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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 07.02.2013

Symbol der russischen Einheit

Die Wahl Michail Romanows zum Zaren begründete vor 400 Jahren die Dynastie der Romanows

Von Marion Kappler

Die Romanows garantierten lange die Stabilität des russischen Reiches. (dpa)
Die Romanows garantierten lange die Stabilität des russischen Reiches. (dpa)

Russland hatte harte Zeiten hinter sich, als Michail Romanow den Zarenthron bestieg. Nach dem Niedergang der ersten Herrscherdynastie war das Land zerrissen. Der junge Romanow galt als Hoffnungsträger, der das Land stabilisieren sollte.

St. Petersburg, Februar 1913. Aus aller Welt reist der Hochadel an, um mit Nikolaj II. das 300. Jubiläum der Romanow-Dynastie zu begehen. Der Zar regiert seit fast 20 Jahren autokratisch über Russland und sieht seine Herrschaft als "von Gott gegeben" an. Das ganze Land ist zum Fest illuminiert und die ausländische Presse schwärmt:

"Dankbar und mit heißer Liebe zum Vaterlande und zu den Herrschern feiert das russische Volk sein Kaiserhaus."

Großfürst Gawriil Konstantinowitsch Romanow hingegen notiert in seinen Memoiren:

"Ich gewann den Eindruck, dass das Jubiläum des Hauses Romanow ohne besondere Begeisterung stattfand. Natürlich brüllte das geladene Publikum 'Hurra!' und das Orchester spielte die Zarenhymne, aber man hatte nicht das Gefühl, dass Russland einmütig das Jubiläum seiner Dynastie feierte."

Die Geschichte der Romanows hatte hoffnungsvoll begonnen. Am 7. Februar 1613 wählte die Reichsversammlung nach langem Streit den Bojaren Michail Fedorowitsch Romanow zum neuen Zaren und bestätigte das Ergebnis am 21. Februar. Russland hatte harte Zeiten hinter sich: Die erste Herrscher-Dynastie, die Rurikiden, war 1598 ausgestorben. In der folgenden "Zeit der Wirren" gaben sich gleich zwei Betrüger für den ermordeten Zarensohn Dimitrij aus. Große Teile des Reiches waren von polnischen Truppen besetzt, auch die Schweden machten sich Hoffnungen auf den Moskauer Thron. Für Michail Romanow sprach unter anderem, dass Zar Ivan der Schreckliche in erster Ehe mit einer Tochter aus dem Hause Romanow verheiratet war und man so die Rurikiden-Dynastie fortzusetzen glaubte. Der Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski nennt einen weiteren Grund:

"Er kam aus einer angesehenen Familie, die mit keiner an den Konflikten beteiligten Parteien verbunden war. Er war sozusagen das Symbol russischer Einheit. Das konnte er spielen."

Der Bojar Fedor Scheremetjev, ein Befürworter des Romanow-Sprösslings, schildert seine Sicht der Dinge in einem Brief:

"Michail Romanow ist jung, noch nicht zu Verstand gekommen und wird uns angenehm sein."

In seiner 32 Jahre dauernden Regierungszeit erweist sich Michail als fähiger Herrscher, der Russland endlich Stabilität schenkt:

"Er machte etwas sehr Kluges, was die Vorgänger nie machten, er beglich keine offenen Rechnungen, er ließ zum Beispiel nicht die Familien verurteilen, die mit den Polen paktiert hatten, also er ließ keine Personen hinrichten, was üblich war, und er ergriff nicht Partei."

Unter den Romanows wird aus dem Moskowiter Reich das Russische Imperium, aus der europäischen Großmacht schließlich die Weltmacht. Eine schillernde und zugleich ambivalente Persönlichkeit der Dynastie ist Zar Peter I., der Große; Russland verdankt ihm die Öffnung des Landes nach Westen. Sein Gesetz, nach dem ein Zar nur eine Tochter aus einem herrschenden Haus heiraten darf, führt dazu, dass sich fast alle Nachfolger mit deutschen Prinzessinnen vermählen und die Beziehung zwischen den Romanows und Deutschland die engste wird, die je in Europa zwischen zwei Ländern existierte. Derselbe Zar allerdings lässt 1718 seinen Sohn zu Tode foltern.

Im 18. und 19. Jahrhundert sterben vier Romanow-Herrscher einen gewaltsamen Tod, zuletzt verblutet Alexander II., nach einem Bombenattentat. Sein Enkel ist Nikolaj II., eben jener, der 1913 das Familienjubiläum zelebriert. Es ist das letzte große Fest der Romanows. Vier Jahre später muss der Zar abdanken und stirbt 1918 zusammen mit seiner Familie, seinem Leibarzt und drei Bediensteten im Kugelhagel eines bolschewistischen Todeskommandos.

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