Bundesamtes für Strahlenschutz wenig zu erfahren. Oliver Wendenkampf vom BUND Sachsen-Anhalt ist da auskunftsfreudiger. Und fordert, so schnell wie möglich das sogenannte Radium-Fass aus dem Endlager zu bringen.

Wendenkamp: "Indem verschiedene Materialien eingelagert sind, die 90 Prozent der gesamten Radioaktivität im Endlager ausmachen. Das ist bewegbar … das könnte man rausholen, das ist auch unsere Forderung …"

… denn ähnlich wie im niedersächsischen Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel, hat auch Morsleben mit Grundwasser-Einsickerungen zu kämpfen.

Wendenkamp: "Ansonsten liegen da noch ganz viele andere Fässer drinne, die entweder gestapelt sind, die könnte man im Zweifelsfall auch einfacher rausholen. Andere Fässer sind verklappt, d.h. die sind in ein Loch geschmissen, auf einander geknallt, kaputt gegangen. Die rauszuholen also das ist unrealistisch."

Weshalb man sie einzeln verschließen müsse, entstehende radioaktive Gase müssten anschließend über ein kompliziertes System unterirdisch entgast werden.

Nach Angaben von Umweltschützern, aber auch aus Sicht der Strahlenschützer gilt Morsleben als instabil. Mehrmals bereits krachten tonnenschwere Salzbrocken von der Zwischendecke herab, erzählt Oliver Wendenkampf vom BUND in Sachsen-Anhalt.

In der Gegend um Morsleben, anders als in der Debatte um Asse oder den Schacht Konrad, spielt das Endlager in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings so gut wie keine Rolle. Anwohner möchten mit dem Thema nicht behelligt werden.

Auch unter Strahlenschutz-Experten ist umstritten, ob Salzbergwerke die beste Einlagerungsmöglichkeit für atomare Abfälle sind. Nach Ansicht von Geologen existieren gerade in alten Bergwerken Spannungen und Gesteine, die spröde reagieren und Klüfte bilden, was für die Stabilität eines Endlagers höchst problematisch sei.


Asse

Von Alexander Budde

Tief unter der Erde blendet der Fahrer die Lichter auf. Im offenen Geländewagen geht es in rasanter Fahrt durch den Salzstock Asse. Spiralförmig windet sich die Piste immer tiefer in das Bergwerk hinein

Gut 500 Meter unter Tage ist es warm wie in der Sauna. Weißer Staub umhüllt die Teilschnittmaschine. Fünf bis zehn Meter pro Tag raspelt sich die Fräse voran. Horizontal werden neue Wege gegraben, andernorts bestehende Stollen mit Beton verfüllt. Die Arbeiten hier unten sollen der Asse Zeit kaufen. Eine akute Gefahr gebe es nicht, sagte BfS-Präsident Wolfram König bei einer Besichtigung der Schachtanlage im vorigen Jahr.

Wolfram König: "Das Grundproblem ist, dass wir eine Instabilität haben. Und dass nicht dadurch ein Zusammenbruch droht, sondern dass durch Bewegungen des Umgebungsbereichs sich neue Wegsamkeiten für Grundwasser bilden können, was hineinströmt und im schlechtesten Fall unkontrollierbar ist."

"Absaufen" nennt der Bergmann, was der Asse droht. Täglich sickern rund 12 Kubikmeter salzhaltiges Grundwasser aus dem umgebenden Fels in die Schachtanlage ein.

Seit sieben Jahren läuft die Sanierung der atomaren Altlasten der Asse in Regie des BfS. Und es geht voran, betont König bei jeder Gelegenheit. 25 Prozent weniger Bewegung im Berg registrieren die Messsonden. Wichtigste Voraussetzung für die Rückholung ist derzeit die Erkundung und der Bau des sogenannten Bergungsschachtes. König spricht von einer Herkulesaufgabe, die wegen der vielen Unwägbarkeiten auch einer Schnitzeljagd gleiche. Mitunter seien zwei Dutzend Genehmigungen einzuholen, um eine Wand anzubohren. Sein Argument: Der ganze Rückholungsprozess dauert auch so lange, weil die Asse dem strengen Atomrecht unterliegt. König rechnet damit, dass der komplette Schacht bis 2028 fertig sein könnte, die Rückholung soll bis zum Jahr 2033 geschehen.

Kritiker wie Heike Wiegel von der Bürgerinitiative aufpASSEn e.V. werfen Bundesregierung und Betreiber vor, nicht schnell genug damit voranzukommen.

Heike Wiegel: "Wir kritisieren, dass der Schachtbau so wahnsinnig lange dauern soll. Wir haben uns extra dafür eingesetzt – und das war die gesamte Begleitgruppe mit den Betreibern gemeinsam – für das Beschleunigungsgesetz, für Lex Asse. Ich akzeptiere nicht, dass das Atomrecht verwandt wird, um die Rückholungszeiten zu verlangsamen!"

Er könne die kritischen Einwände zwar verstehen, sagt König. Doch Prognosen gibt es von ihm keine. Den Vorwurf der Verschleppung weist er mit Inbrunst zurück.

Und dann ist da noch der sich abzeichnende Konflikt um das Zwischenlager. Sollten die Fässer eines Tages geborgen werden, würde es gebraucht, um den Atommüll zu verpacken und bis zum Abtransport in ein Endlager sicher zu verwahren. Strahlenschützer können allerhand Gründe anführen, warum es ratsam wäre, dieses Lager möglichst dicht an der Asse anzulegen. Doch die Anwohner stemmen sich dagegen. Die Region fordert eine bundesweite Suche nach dem am besten geeigneten Standort.

Wolfram König: "Wer die Rückholung will, muss das Zwischenlager auch bejahen …  Das ist der Konflikt, in dem wir uns befinden. Und es ist kein fachlicher, sondern ein politischer - und den kann ich nicht beantworten!"


Endlagersuche in Baden-Württemberg

Von Uschi Götz

2011. Die Bundesregierung beschließt den Ausstieg aus der Kernkraft bis zum Jahr 2022.  In Baden-Württemberg übernimmt die  grün-rote Landesregierung die Amtsgeschäfte. Winfried Kretschmann, der erste grüne Ministerpräsident eines Bundeslandes, spricht sich für eine neue, ergebnisoffene und bundesweite Suche nach einem Atommüll-Endlager aus.

Kretschmann (2011): "Schwarz-Gelb hat ja unverkennbar eine gewisse Vorfestlegung auf Gorleben, ja. Das wollten wir und wollen wir nicht, deswegen mein Plädoyer wirklich ernsthaft eine Suche in der ganzen Republik endlich zu starten."

In Baden-Württemberg sorgt Kretschmanns Ankündigung für große Aufregung.  Bereits 2006 wurde in der sogenannten  die Tongesteinsstudie der Südwesten als möglichen Standort für ein atomares Endlager nicht ausgeschlossen. Im Mittelpunkt dabei: die Gegend um den oberschwäbischen Berg Bussen.

Der fast 800 Meter hohe Berg ist ein viel besuchter katholischer Wallfahrtsort und wird auch als "der Heilige Berg Oberschwabens" bezeichnet. Tausende Pilger zieht es alljährlich an Pfingsten auf den Bussen.

Tief unter der Erde des Bergs findet sich Tongestein. Deshalb rückte die Gegend zwischen Ulm und Riedlingen nach Kretschmanns Äußerung wieder ins Zentrum.

Mann: "Ein ganz besonderer Gruß gilt heute unserem Ministerpräsidenten Winfried  Kretschmann."

Ministerpräsident Kretschmann ist einst am Fuße des Bussen zur Schule gegangen.  2011 nimmt er am traditionellen Pfingstgottesdienst teil. Seine Landsleute sind verärgert.

Bewohner: "Das Material hat niemand so gerne in der Nähe. Grün hin und Grün her. Es hofft jeder, dass es an uns vorbeizieht."

Auch im nahen Riedlingen will man die Diskussion um einen Standort in Oberschwaben klein halten. Riedlingens damaliger Bürgermeister Hans Petermann beklagte:

Hans Petermann: "Uns würde es leid tun, wenn man jetzt unsere Stadt in ein Licht bringt, als ob das schon eine prekäre Situation wäre. Ich rechne damit, dass irgendwann die Berufsdemonstranten in Stuttgart nicht mehr gebraucht werden, und die möchte ich nicht in Riedlingen auf der Donau-Insel."

Doch es wird wieder ruhig um den oberschwäbischen Standort und das ist es bis heute geblieben. Im Juli 2013 tritt ein Gesetz mit dem sperrigen Namen: Standortauswahlgesetz in Kraft. Knapp ein Jahr später kommt eine Endlagersuchkommission zu ihrer  konstituierenden Sitzung zusammen. Mit einigen Monaten Verspätung wird die Kommission in Kürze einen Abschlussbericht vorlegen. Baden-Württemberg wird unter anderen von dem grünen Umweltminister Franz Untersteller in der Kommission vertreten.

Franz Untersteller: "Wir wollen bis zum Juni einen Abschlussbericht vorlegen. Und dann wir der Bundestag noch entscheiden müssen, ob er auf der Grundlage dieses Abschlussberichts das Endlagersuchgesetz nochmal ändert, vermutlich wird das der Fall sein."

Das Endlagersuchgesetz gibt vor, dass bis 2019 die ersten Regionen benannt werden müssen, die grundsätzlich in Frage kommen. Dem schließen sich weitere Verfahren an, die laut Untersteller bis zum Jahr 2032 laufen werden.

Franz Untersteller: "Und dann geht es in die Suche eines Standorts in Deutschland. Und da kann man keine Region auch Baden-Württemberg erst einmal nicht ausnehmen."

Selbst wenn der Standort feststeht, dauere es noch Jahre bis der Ausbau mit entsprechenden Genehmigungen erfolgen kann. Minister Untersteller geht davon aus, dass sich das gesamte Verfahren noch bis Ende dieses Jahrhunderts hinziehen wird.

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