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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 12.02.2009

Tatort Imbiss

Ein beliebter Treffpunkt, ein beliebtes Motiv

Von Herbert Hoven und Nicole Bräunl

Currywurst - verfeinert mit Mayonnaise. (AP)
Currywurst - verfeinert mit Mayonnaise. (AP)

Schimanski machte ums sie keinen Bogen, Stöver auch nicht, Schenk und Ballauf steuern sie immer noch an - die Wurstbude, neudeutsch Imbiss genannt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sie dort etwas "wittern, riechen". Jedenfalls notierten das die Gebrüder Grimm zum Stichwort "bratwurstieren".

Egal, die Bratwurstbude ist ein beliebter Haltepunkt - im Leben wie im Film. In letzterem vor schöner heimatlicher Kulisse (Hafen, Dom oder so). Und hier nun erzählt die Wurstbude wieder etwas über "Heimat" - von Regensburg bis Hamburg, von Köln bis Berlin. Übrigens: Die älteste Wurstbude der Welt steht in Regensburg und soll so eine Art Betriebskantine für die Erbauer des Doms gewesen sein.

Der Tatort-Imbiss. Die Kölner Geschichte
Von Herbert Hoven

Wie oft Schenk und Ballauf schon in die Wurst gebissen haben? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, den "City Imbiß" von Schimanski soll es wirklich gegeben haben. Damals, in Duisburg-Ruhrort. Heute soll es die Bude auch nicht mehr geben, ein Döner-Grill stehe an ihrer Stelle. Wir fassen es nicht, bleiben aber ruhig, denn der Imbiß von Schenk und Ballauf in Köln, den soll es wirklich geben. Obwohl … zunächst war auch er nur eine Fiktion, also Kulisse.

Nachdem Kommissar Freddy Schenk Großvater geworden ist, interne Ermittlungen gegen Kollege Ballauf wegen Korruption sich als haltlos herausgestellt haben und der Mord an einem polnischen LKW-Fahrer aufgeklärt wurde, ist erst einmal Durchatmen angesagt.

Mit Kollegin Lüttgenjohann und Staatsanwalt von Prinz treffen sich die beiden "Tatort"-Kommissare zum Imbiss am rechten Rheinufer, im Niemandsland zwischen Deutzerbrücke und Hohenzollernbrücke. Hinter der "Wurstbraterei" erkennt man die Silhouette der Kölner Altstadt und den Kölner Dom. Zur Currywurst schmeckt diesmal ein Gläschen Sekt.

Aus dem "Tatort": "Also noch mal auf den frischgebackenen Großvater …"

Anstatt am zugigen Rheinufer, am Stehtisch und mit Plastikdeckchen, könnten die Kölner Kommissare natürlich genauso gut in einer der zahlreichen kölschen Kneipen entspannen, aber das wäre von den Bildern her viel langweiliger, so jedenfalls das Kalkül der Produktionsfirma. Wobei der Dom als Motiv auf die Dauer auch recht eintönig sein kann. Aber die gotische Kathedrale ist das einzige Wahrzeichen, das Köln anzubieten hat.

Eigens für dieses Postkartenmotiv wird die "Wurstbraterei" jedes mal aufs rechte Rheinufer gekarrt. Ansonsten steht die Frittenbude auf der gegenüberliegenden Rheinseite, an der Einfahrt zum alten Rheinau Hafen, in unmittelbarer Nähe zu Schokoladenmuseum und Deutschem Sportmuseum. Hunderte Fans stellen sich tagtäglich in die Schlange, um ihre Fritten in die gleiche Currysoße tunken zu können wie Freddy und Max. Dazu trinken sie Kölsch oder Cola.

Und damit erst gar keine Zweifel aufkommen, dass hier die authentische Currywurst der Kölner Kommissare über den Tresen gereicht wird, hängen über der Fritteuse Autogrammkarten mit Widmungen von Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt.

"Wurstbraterei" steht verschnörkelt und in roter Schrift über dem Imbiss. "Wurstbraterei" - so heißen Imbissbuden auf dem Münchner Oktoberfest oder dem Hamburger Dom. In Köln heißen Frittenbuden "Curry Fritz", "Fritten Pitter" oder "Wurst Willi" und dann weiß der Eingeborene sofort mit welchem Menschenschlag er es zu tun und fühlt sich gleich wie zu Hause. Er kommuniziert auf Augenhöhe.

Ein Imbissstand namens "Wurstbraterei" wird von kaum einem Kölner frequentiert, auch dann nicht, wenn es sich um die echte "Wurstbraterei" aus dem Fernsehen handelt. Hier treffen sich Briten und Holländer, Belgier und Amerikaner, Chinesen und Italiener. Busse aus Bayern und Baden-Württemberg fahren vor, aus Hessen und dem Saarland.

Eigentlich steht für die Touristen ein Besuch des Schokoladenmuseums oder des benachbarten Sportmuseums auf dem Programm, aber man hat den Eindruck, Freddy’s Frittenbude ist viel interessanter.

Oscar Wilde hat mal formuliert, es komme weit häufiger vor, dass sich das Leben nach der Fiktion richte als umgekehrt.

Den Beweis hat Anfang Januar dieses Jahres auch der Gastronom des Kölner Gürzenich angetreten. Als Pausenimbiss bei der Prinzenproklamation bot er der honetten Gesellschaft Currywurst mit Fritten an. Dazu empfahl der umtriebige Gastronom ein Gläschen Sekt. Ganz so als sei’s der Perlwein von Kommissar Ballauf und die Tunke von Kommissar Schenk.

Ursprünglich übrigens stammt die kölsche"Wurstbraterei" aus einem Filmdepot. Als aber unzählige Anfragen den WDR erreichten, wo man denn Freddy’s Fritten futtern könnte, entschied man sich den umgebauten Wohnwagen während der drehfreien Wochen nicht mehr in einer Wagenhalle zu verstecken, sondern ihn den Krimi-Fans zu präsentieren.


Die Wurst und die Politik. Eine Berliner Spezialität
Von Claus Stephan Rehfeld

Die Pommes Frites sind bekanntlich eine Erfindung des Alten Fritz. Das sagt ja schon die Bezeichnung: Pommes Fritz. Fritz seine Pommes sind die übliche Beilage zu einer anderen Berliner Erfindung - der Currywurst. Wir verstehen das, in Berlin geht es bekanntlich häufig um die Wurst. Politisch, mental und überhaupt. Knut ist auch einer berliner Erfindung, aber um die geht es hier jetzt nicht. Da nun die Politik gelegentlich dem Volke nachmacht, sonst ist es ihr ja wurscht, signalisieren also auch Politik-Darsteller gelegentlich und öffentlich ihre plötzlich heftige Neigung auf eine mit oder ohne Darm. Bitte, wir schauen zu.

Atmo: " Biss in Bockwurst "

Das ist eine Bockwurst.

Atmo: " Biss in Weißwurst "

Das ist eine Weißwurst. Wie die hierher kommt, wissen wir nicht.

Die kommt also aus Bayern.

Atmo: " Biss in Currywurst. "

Das ist eine Currywurst. Die kommt aus Berlin.

Atmo: "Hhm."

Und das ist ein Hans Wurst.

Und das ist der Herr Suhr. Der war mal Regierender Bürgermeister und demonstriert gerade in West-Berlin Volksnähe. So wird das genannt, wenn sich ein Politiker als "Wurst-Maxe" verkleidet. Das hat er getan.

Atmo: " Biss in Bockwurst "

Mit Bockwürsten, ist also lange her. Die essen heute nur noch die Touristen. Die glauben nämlich, dass die Wurst wie die Stadt ist – knackig. Und der Berliner überall seinen Senf dazu gibt.

Ja, und hinter dem Herrn Suhr ist auf dem Foto ein Schild zu sehen. Da steht drauf, wo die Toiletten stehen. Die braucht man nämlich, wenn die Wurst nicht aus Berlin isst.

Das ist der Willy mit y, also der Brandt mit dt. Der verließ mal eben schnell das Rathaus und eilte zum Wurststand rüber. Das ist auch schon lange her, denn da parlamentierte man noch in Schöneberg.

Auf den Bildern ist der Willy mit y und dt nicht mehr drauf, denn das ist später und alles sind Nachzügler. Die beißen gerne in die Wurst, wenn einer von der Presse dabei war und die vorher beim Zahnarzt waren. Manche bissen dann noch politisch ins Gras.

Das ist der Eberhard, der war so einer. Der war damals mit der Wurst, mit der Currywurst und dem Wähler ganz eng verbunden. Das war nämlich seine "Lieblingsspeise". Hat er selber gesagt.

Das ist der Walter, dito, das ist der Richard von, dito, das ist der Roman, dito, und das ist der Waltz. Aber der ist Friseur und drängelt sich immer ins Bild. Und dem Volk schaut er auch nicht aufs Maul – so wie der Scheel und der Weizsäcker und der Herzog.

Atmo: " Biss in Currywurst. "

Das ist die Currywurst.

Und das ist der Herr "gut so", also der Wowi. Den hat noch keiner am Wurststand fotografiert. Nur beinahe! Das war, als Schröders Gerhard noch Chef von alles war und mit dem alten Bush im feinen Restaurant "Tucher" an der Currywurst zehrte. Und weil der Bush den Wowi nicht auf dem Andenkenfoto haben wollte, wurde der Wowi aus dem Bild gedrängt.

Und das hier haben wir noch nicht gesehen. Also "unsere Angie" mit Darm oder ohne Darm. So heißen die nämlich hier – die armen Würste.

Dito.


An jedem Ende einer. Rivalitäten um die Currywurst
Von Ulrike Hempel

Die Currywurst, also die richtige, wird im Ölbad gebraten und ist 60 Jahre alt. Nicht am Imbissstand, denn da wird sie gleich verputzt, sondern so rein historisch. Die Rede ist von der Berliner Veredlungsvariante der Brühwurst, die der Hiesige Herta Heuwer verdankt. Die nun wieder verkaufte ihre Currywurst-Kreation 1949 erstmals an ihrem Imbissstand in Berlin-Charlottenburg. Also vor 60 Jahren, aber darauf haben wir ja schon hingewiesen. Und für den Berliner eine wohl überflüssige Information: Die im Ölbad gebratene Brühwurst wird veredelt mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver, Worcestersauce und weiteren Zutaten. Die geben wir hier nun nicht preis, wohl aber einige Imbiss-Impressionen dieser Tage.

Es ist kalt in Berlin. Auf der Straße dampft es aus den Mündern und auch aus der Currywurst. Bei Konnopke in der Schönhauser Allee wird wie immer ganz zügig bedient. Wer "Ein Menü" bestellt, der bekommt eine Currywurst, geschnitten, mit Pommes und hausgemachter Sauce auf einer Pappschale gereicht. Ein Taxifahrer gleich um die Ecke wartet auf Kundschaft jetzt und auf den Nachmittag.

"Nachmittags, dann liegt det nich so schwer im Magen. Da hat man schon ein paar Kalorien verbraucht und denn kann man da schon mal nachladen."

Die Schlange bei Konnopke will nicht so lange warten. Warteschlangen sind bei Konnopke keine nur DDR-Erscheinung, sondern Dauerzustand. Wie die Berliner und ihre Curry.

"Na, uff jeden Fall. Berlin ohne Currywurst, det jeht ja jarnich. Da müsste man sich schon für stark machen, det det hier bleibt und hier dazu jehört. Hamburger? Wat haben die da mit Currywurst zu tun? Det is Berlin."

Nun, Berlin hat die jute Currywurst und Hamburg das gute Buch zu besagter Wurst. Uwe Timm, der Hamburger Schriftsteller, ließ vor ein paar Jahren in seiner Novelle "Die Entdeckung der Currywurst" eine gewisse Lena Brücker die Currywurst kurz nach dem zweiten Kriegsende entdecken. Sie stolperte mit Curry und Ketschup auf der Treppe - und zack, schon stand die Brücker in ihrer Imbissbude am Großneumarkt. Das ist eine Hamburger Geschichte, in Berlin stolpert man nicht in Delikatessen rein. Und Uwe Timm, erinnert der sich an seine erste Currywurst:

"Das muss irgendwie '47 gewesen sein. Eine Wurst die ungewöhnlich war. Die Frau Brücker ist ja eine rein fiktionale Figur. Dass die sich so verselbständigt hat und plötzlich von der Literatur in die Wirklichkeit buchstäblich eingestiegen ist, dass man ihr sogar eine Plakette gesetzt hat in Hamburg, dafür ist der Autor nicht zuständig."

Berlin auch nicht, braucht keine Plakette, sondern hat ja Konnopke. Hier die Currywurst, dort eine vage "irgendwie"-Erinnerung. Hamburg streichelt sich mit einer fiktionalen Figur – damals also, zweite Nachkriegszeit.

"1945 nach der Kapitulation. Als dieses deutsch-nationale plötzlich erweitert wurde durch diese westlichen Geschmäcker. Und da spielt eben der Curry eine Rolle und die Wurst. Der Curry ist sehr weit- exotisch, die Wurst ist sehr nah und das ist eine merkwürdige Synthese. Beides ist vorhanden, beides ist da, deshalb ist es auch entdeckt und nicht erfunden worden."

Wie Amerika durch Kolumbus! Und freundlich wie der Hauptstädter ja zu sein pflegt, diktiert er ins Mikrofon:

"Wenn se hierher jehört, dann jehört sie hierher. Wenn nich, dann nich."

Recht hat er. Und die Berlinerin hier auch, die einen Hamburg-Sympathisanten elejant abfängt:

"Würde ick sagen: Na ja, vielleicht hast du Recht, oder ick hab Recht."

Das "oder" ist hier entscheidend wie die Zutaten zu einer richtigen Currywurst, die ein Verächter derselben natürlich nicht kennt.

"Würd ick sagen: Brauchste nich essen, und eß ne Bockwurscht. Hab ick von dir verlangt, dass du det essen sollst? Dann eß doch wat andert. Da diskutier ick doch nich."

Macht er nicht, der Berliner, wäre ja auch gar nicht seine Art. Zu der aber gehört Konnopke morgens, Konnopke mittags, Konnopke nachmittags. Wer sich andernorts anstellt, nun ja ...

"Zum Beispiel hier is och n billiga Laden, da schmeckt die Currywurscht och. Aba bloß da kann man Pech haben und die sind verbrannt. Und wat der abends nich verkooft, wird morgens noch janz frech uff die Roste gelegt."

Und hat der Taxifahrer mal bei der West-Konkurrenz, also bei Curry 195 am Kudamm oder in Steglitz bei Krasselts Imbiss so mal ...?

"Nee, die haben nich die richtigen Rezepte für Ketschup, Majo und … dit is bloß hier im Ostteil."

Also muss man erst rüber in den Westen, um einen "Curry 36"-Fan wie diesen mit der Wurst in Kreuzberg anzutreffen.

"Tschja, ick kenn keine bessre als die hier. Die machen ne´ klasse Sauce dazu, an der Wurst kann man ja nicht so sehr viel falsch machen."

Nicht "viel falsch machen"?! Wir wenden uns ganz vertrauensvoll dem Herren Timm, dem Schriftsteller aus Hamburg und irgendwie auch Vater des Currywurststreites zwischen Berlin und Hamburg zu. Wie hält er es mit der Wurst?

"Ich esse in jeder Stadt, wo es Currywürste gibt, auch Currywürste. So kann ich sagen, und auch in Berlin. Es gibt ja sehr unterschiedliche Currywürste - welche, die fürchterlich schmecken und welche, die wirklich gut sind. Und ich denke mal die beste für mich, weiß nicht, ob das noch so ist, gibt es in Hannover."

In Hannover? Nee, ne?!

"Ja, das ist das Besondere: So gegrillt, so richtig über Holzkohle, Tomatenketschup richtig warm, richtig heiß, sehr gutes auch, und dann überstreut mit Curry, dass der so seinen Geschmack in der Wärme ... noch entfalten kann und nicht im letzten Moment dann in der Kälte noch rübergeklatscht wird."

Danke, Herr Timm, vielen Dank auch und einen schönen Tag noch. Hannover und über Holzkohle gegrillt. Wir fassen es nicht. Nun hat also der allgemeine Niedergang auch die Currywurst erreicht.


Die älteste Wurstbude. Regensburg
Von Nicole Bräunl

Die Gäste müssen vor dem Eingang in der Schlange stehen. Eigenartig, dass der Wessi da immer noch glaubt, dies habe es nur in der DDR gegeben. Für die Bratwürste kommen sie aus der ganzen Welt. Das war in der DDR nicht der Fall. Die DDR gehörte auch nicht zum Weltkulturerbe. Wohl aber Regensburg, denn dort handelt die folgende Geschichte, am Ufer der Donau, zwischen Steinerner Brücke und Regensburger Dom, wo sich also Tradition mit internationalem Flair inmitten von Wurstgeruch mischt. Letzter nun dringt aus einem Gehäuse, welches mal so eine Art Betriebskantine für die Erbauer des Doms gewesen sein soll.

" Köchin: "Bittschön?!"
Kundin: "Ich hätt gern 3 und ein Kipferl extra bitte."
Köchin: "Möchten Sie einen Senf dazu? Kraut?" "

Während die eine Köchin immerzu eine Bratwurst nach der anderen wendet, packt eine andere die knusprig braunen Würste in die Kipferl (das sind längliche Brötchen mit Kümmel), eine Gabel Sauerkraut drauf und ein Spritzer vom selbstgemachten süßen Senf.

" Köchin: "Bitteschön. Guten Appetit."
Kundin: "Danke." "

Der Rauchabzug rattert, und dennoch machen der Qualm des Holzkohlegrills und der Duft der berühmten Rengschburger Rostbratwürschtl die Luft dick. Den Köchinnen steht der Schweiß auf der Stirn, es ist eng in der historischen Wurschtkuchl.

Mann: "Da war ich schon, wo ich noch ganz jung war verheiratet mit meiner Frau. Habe wir da drin gesessen. Und von daher ist es Tradition."

Frau: "Ich bin hier, weil ich meinem Sohn Bratwurschtl versprochen habe. Und wenn man Bratwürschtl kauft, dann kauft man es in der Wurschtkuchl. Drei Stück und Kipferl dazu und dann ist super. Als eschter Regensburger muss man schon wissen, wo man hingeht."

Für die Einheimischen gehört die historische Wurschtkuchl zu Regensburg wie der Eiffelturm zu Paris. Sogar der zweijährige Laurenz ist bereits süchtig nach den berühmten:

Laurenz: "Baatwürschtl"

Also: Bratwürschtl, wie der Regensburger die Bratwürste aus der historischen Wurstkuchl nennt. Und die werden nach einem alten, natürlich geheimen, Familienrezept gereicht. Auch das Rezept für den Senf stammt von der Urgroßmutter des Betreibers.

Noch älter ist nur die Wurstbude. Seit 1806 werden hier in der historischen Wurschtkuchl Regensburg schon die Würste gebraten. So heißt es.

Meier: "Seit dem wird es gastronomisch genutzt. Früher hat man gesagt: Garküche. Damals ist wohl Fleisch gesotten und gegart worden für die Handwerker. die dort Brotzeit gemacht haben. Handwerker aus dem Dom – nimmt man an. Oder auch Steinmetze, die an der Steinernen Brücke repariert haben. Solche Leute . Und dann ist es zunehmend auch touristisch genutzt worden auf Grund der netten Lage."

Darauf ist Chef Andreas Meier stolz. Verständlich. Sauer ist er auf die Nürnberger. Auch verständlich. Die hatten vor 10 Jahren den Bratwurststreit angezettelt. Ein Nürnberger Wirt hatte doch glatt behauptet: Die älteste Wurstküche sei in Nürnberg. Der Streit endete letztendlich mit einem salomonischen Urteil - die Regensburger haben die älteste Wurst-Konzession, die Nürnberger die älteste Bratwurstküche. Der Chef der Wurschtkuchl in Regensburg winkt da nur ab.

Meier: "Der Streit von denen war nur eine aufgesetzte Aktion von dem Herren aus Nürnberg. Der hat anscheinend in den 80er Jahren ein Gebäude in Nürnberg gekauft, was relativ alt ist, und hat dort eine Gastronomie eingebaut, die er dann Wurschtküche genannt hat. Und jetzt sagt er: Weil das Haus so alt ist, wäre es die älteste Wurschtküche. Also ich finde es schon sehr an den Haaren herbeigezogen. Wir beziehen uns bei der Aussage über die älteste Wurschtküche auf die durchgängige Tradition und auch auf den Betrieb in einem sehr alten Gebäude, was jetzt – glaube ich – auch nur 3 oder 4 Jahre jünger ist wie das, welches in Nürnberg steht. Ich sage: Es gibt nur eine historisch Wurschtküche, eine wirklich historischen Wurschtküche mit der Tradition, mit dem passenden Gebäude dazu und mit dem passenden Produkt dazu, das wir auch selber machen. Und das steht hier in Regensburg."

Und die Gäste entscheiden, wo es die beste Bratwurst gibt: in Nürnberg oder in Regensburg?

Mann: "Den großen Unterschied zwischen Regensburg und Nürnberg sehe ich nicht. Von der Größe her sind sie ungefähr beide gleich groß. Der Kampf interessiert mich nicht, Hauptsache es schmeckt und ist vom Preis her vertretbar. Und die beste Wurst ist Thüringer."

Mann: "Sehr lecker."

Frau: "Hmmm."

Mann: " Sehr lecker. Schmeckt mir fast besser." "

Länderreport

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