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Kompressor | Beitrag vom 12.01.2016

"That Dragon Cancer"Computerspiel über ein krebskrankes Kind

Von Marcus Richter

Junge mit Computerspiel (picture alliance / dpa / Foto: Maximilian Schönherr)
Jugendlicher beim Computer spielen. (picture alliance / dpa / Foto: Maximilian Schönherr)

Einen lieben Menschen oder Angehörigen durch Krebs zu verlieren, ist unvorstellbar hart. Amy und Ryan Green haben ihren Sohn Joel im Alter von fünf Jahren an die Krankheit verloren. "That Dragon Cancer" erzählt die Geschichte der Familie – als Computerspiel.

Den Spieler erwartet eine Aneinanderreihung von Szenen, durch die man sich bewegen kann. Es ist mehr oder weniger eine geführte Begehung der Familiengeschichte: Die Szenerie ist in bunte, weiche Farben getaucht, man ist im Kinderkrankenzimmer, beim Arzt, zu Hause oder auf einem Spielplatz. Die Gegenstände wirken eher abstrakt, man bewegt sich sehr langsam und erlebt es vor allem durch die Soundkulisse wie hier das Entenfüttern am See.

In den Szenen geht Joel selbst, das Leben, die Behandlung, aber auch sehr häufig um die Beziehung zwischen Amy und Ryan – der Mutter und dem Vater.

"You know how they celebrate off-treatment day, like when kids are done with their treatments... I guess maybe you don't, because you're not as much in the clinic as I am."

Hier geht es darum, dass es eine kleine Feier gibt, wenn Kinder mit der Chemo fertig sind, aber der Mann könne das nicht wissen, er sei ja nicht so häufig in der Klinik. Und diese Untertöne machen das Spiel aus: Ich hab mich hier gefragt: Ist das nur eine Feststellung? Oder ein unterschwelliger Vorwurf? Das fühlt sich vor allem am Anfang schon fast voyeuristisch an, so dicht an den Menschen dran zu sein.

Das Spiel geht nur knapp zwei Stunden, aber so richtig funktioniert hat es bei mir erst nach 15 bis 20 Minuten. Es gibt eine Szene, in der man Grußkarten in einem Krankenzimmer anschauen kann, erstmal zehn Stück oder so.

Das Spiel wird persönlich

Alles Grüße, Erinnerungen oder Lebens- und Sterbedaten von anderen Krebspatienten. Das war für mich der Punkt, wo es gekippt ist von einer persönlichen Geschichte hin zu. Das geht ganz vielen Menschen so und das hier ist die Möglichkeit zu erahnen, wie sich das anfühlen muss. Man erlebt das tatsächlich mit, so gut das als Fremder, Außenstehender geht.

Die Eltern und Macher des Spiels sind tiefreligiös, vertrauen oder man könnte auch sagen: flüchten sich in ihren Glauben, aber es wird auch klar, dass das keine Erlösung für sie ist. Eine der stärksten Momente ist auch der, in dem diese Fassungslosigkeit formuliert wird:

"I think greater than my fear of death is my fear of insignificance, my default assumption is, that my thoughts and passions and loves and the stuff of my being are insignificant."

Der Vater hat nicht vorm Tod Angst, sondern davor vergänglich, unwichtig zu sein – das sein Sein einfach verschwindet, wenn er stirbt. Und dafür gibt es keine Lösung. "That Dragon Cancer" will auch keine Lösung sein – es will zeigen, wie das Leben mit dem Tod ist:

Dem Tod von lieben Menschen um einen herum und der Angst vor der eigenen Nichtexistenz. Das – und das das Leben aber bis dahin weitergeht – macht das Spiel sehr eindrucksvoll begreiflich und erlebbar, ohne zu platt zu sein und ohne zu überfordern.

"That Dragon Cancer", ein Spiel über Krebs und Tod
Als Download für Windows, Mac und Ouya erschienen
14,00 Euro

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(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 25.05.2013)

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