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Fazit | Beitrag vom 27.01.2016

"The Hateful 8" von Quentin Tarantino Wortgewaltige Brutalos

Von Anke Leweke

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Filmszene von "The Hateful 8" (picture alliance / dpa / Foto: Universum Film)
Tim Roth (l) als Oswaldo Mobray, Kurt Russel (m) als John Ruth und Jennifer Jason Leigh (r) als Daisy Domergue in "The Hateful 8". (picture alliance / dpa / Foto: Universum Film)

Fiese Männer stranden in einer weißen Einöde und liefern sich zunächst endlose Rededuelle. Mit "The Hateful 8" verbeugt sich Quentin Tarantino vor seinem eigenen Schaffen und frönt seiner Vorliebe für brutale Spaghetti-Western.

In einer Videothek erlernte er sein filmisches Handwerk, learning by seeing: Von der französischen Nouvelle Vague über B-Movies aller Art bis hin zu den Martial Arts-Filmen aus Südostasien - Quentin Tarantino schaute alles. Noch heute fährt er incognito zu Filmfestivals, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Tarantino macht Kino-Kino, seine Filme sind eine einzige Hommage, sie zitieren und kopieren hemmungslos. Gleichzeitig überführt Tarantino das bereits Bekannte in ein anderes Universum, in dem er es neu variiert, zusammensetzt und die verschiedensten Arten des Kinomachens aufeinander prallen lässt.

Fallen wir nun mit der Tür ins Haus und halten fest: Mit "The Hateful 8" verbeugt er sich vor seinem eigenen Schaffen, zitiert sich selbst- vor allem seine Vorliebe für brutale Spaghetti-Western und für das schöne alte Zelluloid. "The Hateful 8" ist mit einer alten Panavision-Kamera in 70mm gedreht, also im extremen Breitwandformat. Deshalb gibt es zu Beginn auch erst einmal eine ausgedehnte Kamerafahrt in einer verschneiten Berglandschaft. Untermalt werden die Bilder von den Schicksalsmelodien Ennio Morricones, dem Lieblingskomponisten Tarantinos.

Wieder teilt der Regisseur seinen Film in Kapitel ein. So lernt man nach und nach die Protagonisten kennen, begegnet allerhand zwielichtigen Typen: Kopfgeldjägern, Ex-Soldaten, Nord- und Südstaatlern, Rassisten. Man spürt bei diesen Männern, dass Leichen ihren Weg pflastern. Und nun lässt das Schicksal dieses fiese Trüppchen in einem Kurzwarenladen mitten in der weißen Einöde stranden. 

Dialoge und Monologe ersetzen die Handlung

Eingeschneit und bewegungslos liefern sie sich zunächst endlose Rededuelle. Man fragt sich, wo Tarantinos Sinn für Sprachwitz geblieben ist, für die Absurditäten des Banalen. In "Hateful 8" hingegen ersetzen die Dialoge und Monologe weitgehend die Handlung. Vielleicht möchte Tarantino diesen Film als eine Art Kammerspiel verstanden wissen, das die Archetypen des US-amerikanischen Westerns zusammenbringt, das die Gewalt hinter dem Mythos vom Land der grenzenlosen Möglichkeiten zum Vorschein bringt. Vielleicht will er mit dem Breitwandformat auf engstem Raum Gesichter zu Seelenverwandtschaften werden lassen. Doch die zerfurchten, verlebten Minen seiner Figuren erzählen uns nichts, sie kommen aus keiner

(Kino-)Geschichte, sie sind einzig und allein Zitate von Tarantino-Zitaten, wirken irgendwie seltsam sinnentleert weil sie auf kein Bezugssystem mehr verweisen. Deshalb ist es uns auch ziemlich egal, wer hier warum wann auf wen losgeht. 

"The Hateful 8" von Quentin Tarantino
Mit: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Tim Roth, Bruce Dern
USA 2016, 168 Minuten

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