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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 25.01.2012

"The Artist"

Ein Stummfilm als großes Leinwandereignis

Von Hans-Ulrich Pönack

Szene aus "The Artist" mit Jean Dujardin als George Valentin und Berenice Bejo als Peppy Miller (picture alliance / dpa / Delphi Filmverleih)
Szene aus "The Artist" mit Jean Dujardin als George Valentin und Berenice Bejo als Peppy Miller (picture alliance / dpa / Delphi Filmverleih)

Hollwood im Jahr 1927, ein gefeierter Stummfilmstar - und seine Begegnung mit einer unbekannten Tänzerin: "The Artist" ist einer der besten Filme unserer Zeit, eine Hymne auf das universelle Kino.

Natürlich, das sage ich ja immer - in den meisten Filmen wird viel zu viel gequatscht. Besonders zerquatscht sich der deutsche Film. Indem er meint, alles, aber auch wirklich alles, erklären zu müssen. Allerdings, einen neuen Film nun gänzlich ohne Ton zu drehen, na ja, fast gänzlich, sich das vorzustellen – das lag bisher jenseits aller modernen Vorstellungsmöglichkeiten im heutigen Kino.

Der Regisseur: Michel Hazanavicius - vor "The Artist" in Frankreich mehr bekannt als bei uns. Der 1967 in Paris geborene Drehbuch-Autor und Regisseur für Fernsehen und Kino fiel mit zwei im Kino-Frankreich sehr erfolgreichen Bond-Parodien auf: "OSS 117 – Der Spion, der sich liebte" (2006) sowie "OSS 117 – Er selbst ist sich genug" (2009).

Sein Hauptdarsteller: Der französische Schauspieler und Komiker Jean Dujardin. Bei uns erstmals gesichtet und wahrgenommen in dem französischen Kauf-Drama "39,90" von Jan Kounen aus dem Jahr 2007 (nach dem gleichnamigen kultigen Bestseller von Frédéric Beigbeder).

Jetzt also mimt er den Stummfilm-Star George Valentin.

Wir befinden uns anno 1927 in Hollywood. Von dort aus regiert jener George Valentin die Kinoleinwände. George ist der umjubelte Star der "Kinograph Studios". Gemeinsam mit seinem unwiderstehlichen Kumpel, dem Jack Russell Terrier "Jack", erlebt er die fantasievollsten Abenteuer. George, eine Mixtur aus Douglas Fairbanks und Clark Gable, ist privat aber ein großer Junge geblieben, der mit einer blasierten blonden Ehefrau in einer pompösen Mausoleums-Villa langweilig lebt.

Als er nach der einmal mehr begeistert aufgenommenen Premiere seines neuesten Films "A Russian Affair" zufällig der unbekannten Tänzerin Peppy Miller begegnet (hinreißend: Bérénice Bejo, Ehefrau von Michel Hazanavicius), soll dies Schicksal bedeuten. Denn demnächst wird sich das Leben dieser beiden Menschen entscheidend ändern, wobei sich auch die Positionen entscheidend verändern sollen. Stichwort: Der aufkommende Tonfilm. Während George dabei nicht mehr mitkommt, eigentlich nicht mitkommen will, weil er nicht daran glaubt, glauben will, erlebt die junge Tänzerin aus der dritten Reihe den großen Karrieresprung und wird zum gefeierten Star des neuen Kinos. Er dagegen stürzt ab - ins Selbstmitleid und die Pleite. Das alles beschleunigt durch die Wirtschaftskrise von 1929.

Der Film lohnt sich. Ach was, es ist begeisternd, umwerfend, schön, wunderbar, formidabel. Fantastisch! "The Artist" ist kein nachgemachtes Stummfilm-Epos, sondern ein neu dirigiertes, tolles Leinwand-Ereignis. Als Hymne auf das universelle Kino.

Jean Dujardin, eine wahre Lächel-Wucht. In Höhen und Tiefen. Im Schalk wie im Schmerz. Ein augenzwinkernder Mime. Ein attraktiver First Class-Charme-Bolzen. Als köstliche Rampensau. Im vorigen Frühjahr wurde der in diesem Jahr 40 Jahre jung werdende Typ auf den Filmfestspielen von Cannes als "Bester Schauspieler" ausgezeichnet. Kürzlich kam der "Golden Globe" dazu. Und der "Oscar" winkt bereits. Partnerin Bérénice Bejo als Peppy Miller ist ebenbürtig. Sehr charmant, sympathisch wie bezaubernd und wunderschön seelentief. Dazu dieser sagenhafte Hund Jack. Mit bürgerlichem Namen "Uggy". Ein Juwel von spaßigem, treuem Tier-Begleiter. Ebenfalls in Cannes 2011 prämiert: Mit dem "Palm Dog Award" als "Bester Hundedarsteller".

"The Artist" ist einer der besten Filme unserer Zeit. Große Anerkennung und Verbeugung.

Frankreich 2010/2011; Regie: Michel Hazanavicius; Hauptdarsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman; Länge: 100 Minuten

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