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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 12.01.2011

"The Green Hornet"

Aufgeplustertes Unterhaltungs-Debakel

Gesehen von Hans-Ulrich Pönack

Infantiler Verleger-Erbe kämpft mit moderner Technik gegen das Verbrechen in Los Angeles: Regisseur Michel Gondry reanimiert den Serien-Helden "Green Hornet" für einen ebenso explosvien wie reizlosen Action-Film.

Der am 8. Mai 1963 in Versailles geborene Franzose Michel Gondry wurde mit seinen innovativen Musikclips, unter anderem für die Rolling Stones, für Björk, Sinéad O´Connor und Paul McCartney, bekannt. Er drehte Werbefilme und ist seit 2001 auch als interessanter Autorenfilmer, also Drehbuch-Autor und Regisseur für "spezielle" Spielfilme aktiv, wie die Arthouse-Produktionen "Human Nature" (Debüt), "Vergiss mein nicht!" (2004; mit Jim Carrrey und Kate Winslet, "Oscar" an Charlie Kaufman für das "Beste Originaldrehbuch") sowie "Science of Sleep – Anleitung zum Träumen" (2006). Zuletzt schuf er die Film-im-Film-Posse "Abgedreht" (2008; mit Jack Black).

An dieser Big-Budget-Produktion (Herstellungskosten geschätzte 90 Millionen Dollar) murksen sie schon seit Jahren in Hollywood herum. Kevin Smith, der New Jersey-Filmer ("Clerks – Die Ladenhüter" & Co.), war mal ebenso im Gespräch wie der ausgestiegene Regisseur Stephen Chow. Auch Nicolas Cage wurde hierfür mal – als Bösewicht – gehandelt, lehnte aber ab. So entstand dieses quirlige Tamtam, das nun sowohl "herkömmlich" in der 2D- wie auch in einer 3D-Fassung herauskommt.

Um es gleich zu sagen: 3D ist hier genauso überflüssig wie in so vielen dementsprechend "aufgepeppten" US-Produktionen. Die paar läppischen "Mätzchen" bedurften nicht der (einnahmeträchtigen) Zusatzbrille. Die Figur der "Grünen Hornisse" entstammt einer amerikanischen Radioserie aus den 30er-Jahren. Dann gab es dazu später die obligatorischen Comic-Hefte und in den 60er-Ami-Jahren folgte eine TV-Serie, immerhin mit Bruce Lee als Assi des Titelhelden. Der damals wie ein Abklatsch und dümmlicher Mitmach-Bubi von Comic-Heros wie "Batman" und "Superman" wirkte.

Heute nun ist Britt Reid (Hollywoods derzeitiger Dauer-Blödian: Seth Rogen) ein dauerpubertärer Vollidiot. Kann machen und party-tun was er will, denn er ist als Sohn des prominentesten und mächtigsten Zeitungsverlegers von Los Angeles, James Reid (glatt unterfordert: Tom Wilkinson), aus reichem Daddy-Hause. Der Witwer hat seinen Nachwuchs nicht im Griff, denn der läuft planlos-blöd wie hirnlos durchs Sauf- und Rausch-Leben. Bis "der Alte" mysteriös stirbt und er eigentlich Verantwortung übernehmen könnte. Doch stattdessen sucht er "den neuen Kitzel", gemeinsam mit seinem China-Kumpel und brillanten Technik-Freak-Erfinder Kato (das taiwanesische Pop-Idol Jay Chou, auch nicht doll "inspirierend").

Öffentliche Aufmerksamkeit erregen, lautet das künftige Arbeits- bzw. Auftritts-Motto von Britt & Kato. Möglichst viele Bösewichte der Großstadt "putt", also platt machen. Mit ihrer wirkungsvollen Schieß-und-Bumm-Festungs-Mechanik, sprich "The Black Beauty", einem unzerstörbaren wie schussstarken schwarzen Auto mit Raketen-Ausstattung. Sowie mit Katos schlagkräftigen, blitzschnellen Karate-Kung Fu-Faust-Argumenten. Und dennoch irgendwie "als Auch-Schurken" in den medialen Schlagzeilen bleiben. Damit niemand sie erkennt, setzen sie sich nächtens eine Pappbrille auf, und ab geht die Chose. Motto: "Böse klatschen". Was natürlich gigantische Titelgeschichten im eigenen Blatt (angeordnet) zur Folge hat und "richtige Bösewichte" wie Benjamin Chudnofsky ("Oscar"-Basterd Christoph Waltz als neurotischer Russen-Mafioso - na ja) auf den Plan ruft. Jetzt wird´s ernst für die beiden Amateur-Helden.

Im wahrsten Sinne. Denn der Humor bleibt hier leider auf der Strecke. "The Green Hornet" ist eine dümmliche, gänzlich unwitzige Krach-und-Bumm-Chose. In der dann auch Blondchen Cameron Diaz (in einer völlig überflüssigen Rolle) als angebliche Journalistin-Sekretärin den bekloppten Helden Britt geil macht. Den interpretiert Hollywoods Dick-Doofer vom Dienst und Co-Drehbuch-Autor Seth Rogen ("Beim ersten Mal"; "Superbad") infantil, plump, völlig reizlos, also total langweilig. Banal – egal.

Wie der gesamte Film. Der nur in den letzten 20 Minuten richtig explodierend aufwacht und eine exzellente, voll-dröhnende Choreografie der Zerstörung und Verwüstung abliefert. Ist hierbei ganz ordentlich anzuschauen. Vermag aber den Gesamteindruck von beliebigem, vermasseltem 08/15-Kasperle-Cartoon nicht zu verbessern. "The Green Hornet" ist ein aufgeplustertes Unterhaltungs-Debakel.

P.S.: Und "unser" Christoph? Christoph Waltz …? Der (beim Dreh) 53-Jährige bemüht sich einmal mehr in Persona diabolischer Großschurke, verpufft aber zu einer kurzen, "ulkigen" Nebenfigur mit Charme-Neurotik; hat das Pech, dass der Regisseur (viel) zu wenig mit ihm und "seinem Russen" anzufangen weiß. Hat sich zudem aber auch "merkwürdig" österreichisch-russisch synchronisiert, hört sich in der deutschen Fassung etwas atonal an. Was aber auch bei diesem Doof-Film letztlich völlig wurscht ist.

USA 2009/2010; Regie: Michel Gondry; Hauptdarsteller: Seth Rogen, Jay Chou, Christoph Waltz; Länge: 118 Minuten

Filmhomepage

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