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Thema / Archiv | Beitrag vom 26.05.2011

Theater mit Handicap

Niko von Glasows Stück "Alles wird gut"

Von Kerstin Ruskowski

Der Regisseur Niko von Glasow (dpa)
Der Regisseur Niko von Glasow (dpa)

Rollstuhlfahrer, Blinde, Menschen mit Conterganschäden: In "Alles wird gut" bringt Regisseur Niko von Glasow behinderte Darsteller auf die Bühne.

"Du bist perfekt. Komm zu uns, ganz Deutschland wartet auf Dich! Sing für uns Dein Lied. Komm zum Casting des Jahrhunderts, komm in die Messehallen! Jetzt. Bring Dich mit, so wie Du bist. Du bist perfekt."

Im Scheinwerferlicht steht eine schlanke blonde Frau in engen Jeans und hohen Schuhen. Kurz nach ihrem Aufruf füllt sich die Bühne allmählich: Da ist die Rollstuhlfahrerin Manon, die so gerne "Oh, when the saints go marching in" singen möchte. Oder die blinde Leslie, die zunächst den Weg nicht findet und sich vom Hausmeister helfen lassen muss. Oder Christina, die sich extra ein rotes, bodenlanges Kleid angezogen hat, was ihre vom Contergan missgebildeten Arme allerdings erst recht betont.

Die 11 Kandidaten, die sich nacheinander bei der Blondine für das große Casting anmelden, sind offensichtlich nicht perfekt. Nachdem sich jeder einen Zettel mit seinem Namen und einer Nummer auf die Brust, den Bauch oder die Speichen des Rollstuhls geklebt hat, treffen sich alle in Raum 217 – das ist der Raum mit den behindertengerechten Toiletten. Der cholerische Rollstuhlfahrer Jan spricht aus, was alle denken.

"Die Randgruppe in der Abstellkammer – na klasse!"

Diese Abstellkammer kann man sich als Zuschauer gut vorstellen, denn es gibt keine Kulissen - nur schwarze Vorhänge. Im Vordergrund stehen die verschiedenen Kandidaten mit ihren Behinderungen und zwischenmenschlichen Problemen.

So richtig inszeniert hat Niko von Glasow sein Stück "Alles wird gut" nicht. "Spielt Euch selbst!" - so oder so ähnlich lautete seine erste Regieanweisung. Die ersten sechs Wochen wurde nur improvisiert, erinnert sich Jana Zöll. Aus den dabei entstandenen Notizen entwickelte Niko von Glasow dann das Stück. Das naturalistische Spiel seiner Besetzung ist dem Regisseur nach wie vor extrem wichtig, erklärt die 26-Jährige.

"Er würde uns am liebsten erschlagen, wenn wir schauspielen. Also, so tun, als ob. Wir sollen alles sehr authentisch von uns eigentlich erstmal rüberbringen."

Dabei ist Jana Zöll professionelle Schauspielerin. Ihre Ausbildung hat sie an der Akademie der Künste in Ulm gemacht. Jana leidet an Glasknochen und sitzt im Rollstuhl. In vielen Szenen von "Alles wird gut" spielt sie zusammen mit Oliver Grice, 45 Jahre alt und ebenfalls professioneller Schauspieler – ohne Behinderung. Auch er spielt sich selbst und verrät in seiner Rolle als Oliver viel Persönliches: Zum Beispiel, dass er im vergangenen Jahr als Schauspieler eher erfolglos war. Für Oliver hat das Stück aber auch eine politische Dimension in Bezug auf den Umgang mit Behinderten.

"Es wäre schön, wenn nach drei, vier Minuten die Leute nicht mehr drauf sehen, dass da jemand im Rollstuhl ist, sondern man sieht, dass da eine Frau ist, die ein Problem mit einem Mann hat. Und dass die eine blind ist, das ist egal. Also die kommt da rein und möchte singen oder was auch immer und sie hat ein Problem, weil sie Angst hat. Und, dass diese offensichtliche Behinderung, wo man drauf schaut, dass das sich irgendwann in Luft auflöst. Und am besten, wenn es geht, nach drei Minuten."

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