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Kulturnachrichten

Freitag, 5. Dezember 2014

Tagung zu Geschichtsmythen in Schulbüchern startet

Einige vermeintliche Fakten in Geschichtsbüchern sind falsch

Historiker und Schulbuchexperten treffen sich ab heute im Georg-Eckert-Institut in Braunschweig. Sie diskutieren über historisch nicht belegbare Mythen in heutigen und früheren Geschichtsbüchern. Diese falschen Vorstellungen schleichen sich in Köpfe und Schulbücher, die zwar der Volksseele gut tun, aber historisch nicht korrekt oder zumindest umstritten sind. Vorstellungen wie "Die Schweiz hat in keiner Weise mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet" oder " Hermann der Cherusker war der Ur-Deutsche" sind Beispiele für mittlerweile umstrittene Anschauungen, die heute nicht mehr gelten und einer differenzierteren Betrachtung bedürfen.

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht an rumänischen Autor

Jury ehrt Mircea Cartarescu für dessen Romantrilogie "Orbitor"

Der rumänische Autor Mircea Cartarescu bekommt den Leipziger Buchpreis 2015. Er werde für seine Romantrilogie "Orbitor" geehrt, teilte die Jury am Freitag mit. Bereits im Titel «Orbitor» klinge der weltumspannende Anspruch des Werks an. Das Familien- und Gesellschaftsporträt sei eines der exzessivsten Werke der Weltliteratur, hieß es zur Begründung. Der Autor selbst spreche von einer zunehmenden Politisierung je länger er an der Trilogie gearbeitet habe. Den letzten Teil "Die Flügel" habe er als Satire über die rumänische Revolution bezeichnet. Cartarescu soll den Preis am 11. März 2015 zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse bekommen. Der Schriftsteller, Jahrgang 1956, ist den Angaben zufolge studierter Philologe. Er arbeitete als Lehrer und Lektor, bevor er schriftstellerisch tätig wurde.

München streitet über "Stolpersteine"

Ins Pflaster eingelassene Mosaiksteine erinnern in vielen deutschen Städten an die Opfer des Nationalsozialismus

München ringt um den richtigen Umgang mit "Stolpersteinen". In einer Anhörung ließ der Stadtrat heute Befürworter und Gegner des Erinnerungsprojektes zu Wort kommen. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Städten hatte sich München vor zehn Jahren gegen die Verlegung von "Stolpersteinen" als Form der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus entschieden, jetzt steht diese Entscheidung auf dem Prüfstand. "Erinnerung ist eine Herausforderung, die wir annehmen müssen" sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Den Wunsch, sich der Erinnerung zu stellen, habe jeder in der Stadt. Die Frage sei nur, wie. Klar gegen das Projekt sprach sich dagegen die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, aus. "Stolpersteine" sind kleine, in den Boden eingelassene Gedenktafeln, die an den letzten Wohnort von Opfern des Nationalsozialismus erinnern sollen. Der Künstler Gunther Demnig hat das Projekt ins Leben gerufen.

Presserat rügt drei deutsche Tageszeitungen

Komission sieht Verstoß gegen den Pressekodex

Der Deutsche Presserat hat wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex zwei öffentliche Rügen und eine nicht-öffentliche Rüge ausgesprochen. So hatte die "Chemnitzer Morgenpost" über eine Beziehungstat berichtet, bei der ein Mann seine Ehefrau getötet hatte und stellte zwei Fotos mit dem Titel "Hier erschießt ein Mann gleich seine Frau" bei. Die Fotos waren von einer Augenzeugin kurz vor der Tat mit einem Handy aufgenommen worden. Dadurch sei die Menschenwürde der getöteten Frau verletzt worden. Auch gegen den "Nordkurier" sprach der Presserat eine öffentliche Rüge aus, der in einer Lokalausgabe unter der Überschrift "Mann stirbt vor den Augen seiner Ehefrau" ausführlich über einen tödlichen Badeunfall am Strand der Insel Usedom berichtet hatte. Die Zeitung druckte unter anderem ein Foto mit dem späteren Opfer im Wasser und seine Ehefrau am Strand. Beide wurden nach Angaben des Presserats in dem Bild rot eingekreist und die Blickachse zwischen ihnen mit einer roten Linie verdeutlicht. In dieser Darstellung sah der Presserat einen Verstoß gegen den Pressekodex und verletze ebefalls die Menschenwürde des Opfers und seiner Angehörigen. Auch die Zeitung "Ostfriesische Nachrichten" erhielt eine nicht öffentliche Rüge wegen eines Verstoßes gegen den Pressekodex, die in einem Gerichtsbericht über einen mehrfachen sexuellen Missbrauch zu detailliert über die vorgeworfenen Taten berichtet und dadurch das Opfer in seinem sozialen Umfeld stigmatisiert habe.

Pussy-Riot-Aktivistinnen bekommen Preis

Die zwei Aktivistinnen der Protestgruppe werden für ihren Widerstand gegen die autoritäre Politik in Russland geehrt

Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina teilen sich den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken mit dem ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch. Dieser sei eine wichtige literarische Stimme der demokratischen Bewegung der Ukraine, hieß es in der Begründung. Die beiden Pussy-Riot-Aktivistinnen werden zur Verleihung heute abend im Bremer Rathaus nicht kommen. Die Stadt Bremen und die Heinrich Böll Stiftung vergeben die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung seit 1995.

Die Kandidaten für die US Grammy Awards stehen fest

Taylor Swift, Sia und Pharrell Williams haben Chancen auf den wichtigsten Musikpreis der Welt

Heute gab die Recording Academy bekannt, wer die die Nominierten für die Grammy Awards 2015 sind. Dazu zählen Sam Smith und Taylor Swift. Auch Beyoncé ist wieder dabei. Und Iggy Azalea, die Neue aus Australien, darf ebenfalls hoffen.Taylor Swift ("Shake It Off") und Newcomer Sam Smith ("Stay With Me") können sich gleich mehrfach Hoffnungen auf den begehrten Musikpreis Grammy machen. Sie zählen zu den Nominierten in der Kategorie "Aufnahme des Jahres". Weitere Kandidaten sind Iggy Azalea («Fancy»), Sia («Chandelier») und Meghan Trainor («All About That Bass»). Die Grammys werden am 8. Februar 2015 in Los Angeles verliehen.

Neues Westpreußen-Museum eröffnet in Warendorf

Ausstellung will zeigen, dass die deutsch-polnische Kulturregion ein gemeinsames europäisches Erbe ist

In Warendorf eröffnet am Wochenende das neue Westpreußische Landesmuseum. In einem ehemaligen Franziskanerkloster zeigt das Haus eine umfassende Sammlung zu Kultur und Geschichte der Region am Unterlauf der Weichsel, dem Friedrich II. im Jahre 1773 den Namen Westpreußen gab und das heute zum polnischen Staatsgebiet gehört. Das Spektrum reicht von Bildern und Modellen berühmter Danziger Gebäude wie der Marienkirche über Kunstgegenstände wie Silbergefäße oder Gemälde bis hin zu Alltagsgegenständen wie Möbel. Zeitlich umfasst die Ausstellung alle Epochen von der Vor- und Frühgeschichte über die große Zeit der Hansestädte bis zu Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung. "Anders als früher ist das Museum nicht mehr in erster Linie ein Erinnerungsort für die von Flucht oder Vertreibung Betroffenen. Vielmehr geht es um die Darstellung einer deutsch-polnischen Kulturregion als gemeinsames europäisches Erbe für eine breite Öffentlichkeit", betont der stellvertretende Museumsleiter Martin Steinkühler. Dazu gehört auch die Aufarbeitung der Zeit zwischen 1939 und 1945 und die damit verbundenen Gräueltaten wie die Massaker von Piasnica, bei denen die Nationalsozialisten mehrere Tausend Menschen ermordeten. Das Westpreußische Landesmuseum wurde 1975 gegründet und residierte bis 2012 in Münster-Wolbeck.

China errichtet Konfuzius-Zentrum für 209 Millionen Euro

Unter Mao wurden die Lehren des Philosophen abgelehnt und waren in China bis in die 1990er Jahre unpopulär

China errichtet ein Mega-Zentrum für den Philosophen Konfuzius (551-479 v. Chr.). Der Komplex in der ostchinesischen Heimatstadt des Konfuzius, Qufu, soll ein Museum mit 100.000 Exponaten und weitere Räume mit insgesamt 90.000 Quadratmetern umfassen und umgerechnet 209 Millionen Euro kosten, wie chinesische Medien meldeten. Die heutige Ausgabe der Zeitung "China Daily" zitierte den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt mit der Aussage, die prägende Rolle des Konfuzianismus habe dafür gesorgt, dass in China unterschiedliche Religionen "in Frieden und Harmonie" hätten existieren können. Chinas Staatspräsident Xi Jinping bezieht sich in Reden häufig auf die Lehren des Konfuzius, die nach unterschiedlichen Auffassungen teils als Religion angesehen werden. Vergangenes Jahr besuchte Xi Qufu, um "die traditionelle Kultur weiterzutragen und konfuzianisches Denken zu verbreiten". Laut Medienberichten zieht der Konfuzius-Tempel in Qufu täglich rund 3.000 Besucher an. Mao Zedong, Begründer des kommunistischen China, hatte die Lehren des Konfuzius als "feudale" Philosophie abgelehnt. Bis in die 90er Jahre war der Konfuzianismus in der Volksrepublik verpönt.

Viel Beifall für Theaterstück "Mein deutsches, deutsches Land" zum Thema NSU in Dresden

Erklärungsversuche für etwas Unfassbares: Der Terror des Neonazi-Trios NSU hat erneut als Vorlage für das Theater gedient.

Für die Uraufführung des Stückes "Mein deutsches deutsches Land" von Thomas Freyer spendete das Publikum im Kleinen Haus des Dresdner Staatsschauspiels gestern Abend viel Beifall.
Der Autor erzählt auf drei Zeitebenen eine fiktive Geschichte, die dennoch sehr nah an der Realität bleibt. Florian, Dominik und Sarah spalten sich von der organisierten rechtsextremen Szene ab und leben als Zelle im Untergrund. Ihr Hass auf Fremde kulminiert in einer beispiellosen Mordserie, der mehr als ein Dutzend ausländische Studenten zum Opfer fallen. Polizei, Verfassungsschutz und Politik versagen komplett, nur einzelne Polizisten sind an der Wahrheit interessiert. Regisseur Tilmann Köhler lässt seine sechs Akteure rund 30 Rollen spielen. Im Mittelpunkt steht das Handeln der Ermittlungsbehörden, die aus einer Mischung von Unfähigkeit, Ignoranz und politischem Kalkül die Verbrechen vertuschen wollen. Die Selbstradikalisierung der Täter spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. In den vergangenen Monaten war der NSU, dem insgesamt zehn Morde zur Last gelegt werden, immer wieder von Theatern aufgegriffen worden. Meist wurde dafür ein dokumentarischer Ansatz gewählt.

Kinofilm "The Cut" zum Völkermord an den Armeniern wird in türkischen Kinos gezeigt

Der Film des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih-Akin rüttelt an einem Tabu

Seit Oktober läuft der Film in deutschen Kinos, ab heute wird Fatih Akins Kinofilm "The Cut" in fünf Städten der Türkei gezeigt. Der Film wagt sich an ein in der Türkei strittiges Thema, denn die Türkei bestreitet, dass es damals, 1915, überhaupt einen Völkermord gab. Türkische Nationalisten hatten ursprünglich gedroht, die Vorführung des Films zu verhindern. "The Cut" erzählt von einem Armenier, der ein Massaker nur mit viel Glück überlebt. Als er erfährt, dass seine beiden Töchter ebenfalls noch leben sollen, macht er sich auf die Suche nach ihnen. Die systematische Vertreibung der Armenier begann im Jahr 1915. Im Jahr 1987 stufte das Europaparlament in Straßburg die Tragödie als "Völkermord" ein und forderte Ankara mehrmals auf, diesen anzuerkennen. Die Türkei bestreitet jedoch vehement, dass es einen Genozid gegeben habe.

Griechische Statue reist von Großbritannien nach Russland

Griechenland beansprucht diese Statue der Elgin Marbles

Doch sie verlässt erstmals Großbritannien, um nach Russland ausgeliehen zu werden. Die Skulptur des Flussgottes Ilissos werde von Samstag an bis Mitte Januar im Eremitage-Museum in St. Petersburg zu sehen sein. Das teilte das British Museum in London heute mit. Anlass ist das 250. Jubiläum der Eremitage. Der Vorsitzende der Kuratoren des British Museum, Richard Lambert, sagte, "die Kuratoren sind entzückt, dass dieses wunderschöne Objekt von vielen Menschen in Russland genossen werden kann". Griechenland fordert seit drei Jahrzehnten die Rückgabe der Marmorstatuen, die einst die Akropolis in Athen schmückten. Der britische Diplomat Lord Elgin hatte die Skulpturen im Jahr 1803 mit Billigung des Osmanischen Reichs, zu dem Griechenland damals gehörte, von der Tempelanlage fortbringen lassen. Athen betrachtet dies als Diebstahl, inzwischen vermittelt die UN-Kulturorganisation Unesco in dem Streit.

Musiker Nick Talbot ist tot

Der britische Musiker von der Band Gravenhurst starb mit nur 37 Jahren

Das berichtete das Plattenlabel "Warp Records" gestern auf seiner Homepage. "Wir sind geschockt und traurig mitteilen zu müssen, dass Nick Talbot alias Gravenhurst im Alter von 37 Jahren von uns gegangen ist", hieß es. Er sei ein überaus talentierter Singer-Songwriter, Plattenproduzent und Journalist gewesen, der zahlreiche Instrumente beherrscht habe. Auch bei mehreren Musikmagazinen sowie auf der Gravenhurst-Homepage wurde über Talbots Tod berichtet. Über die Ursache war zunächst nichts bekannt. Gravenhurst brachten 2002 ihr Debütalbum "Internal Travels" heraus. Zuletzt erschien "The Ghost In Daylight" im Jahr 2012.

Das Brentanohaus ist als Kulturgut gerettet

Einst lustwandelte Johann Wolfgang von Goethe hier im weißen Flanell-Schlafrock. Aber auch die Gebrüder Grimm und andere Literatur-Größen waren im Brentanohaus gerne zu Gast.

Die Zukunft des historischen Brentanohauses in Oestrich-Winkel am Rhein ist gesichert. Der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) unterzeichnete heute den Kaufvertrag, mit dem der Bau in den Besitz des Landes übergeht. Nach einer anstehenden Sanierung soll das Brentanohaus, in dem einst Johann Wolfgang von Goethe und auch die Gebrüder Grimm wohnten, wieder stärker der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es gilt als bedeutendste Stätte der sogenannten Rheinromantik. Der Brentanofamilie entstammten unter anderen die Schriftsteller Clemens Brentano (1778-1842) und Bettina von Arnim (1785-1859). Der Kaufpreis, für den das Land Hessen das von Weinreben und einem historischen Garten umgebene Haus erwirbt, beträgt 1,2 Millionen Euro. Die Familie Brentano, in deren Besitz es sich über 200 Jahre lang befand, konnte die auf rund zwei Millionen Euro geschätzten Kosten für die Sanierung und Instandhaltung nicht aufbringen und hatte sich daher zum Verkauf entschlossen. Mit der Vertragsunterzeichnung heute in Oestrich-Winkel ist der Erhalt des Brentanohauses als Kulturgut jetzt aber endgültig besiegelt.

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