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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 24.09.2008

Terroristen als Actionfiguren und eine verstörende Heimkehr

Neu im Kino: "Der Baader Meinhof Komplex" und "Trennung"

Vorgestellt von Hannelore Heider

In "Der Baader Meinhof Komplex" verkörpern die Schauspieler keine Menschen, sondern die Essenz politischer Figuren. So bleibt eine weitergehende Analyse des Geschehenen aus und wird auf einen Actionfilm reduziert. In "Trennung" reist Ana aus dem Exil zurück nach Israel, um ihre Tochter zu suchen. Dort gerät sie in die Auseinandersetzungen rund um die gewalttätigen Räumungen israelischer Siedlungen im Gazastreifen 2005.

"Der Baader-Meinhof-Komplex"
D 2008. Regie: Uli Edel. Darsteller: Moritz Belibtreu (Baader), Marina Gedeck (Meinhof), Johanna Wokalek (Ensslin), Nadja Uhl (Mohnhaupt), Stipe Erceg (Holger Meins), Bruno Ganz (Horst Herold) u.a. Länge: 150 Minuten, ab 12 Jahren

Auf der Grundlage des von Stefan Aust 1985 veröffentlichten Faktenbuches "Der Baader Meinhoff Komplex" hat Regisseur Uli Edel mit der Elite deutscher Schauspieler einen politischen Thriller inszeniert, der die gesellschaftlichen Ereignisse um die Protagonisten der ersten Generation der RAF als Spannungskino à la Hollywood präsentiert. Kennzeichnend sind schnelle Wechsel der Schauplätze, Perspektivsprünge von der Täterebene auf die der politischen oder kriminalistischen Entscheidungsträger, unterbrochen von puzzleartig zusammengeschnittenen Aktionen der RAF, dazu das brutal-realistische Nachstellen der Morde und das Leiden der Opfer.

All diese der politischen Dokumentation oder der Thrillerdramaturgie entlehnten filmischen Mittel zeichnen sich durch Schlaglichtcharakter aus, wobei auch die "intimen" Szenen aus dem Inner Circle der RAF-Führung Stellvertretercharakter haben. Aktion geht in diesem Film immer über Reflexion, Schießen über Reden, womit dem Zuschauer zu wenig Raum für eigene Überlegungen gegeben wird. Provokation zum eigenen Denken hat so kaum Raum, die Filmemacher überrumpeln mit der schon im Vorfeld immer wieder betonten Authentizität des Dargestellten und eines vorgefertigten Bildes der Baader, Meinhof und Ensslin, das keine Identifikation zulassen darf.

Obwohl die Täter in diesem Film im Mittelpunkt des Geschehens stehen, hatten die Schauspieler keine Menschen, sondern die Essenz politischer Figuren darzustellen, wie es Johanna Wokalek (im Film Gudrun Ensslin) ausdrückte. Die Opfer der Bluttaten sind ausschließlich Opfer, die Täter in der langen Gefängniszeit Irre. Damit ist der Film pures Spannungskino, er geht keinen Schritt vorwärts in der politischen Analyse einer folgenreichen gesellschaftlichen Etappe.


"Trennung"
BRD/Fr/Italien/Israel 2007. Regie: Amos Gitai. Darsteller: Juliette Binoche, Lior Louie Ashkenazi, Jeanne Moreau. Länge: 115 Minuten

"Trennung" (NUR IM ZUSAMMENHANG MIT DEM FILMSTART)Die Französin Ana (Juliette Binoche) und ihr israelischer Stiefbruder Uli treffen bei der Beerdigung ihres Vaters in Frankreich aufeinander. Die leicht irre Frau will Uli dann nach Israel begleiten, um ihre Tochter zu suchen, die sie vor 20 Jahren, als sie selbst noch in einem Kibbuz lebte, zur Adoption freigab.

Die Reise führt sie in den Gaza-Streifen, wo ihr eigener Bruder als Offizier dafür verantwortlich ist, nun, im Jahre 2005 die einst herbeigeholten israelische Siedler wieder zu vertreiben. Am Ende kann die Begegnung mit der Tochter nur eine anrührende Episode in einer Gewalt geprägten Welt bleiben.

Regisseur Amos Gitai hat sich in fast 40 Spiel,- und Dokumentarfilmen sowohl in Israel als auch in Frankreich, wo er lange Zeit im Exil lebte, immer wieder als kritischer Beobachter der Politik Israels profiliert. Seine Filmheldin Ana trägt all die Wunden in sich, die auch aus persönlicher Erfahrung des Regisseurs Juden in dieser Zeit prägen: Die Entwurzelung durch die Diaspora, das Gefühl der Schuld, die ein junges Mädchen in einer ideologisierten Welt auf sich geladen hat, die Hilflosigkeit einer Politik gegenüber, die Menschen wie Objekte hin und her schiebt.

Nach einem larmoyanten Beginn in Frankreich gewinnt der Film an Intensität, als die Kamera in langen Einstellungen, ohne Musik oder filmtechnischen Raffinessen beobachtet, wie die israelischen Soldaten ihre eigenen Landsleute aus dem zu räumenden Gaza-Streifen vertreibt.

Ana bleibt hilflose Zuschauerin, was selbst für eine so profilierte Darstellerin wie Juliette Binoche eine schwierige Rolle ist.

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