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Teure Gottesgabe

Südafrikas Wasserkrise

Von Thomas Kruchem

Wasser läuft in einem Armenviertel von Kapstadt in einen Eimer
Wasser läuft in einem Armenviertel von Kapstadt in einen Eimer (dpa / picture alliance / Ralf Hirschberger)

Viele Südafrikaner gehen sorglos mit Trinkwasser um: Ihre Leitungen und Wasserhähne sind oft defekt. In der Landwirtschaft, wo Halbwüsten falsch bewässert werden, wird viel Flüssigkeit verschwendet - dazu kommt die Belastung der Flüsse und Seen durch Umweltgifte. Längst gilt Südafrika als wasserarmes Land.

Eine Township im Kreis Emfuleni südwestlich von Johannesburg. Zwischen Reihen schmucker Ziegelhäuser spielen Kinder Fußball; kleine Geschäfte, Werkstätten, ein Einkaufszentrum; nur wenige Ödflächen und Baracken, wie sie typisch sind für so viele Siedlungen in Südafrika.

In Sebokeng jedoch leben überwiegend Angehörige der neuen schwarzen Mittelschicht, sagt der Wasserbauingenieur Ronnie McKenzie; Leute, die es als Kleinunternehmer oder Fachkräfte in der nahen Industriestadt Vanderbijlpark zu Wohlstand gebracht haben. Dann deutet Ronnie auf den Wasserhahn an der Außenwand eines Häuschens, aus dem Wasser auf die Straße läuft:

"Das größte Problem hier ist, dass nur wenige Haushalte ihre Wasserrechnung bezahlen. Die große Mehrheit hat, weil ihr Wasserverbrauch sie nichts kostet, kein Interesse daran, ihre Wasserhähne und Toiletten instand zu halten. Die Leute reparieren kaputte Installationen einfach nicht – mit der Folge, dass 80 Prozent des in ihrem Haus ankommenden Wassers ungenutzt aus Hähnen, Duschköpfen und Toilettenspülungen in den Abfluss fließen. Kein Wunder, dass die Kreisverwaltung von Emfuleni technisch längst bankrott ist. Denn die Verwaltung muss ihre Wasserrechnung beim Großversorger Rand Water pünktlich bezahlen."

Das Wildreservat von Krugersdorp, 60 Kilometer nördlich von Sebokeng. Heimische Antilopen oder Stelzvögel sind dort nicht mehr zu sehen. sondern nur ein träge dahinfließender orange-roter Wasserlauf; wild wucherndes, teils verdorrtes Schilf; ein paar grotesk verschmutzte Gänse, die stoisch ihre Schnäbel in das scharf riechende Wasser tauchen; gelb-graue Abraumhalden im Hintergrund. Das ist der Tweelopiespruit, sagt Terry Harck, ebenfalls Wasserbauingenieur.

Der kleine Fluss entspringt im Robinson-See, wo früher Tier und Mensch frisches Trinkwasser fanden. Seit 100 Jahren jedoch dient der See als Deponie für schwermetallhaltige und radioaktive Abwässer der Goldbergwerke ringsum; es gibt kein Leben mehr dort. Der Tweelopiespruit wird aus weiteren Giftquellen gespeist:

"Am Oberlauf des Tweelopiespruit gibt es eine Stelle, wo Wasser aus zahlreichen alten Stollen des Goldbergbaus an die Erdoberfläche tritt und sich in den Fluss ergießt. Das Problem: Dieses Wasser ist extrem sauer und belastet mit Schwermetallen. Um die Folgen für die Umwelt zumindest zu mildern, fangen einige Bergbauunternehmen solches Wasser zunächst auf, um es durch Zugabe von Kalkgestein ein wenig zu neutralisieren. Einige der im Wasser gelösten Metalle wie Eisen und Mangan oxydieren im neutralisierten Wasser, setzen sich ab oder fließen als orange-rote Suppe flussabwärts."

…und weiter in den Crocodile River, einen für die Trinkwasserversorgung der Region wichtigen Nebenfluss des Limpopo.

Südafrika: 50 Millionen Einwohner auf 1,2 Millionen Quadratkilometern; reich an Bodenschätzen wie Gold, Platin und Diamanten; Mangan, Eisen und Kohle. Hier schlägt das wirtschaftliche Herz Afrikas: im Bergbau- und Industriegebiet der Provinz Gauteng, das zehn Prozent der afrikanischen Wirtschaftsleistung erbringt; in der wohl produktivsten Landwirtschaft Afrikas, die unseren Appetit auf Wintergemüse und -obst befriedigt.

Doch Südafrika hat in seinem Ringen um Wohlstand und Entwicklung mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen: mit einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bei zugleich hoher Arbeitslosigkeit; mit der HIV-Aids-Pandemie und mit einem rapide wachsenden Mangel an Wasser. Das große Problem: Die aus den wenigen Flüssen des Landes verfügbare Wassermenge wächst kaum noch; sie bleibt – vor dem Hintergrund des Klimawandels – allenfalls gleich; die Möglichkeiten, Wasser in Stauseen zu speichern oder beim wasserreichen Nachbarn Lesotho zu kaufen, sind fast ausgeschöpft. Kurz, Südafrika befindet sich längst in einer Wasserkrise. "Trotzdem gehen die Bewohner von Townships wie Sebokeng mit ihrem Wasser um, als gäbe es kein Morgen, klagt der Ingenieur Ronnie McKenzie. Manche Haushalte ließen 200 Kubikmeter monatlich durch Wasserhähne und Klospülungen laufen:

"In die Kläranlagen hier fließen deshalb während der Nacht große Mengen sauberen Wassers – was die Anlagen praktisch lahmlegt. Bakterien, die organische Abwasserbestandteile abbauen sollen, werden ungenutzt fortgespült. Trifft dann am Morgen tatsächlich mit organischem Material gesättigtes Abwasser ein, sind keine Bakterien mehr da, um sich daran gütlich zu tun."

Fahrt mit Ronnie McKenzie zu einem am Rande Sebokengs stehenden Flachbau aus Beton und gelben Ziegeln – verziert mit abstrakter Malerei in Gelb, Blau und Grün, den Symbolfarben für Sonne, Wasser und blühende Landschaften. "Wasser ist Leben; spare jeden Tropfen", sagt eine in der Sprache der Basotho verfasste Schrift an der Wand des Gebäudes.

Der Ingenieur schließt auf; der Blick fällt auf ein Gewirr blauer Rohre, Pumpen und Ventile. "Mit dieser Anlage begegnen wir der Wasserverschwendung", sagt Ronnie McKenzie stolz. "Mit ihr haben der lokale Wasserversorger und meine Firma den Wasserverbrauch im Landkreis drastisch reduziert", sagt Ronnie McKenzie stolz.

"Wir stehen hier vor der größten Druckregulierungsanlage ihrer Art weltweit. Hier treffen sich zwei Rohre, die die Townships Sebokeng und Evaton, eine halbe Million Menschen also, mit Trinkwasser versorgen. In diesen Rohren von 120 beziehungsweise 75 Zentimetern Durchmesser reduzieren wir außerhalb der täglichen Spitzenzeiten den Wasserdruck. Mit dieser einfachen Maßnahme, die der Verbraucher kaum spürt, ersparen wir der Kommune pro Jahr einen Wasserverbrauch von zehn Millionen Kubikmetern im Wert von 30 Millionen Rand oder drei Millionen Euro. Unsere Firma hat diese Anlage komplett vorfinanziert – mit fünf Millionen Rand für den Bau und fünf Millionen für den Unterhalt über fünf Jahre. Als Honorar haben wir dann 15 Prozent der in diesem Zeitraum gesparten 150 Millionen Rand erhalten."

Eine Druckregulierungsanlage wie die im Landkreis Emfuleni ist ein erster Schritt zum Wassersparen. Den zweiten Schritt gehen jetzt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die für die deutsche Regierung Entwicklungsprojekte durchführt, und der Chemiekonzern Sasol. In einem großen Programm werden Installateure ausgebildet, berichtet Horst Vogel, Chef des regionalen GIZ-Wasserprogramms. Außerdem wird die Bevölkerung der Townships Sebokeng und Evaton systematisch über den Wert der Ressource Wasser aufgeklärt:

"Das Projekt in Emfuleni versucht, da anzusetzen, wo das Projekt über die Druckminderungsanlage aufgehört hat. Und dort wird jetzt sowohl im Erwachsenenbereich, also der Erwachsenenbildung, als auch der Schulbildung angesetzt, dass wir ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig, wie wertvoll und wie teuer Wasser ist. Das ist eine Tatsache, die bis jetzt so nicht in die Köpfe der Menschen eingedrungen ist, weil Wasser häufig kostenlos zur Verfügung gestellt wird und historisch im afrikanischen Kontext auch als kostenlos angesehen wird. Und da muss einfach Bewusstsein geschaffen werden, dass man für die Versorgung, für das Leitungsnetz, zu bezahlen hat."

Mühsame Aufklärungsarbeit, an deren Erfolg auch die Firma Sasol interessiert ist – weil sie der größte Wasserverbraucher am durch die Region fließenden Vaal-Fluss ist. Sasol, erklärt Umweltmanager Andries Meyer, ist mit der GIZ eine Entwicklungspartnerschaft eingegangen, eine public private partnership, von der alle profitieren:

"Wir beziehen das Wasser, mit dem wir produzieren, aus dem Vaal. Insoweit gefährden die hohen Wasserverluste in Emfuleni auch unsere Versorgung. Bekommt die Kreisverwaltung das nicht in den Griff, könnten wir in einer längeren Trockenperiode ohne Wasser dastehen."

900 Kilometer westlich von Sebokeng liegt, in Südafrikas größtem Anbaugebiet für Tafeltrauben und Rosinen, das Gut Bezalel. Auf einem Feld endloser Reben versprüht der Arbeiter Johannes ein biologisch abbaubares Pestizid, während Gutsbesitzer Inus Bezuidenhout auf einer Zementplattform trocknende Rosinen inspiziert:

"Wir produzieren drei Sorten von Rosinen: zunächst unsere in der Sonne getrockneten schwarzen Rosinen, die wir 'Thompsons' nennen. Um grüne Rosinen zu erhalten, tauchen wir die Trauben in eine Kalium-Lauge, die die Schale porös macht. Die Trauben trocknen dann besonders schnell und behalten ihre grüne Farbe. Gelbe Rosinen schließlich gewinnen wir, indem wir neben den Trauben Schwefel verbrennen und sie dann auf hölzernen Regalen trocknen. Das Ergebnis sind unsere goldenen Sultaninen."

"Auf ein paar Hektar baue ich zusätzlich Tafeltrauben an", sagt Inus. "Die werden von Upington aus per Jumbo-Jet nach Europa geflogen." Vor kurzem hat der Farmer viel Geld in eine Mikrosprinkler-Anlage investiert, die seine sandigen Wüstenfelder recht sparsam bewässert. In Inus' Nachbarschaft jedoch fahren, bei 45 Grad Hitze, hunderte Meter lange Sprühanlagen über die Felder und vernebeln die Luft. Eine verschwenderische Bewässerungspraxis, die der Wasserexperte Peter Ashton vom halbstaatlichen Forschungsinstitut CSIR in Pretoria für Wahnsinn hält:

"Viele Bauern bewässern völlig unvernünftig. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit, hohen Temperaturen und relativ starkem Wind sprühen sie Wasser auf ihre Wüstenfelder – Wasser, das zum größten Teil verdunstet, bevor es die Pflanzen erreicht. Und frage ich die Bauern: Warum bewässert ihr nicht zumindest nachts, wenn es kühler, feuchter und weniger windig ist? Dann antworten sie: Wir arbeiten nicht nachts, wir arbeiten tagsüber."

Eigentlich, meint Ashton, dürfen Bauern nur die Menge Wasser einem Fluss oder Kanal entnehmen, für die sie eine Lizenz besitzen. Leider werde kaum kontrolliert, obwohl das technisch ohne Weiteres möglich sei. Ein Beispiel:

""Jemand hat eine Lizenz, 500 Hektar Mais zu bewässern. Mais nun wächst zu einer bestimmten Jahreszeit. Wird das Feld außerhalb dieser Jahreszeit bewässert, handelt der Bauer illegal. Das kann man sehr leicht per Satellit feststellen, oder man schaut sich die Stromrechnung des Bauern an und sieht daran, wann er wieviel Strom für seine Pumpen verbraucht hat."

Südafrikas Landwirtschaft ist mit fast 70 Prozent Anteil der größte Wasserverbraucher des Landes. Obst und Gemüse sind eine wichtige Devisenquelle; deshalb wachsen die künstlich bewässerten Flächen weiter. Inzwischen ist das wasserarme Südafrika ein Netto-Exporteur so genannten "virtuellen Wassers"; das heißt: Die Herstellung der exportierten Güter verbraucht mehr Wasser als die Herstellung der importierten Güter. Für einen Liter süßen Wüstenweines etwa muss ein Winzer am Orange River 1000 Liter Wasser aus dem Fluss pumpen.

Die Armensiedlung Orange Farm südwestlich von Johannesburg ist ein trostloser Flecken: Beton- und Wellblechverschläge, soweit das Auge reicht; Autowracks, Bretterhaufen, müßig herumstehende junge Männer. Entlang der Straßen fallen bei strahlendem Sonnenschein große Pfützen ins Auge: Wasserrohrbrüche. Die Bewohner zeigen sich unzufrieden mit den Dienstleistungen des Staates, vor allem mit der Wasserversorgung:

"Wir trinken schmutziges Wasser, seit nunmehr sieben Jahren. In all diesen Jahren haben sie das Wasser nie gereinigt. Wenn wir den Wasserhahn öffnen, riecht es nach Fisch und manchmal nach sehr schmutzigen Dingen. Seit kurzem werden auch immer mehr Leute krank, haben Bauchschmerzen und so. Wir wissen nicht, ob das mit dem Wasser zusammenhängt oder nicht. Aber das Wasser ist schmutzig. Und wenn wir uns bei der Kommunalverwaltung beschweren, sagen die Bürokraten dort nur, die Rohre seien halt alt. Seit Jahren versprechen sie, neue Rohre zu legen – was aber nicht geschieht."

In der Tat hat Südafrikas Wasserkrise zwei Dimensionen: Einerseits wird Wasser in atemberaubendem Tempo knapper, andererseits wird es immer schmutziger. Eine Quelle der Verschmutzung sind Haushaltsabwässer und von den Feldern der Bauern in Flüsse und Seen gespülte Düngemittel. Sie führen zur Überdüngung der Gewässer, erklärt der Wissenschaftler Peter Ashton:

"Diese von Menschen verursachte Überdüngung lässt den Nitrat- und Phosphatgehalt in unseren Flüssen und Seen immer schneller steigen. Dies wiederum lässt dort Hyazinthen und Algen wuchern – darunter die besonders gefährlichen Blaualgen. Deren Gifte, so genannte Cyanotoxine, bedrohen Mensch und Tier. Immer wieder sterben in Südafrikas Gewässern Tiere – bisweilen durch verhängnisvolle Kettenreaktionen. Das häufige Fischsterben im Loskop-Stausee zum Beispiel lässt auch die Krokodile dort verenden. Sie fressen kranke oder tote Fische; durch das verfaulte, ranzige Fett der Fische bekommen sie eine so genannte Pansteatitis, eine chronische Entzündung ihres Fettgewebes. Das Fettgewebe verhärtet sich, die Krokodile können sich nicht mehr bewegen."

Cyanotoxine sind Krebs erzeugende Nervengifte, die auch Südafrikas Trinkwasser gefährden. Denn die Wasseraufbereitungsanlagen des Landes sind zumeist veraltet und defekt. Nur in wenigen Anlagen wird das Wasser auf Cyanotoxine geprüft.

Überfordert indes wären auch sanierte Kläranlagen von jenen Bergbauwässern, auf die der Ingenieur Terry Harck am Tweelopiespruit deutet.

Ein Erbe – wie die Abraumhalden um Johannesburg – von 130 Jahren Gold- und Kohlebergbau. Heute fördert Südafrika nur noch wenig Gold. Und weil das Wasser in den Stollen deshalb kaum noch abgepumpt wird, steigt das Grundwasser allmählich wieder an; es bahnt sich durch Hohlräume im Gestein Wege ans Tageslicht; neue, höchst problematische Quellen beginnen zu sprudeln.

Besonders unerfreulich sind die gewaltigen Mengen Pyrit, einer Eisen-Schwefel-Verbindung, die im Untergrund hier mit Gold- und Kohlevorkommen verbunden sind. Gerät Pyrit in Kontakt mit Sauerstoff und Wasser, verwandelt es sich in aggressive Schwefelsäure. Diese löst jede Menge Metalle ins Wasser: Eisen, Kupfer und Mangan; Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Arsen und Quecksilber; in den Goldminen um Johannesburg überdies radioaktives Uran. Inzwischen fließen westlich der Stadt täglich mehrere Millionen Liter schwer belasteten Bergbauwassers in Flüsse, Seen und oberflächennahe Grundwasserleiter. Bis zu 350 Millionen Liter sollen es in einigen Jahren sein. Die Schwefelsäure in diesem Wasser tötet Fische und Reptilien, erklärt der Wasserexperte Peter Ashton. Und etliche der Schwermetalle reichern sich in Organismen an; sie verursachen Krebs und verändern das Erbgut. Hinzu kommt schließlich, dass saure Bergbauwässer das ohnehin von Stollen durchlöcherte Kalkgestein im Untergrund zerfressen. Verwerfungen bis hin zu Erdbeben drohen. Gefährdet ist auch die Metropole Johannesburg.

"Johannesburg ist auf einem Höhenrücken gebaut. Von unten heraufdringendes Wasser wird deshalb, bevor es die Stadt erreicht, durch Risse und Hohlräume im Gestein abfließen. Niemand jedoch hat die Statik des Gesteins unter der Stadt umfassend untersucht. Wir wissen nicht, was passiert, wenn das Wasser eine bestimmte Höhe erreicht. Wie stabil ist dann das darüber liegende Gestein? Wird es kollabieren? Oder wird es langsam verwittern?"

Wie kann Südafrika die sauren Wässer in seinen Bergbaugebieten unter Kontrolle bekommen? Eine erste Antwort findet der Besucher in der Stadt eMalahleni. In einer Wasserrückgewinnungsanlage hier reinigen die Firmen "Anglo Coal" und "BHP Billiton" täglich 32 Millionen Liter Wasser aus vier Kohletagebauen.

Von einem Metallrost in luftiger Höhe deutet der junge Ingenieur Clinton Naicker auf einer Vielzahl von Wasserbecken, über und unter denen kreuz und quer Rohre verlaufen – unterbrochen durch Ventile und Pumpen. Es rattert, rauscht und blubbert; salzig-saure und scharfe Gerüche dringen in die Nase.

"Links von uns sehen Sie zwei Becken, die das aus den Bergwerken hier ankommende saure Wasser aufnehmen. Aus diesen Becken, die je 25.000 Kubikmeter fassen, fließt das Wasser in eine Art Sprudelbecken. Kalk und viel Luft werden dort zugesetzt – mit dem Effekt, dass das Wasser basisch wird. Bei einem pH-Wert von 7 oxydiert das im Wasser enthaltene Eisen, bei einem pH-Wert von 9,5 das Mangan."

Binnen weniger Stunden verklumpen das Eisen- und Manganoxid sowie der aus Schwefelsäure und Kalk entstandene Gips und setzen sich ab. Das Wasser fließt weiter durch Sandfilter – während der Schlamm zu einer Trocknungsanlage gepumpt und zu Ziegeln gepresst wird. Verbaut wurden die Ziegel in einem schmucken Musterhäuschen am Rande der Anlage – grau mit rotem Dach.

"Dieses Haus haben wir unter Einsatz des bei der Wasserreinigung anfallenden Eisen-Mangan-Gipses gebaut. Es steht jetzt schon drei Jahre und wurde auf alle möglichen Krebs erzeugenden und radioaktiven Stoffe getestet – mit negativem Ergebnis. Inzwischen haben wir in der Stadt Clewer 60 solcher Häuser gebaut. Zu den Bewohnern zählen 30 meiner Kollegen bei Anglo American."

Das von Mangan, Eisen und Schwefelsäure weitgehend befreite Wasser fließt durch immer feinere Filter bis hin zur Umkehrosmose: ein mechanischer Superfilter, aus dem das Wasser derart sauber austritt, dass es, um trinkbar zu sein, remineralisiert wird. "Und ab geht’s", sagt Clinton. "Aus den Betontanks dort drüben versorgen wir die Bewohner eMalahlenis mit 32 Millionen Litern Trinkwasser täglich."

Diese Anlage ist ein Modell, zweifelsohne, für den vielleicht einzigen Weg, der gewaltigen Herausforderung saurer Bergbauwässer in Südafrika Herr zu werden. Die Regierung hat denn auch beschlossen, ab diesem Jahr die aus den Goldbergwerken aufsteigenden Wässer abzupumpen, zu reinigen und anschließend einer Nutzung zuzuführen. Der große Haken: Die Umsetzung des Beschlusses kostet Milliarden Euro, Jahr für Jahr, auf unabsehbare Zeit.

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