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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 02.09.2009

"Tears of April"

Hannelore Heider über ein Liebesdrama im finnischen Bürgerkrieg

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges tobte in Finnland ein Bürgerkrieg zwischen konservativen Weißen und sozialdemokratischen Roten, den die Weißen gewannen. Die Rotgardistin Miina wird von dem Weißgardisten Aaro vor der Exekution bewahrt. Der Weg zum Standgericht wird zur Prüfung für beide.

Der Film basiert auf historischen Ereignissen aus dem finnischen Bürgerkrieg nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und ist deutlich sichtbar eine Literaturverfilmung. Die erfolgreiche finnische Autorin Leena Lander erzählt diese Geschichte in ihrem sehr erfolgreichen Roman "Die Unbeugsame" (erschienen bei btb 2005) und Regisseur Aku Louhimies inszeniert sie deutlich im Bemühen um die Aufarbeitung eines heute noch verdrängten Kapitels finnischer Geschichte.

Im Bürgerkrieg der Roten gegen die von Deutschland unterstützten Weißen sind mehr Menschen durch Exekutionen ums Lebens gekommen, als durch Kampfhandlungen. Besonders grausam ging man mit den roten Frauenbataillonen um, an den verübten Grausamkeiten haben sich auch die Intellektuellen des Landes beteiligt.

Als die im Unterschied zum Roman chronologisch erzählte Filmhandlung im Winter einsetzt, haben die Weißen den Kampf gewonnen. Die junge schöne Miina (Pihla Viitala) entgeht als gefangene Rotgardistin nur knapp dem Schicksal ihrer Mitkämpferinnen. Sie wird von saufenden Weißgardisten mehrfach vergewaltigt, aber vor dem Exekutionskommando kann sie fliehen. Der junge, idealistische Weißgardist Aaro (Samuli Vauramo) führt sie auf einem langen Weg, bei dem sich die beiden sehr nahe kommen, vor den Standrichter (Eero Aho). Doch der einst humanistische Schriftsteller wird ihr die "gerechte" Behandlung nicht angedeihen lassen. Aus dem Goethe- und Beethoven-Liebhaber ist durch den Krieg ein narzisstischer Zyniker geworden, der darüber hinaus an dem jungen Soldaten mehr Gefallen findet als an der jungen Frau, die sich ihm aus Überlebenswillen sogar anbietet.

Die Lebenswege dieser drei Menschen kreuzen sich also durchaus parabelhaft in wunderschöner westfinnischer Seenlandschaft. Doch die gediegen-konservative Inszenierung setzt auf Psychologisierung, ohne dass die ambivalenten Seelenlandschaften der Protagonisten wirklich enträtselt werden. Das führt zu überfrachteten, pathetischen Szenen, die die Grenze zum Kitsch überschreiten.

Regisseur Aku Louhimies wollte nicht plakativ Partei ergreifen, obwohl die Geschichte das eindeutig vorgibt, so dass er mit seinem Hang zur Stilisierung ins allgemein Menschliche vieles verdirbt. Dennoch besticht der Film durch die hervorragenden Darsteller. Samuli Vauramo wurde für seine Darstellung des Aaro zum Shooting Star 2009 gewählt.

Finnland/BRD/Griechenland 2008. Regie: Aku Louhimies. Darsteller: Pihla Viitala, Samuli Vauramo, Eero Aho. 115 Minuten, ab 16 Jahre

"Tears of April" - Filminfo vom Verleih

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