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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 05.03.2016

Susanne Gaschke und Sascha SchmidtDie Vereinbarkeitslüge - Familien zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Moderation: Klaus Pokatzky

Ein Vater arbeitet mit seinem Sohn auf dem Arm an einem Computer (imago/Westend61)
"Die Männer haben Angst vor dem Karriereeinbruch", sagt Coach Sascha Schmidt. (imago/Westend61)

Wie können wir Job und Familie unter einen Hut bringen und uns dabei als Paar nicht verlieren? Dies beschäftigt viele Eltern. Coach Sascha Schmidt will Männern Mut machen, sich mehr Zeit für ihre Vaterrolle zu nehmen. Journalistin Susanne Gaschke fordert ein Umdenken der Arbeitgeber.

Allen Bemühungen der Gleichberechtigung zum Trotz verfallen Eltern im Alltag meist doch in die alten Rollenaufteilungen – und  zerreiben sich an den Herausforderungen des Alltags. Dabei steht dies im klaren Widerspruch zu dem, was sich heutige Eltern wünschen. Laut einer aktuellen Forsa-Studie wollen 60 Prozent der Elternpaare, dass beide berufstätig sind und sich die Kinderbetreuung teilen. Die Realität sieht oft anders aus; und das sorgt für Frust – bei Frauen wie Männern.

Schmidt will Männern Mut machen

"Wenn man ein Kind hat, kann man den Status quo noch aufrechterhalten; aber spätestens beim zweiten Kind geht das nicht mehr. Da ist man nicht mehr Frau und Mann, man ist meist nur noch Mutter und Vater - und es kommt oft auch zu einer Entfremdung als Paar", sagt Sascha Schmidt. Der Coach und Autor aus München kennt die "Familienfalle", in die viele Paare geraten. Er will besonders den Männern Mut machen, sich mehr Zeit für die Kinder zu nehmen und ihre Vaterrolle bewusst zu leben. In seinem Buch "Neue Väter – neue Karrieren" gibt er dazu Tipps, auch aus seiner eigenen Erfahrung als Vater zweier Töchter.

Seine Beobachtung: "Die Männer haben Angst vor dem Karriereeinbruch. Und leider ist sie auch begründet. Die größte Hürde sind Vorurteile von Vorgesetzten und Kollegen. Unabhängig von der Branche wird derjenige, der immer da ist, als derjenige wahrgenommen, der mehr leistet. Ein weiterer Grund sind mangelnde Vorbilder in der Unternehmensführung. Wenn ein Mann Karriere machen möchte, dann ist eine Auszeit bislang gar nicht vorgesehen. Er würde schnell belächelt oder eben ersetzt werden. Ausnahmen gibt es nur in den Unternehmen, bei denen der Unternehmensgründer ein anderes Modell selbst vorlebt."

Gaschke: "Man muss auch weg von dieser 'Facetime'"

"Ich finde, das Elterngeld richtig gut", sagt die Journalistin Susanne Gaschke. "Das haben Väter früher nicht gemacht, acht Wochen zu Hause zu bleiben." Die Autorin hat sich immer wieder mit dem Thema Familie und Kindererziehung beschäftigt und mehrere Bücher dazu verfasst. 

Sie sieht den finanziellen Zuschuss seitens des Staates und die sogenannten "Vätermonate" als eine Art Einstiegsdroge, sich den Familienalltag zu teilen. "Beide sollen arbeiten können, aber eben nicht 60 Stunden. Man muss auch weg von dieser 'Facetime', wo man im Büro präsent sein muss. Wir müssen Vertrauensarbeitszeiten haben, zweimal 32-Stunden – und das muss auch auskömmlich sein."

Ihre Erfahrung: An zu viele Eltern nage das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. "Besonders Mütter empfinden diesen Druck als belastend; sie machen aber in erster Linie sich selbst dafür verantwortlich, nicht den Arbeitgeber oder die Betreuungssituation."

Die Vereinbarkeitslüge - Familien zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Darüber diskutiert Klaus Pokatzky heute von 9.05 Uhr bis 11.00 Uhr mit Susanne Gaschke und Sascha Schmidt. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254  2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de sowie auf Facebook und Twitter.

Informationen im Internet:

Über Susanne Gaschke 

Über Sascha Schmidt 

Literaturhinweis:
Susanne Gaschke: "Die verkaufte Kindheit", Pantheon Verlag, 2012
Sascha Schmidt: "Neue Väter – neue Karrieren", Gabal Verlag, 2014

 

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