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Studio 9 | Beitrag vom 26.01.2016

Tarantino und MorriconeStarregisseur meets Starkomponist

Von Gabi Biesinger

Gegenseitige Respektbezeugung: Filmkomponist Ennio Morricone und Regisseur Quentin Tarantino schütteln sich die Hände beim "David di Donatello-"Filmpreis in Rom. (picture alliance / dpa / Giorgio Onorati)
Gegenseitige Respektbezeugung: Filmkomponist Ennio Morricone und Regisseur Quentin Tarantino. (picture alliance / dpa / Giorgio Onorati)

Am heutigen Dienstag hat in Berlin der neue Tarantino-Film "The Hateful Eight" Deutschlandpremiere. Für den Soundtrack konnte der US-Kultregisseur den Komponisten Ennio Morricone gewinnen. Er wurde für seine Musik zu Sergio-Leone-Filmen berühmt, für Tarantino schrieb er allerdings keinen Western-Sound. Ein Oscar-Anwärter?

Starregisseur und Starkomponist posieren für die Fotografen vor einem Mischpult in den Abbey Road Studios. Freundliches Lächeln. Schulterklopfen. Man spürt den gegenseitigen Respekt zwischen den beiden.

Tarantino und Morricone haben schon bei früheren Filmen zusammengearbeitet. Um für "The Hateful Eight" zu komponieren, hatte der italienische Maestro eigentliche keine Zeit. Dann fing der 87-Jährige aber doch an, weil ihm – und vor allem seiner Frau – das Drehbuch so gut gefiel, schildert Quentin Tarantino:

"Er sagte, er habe beim Lesen sofort ein musikalisches Leitthema im Kopf gehabt. Eins, das die Spannung aufbaut und durch drohende Untertöne die Gewalt ankündigt, die sich am Ende entlädt. Und ich dachte: Wow – für mich hört sich das ziemlich gut an!"

Morricone schrieb erst 10 Minuten Musik, dann 20, 30 – am Ende war der Soundrack für den kompletten Film fertig.

"The Hateful Eight" spielt kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg während eines Schneesturms in der Einöde. Morricone jagt für Tarantino musikalisch eine Kutsche durch die verschneite Prärie. Und untermalt, was sich anbahnt, wenn acht zwielichtige Gestalten wegen des schlechten Wetters gemeinsam in Minnies Laden Unterschlupf suchen müssen.

Morricones Soundtrack klingt nach Horrorfilm

Auch in "The Hateful Eight" zelebriert der US-Regisseur wieder seine ganz spezielle Mischung aus absurdem Humor und aberwitziger Gewalt. Cowboy, Henker, Kopfgeldjäger eingesperrt unter einem Dach. Klingt nach klassischem Western. Morricone gilt als der große Western-Komponist. Passt doch.

Darum war Tarantino überrascht, dass sich die Musik schließlich eher nach Horrorfilm anhörte, was ihm sehr gefiel. Und auch der Maestro hatte keinen Western im Kopf, als er komponierte: 

"Für mich war das auch kein Western, sondern ein Abenteuerfilm, darum habe ich keine Westernmusik geschrieben. Ich wollte für Tarantino Musik schreiben, die nicht so klingt, wie die, die ich für Sergio Leone komponiert hatte, sondern anders."

Aber Musik nur für die Leinwand, das ist dem 87-Jährigen zu wenig. Darum tritt er jetzt mit dem Tschechischen Nationalorchester, der Tarantino-Musik und seinen größten Klassikern in ganz Europa auf:

"Es gefällt mir, meine Musik live aufzuführen. Und zu spüren wie die Menschen im Konzertsaal reagieren. Der Kontakt mit dem Publikum ist fundmental."

Der erste Oscar für Morricone?

Das einzige Deutschlandkonzert dirigiert der Maestro am 18. Februar in Köln. Und zehn Tage später könnte Morricone vielleicht mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet werden.

Einen Golden Globe hat Tarantino für Morricones "Hateful Eight"-Komposition schon in Empfang genommen und beteuerte noch mal seine Bewunderung:

"Wenn ich sage, Morricone ist mein Lieblingskomponist, dann meine ich nicht: FILMkomponist. Ich spreche hier von Mozart, Beethoven, Schubert. Das ist die Liga."

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