Samstag, 22. November 2014MEZ18:59 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsViele Meinungen zum "Zeugenhaus"
Die Schauspieler Gisela Schneeberger, Edgar Selge, Iris Berben, Udo Samel und Jeff Burrell präsentieren den ZDF-Film "Das Zeugenhaus", der am 24. November ausgestrahlt wird.

Eine "scharfsichtige filmische Diagnose" zur Nachkriegszeit hat die NZZ gesehen. Ganz anders, nämlich als "quälend" erlebte die FAZ den prominent besetzten ZDF-Film "Das Zeugenhaus" nach einer wahren Geschichte, in dem KZ-Überlebende mit Nazis frühstücken. Mehr

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Fazit

"Rimini Protokoll"Hitzewelle auf der Hinterbühne
Die Umweltexperten Florian Rauser, Satya Bhowmik, Schirin Fahti, Kenneth Gbandi, Sabine Hain, Bernd Hezel und Ana Soliz Landivar Stange (l-r) agieren am 18.11.2014 in Hamburg auf der Fotoprobe von "Welt-Klimakonferenz". Das Projekt von Rimini Protokoll, bei dem die Zuschauer die Rollen der Teilnehmer einer internationalen Klimakonferenz übernehmen, feiert seine Uraufführung am 21.11.2014 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Foto: Markus Scholz

"Rimini Protokoll" gab mit der "Welt-Klimakonferenz" in Hamburg eine große Rollenspiel-Party, die zumindest anfangs sehr faszinierte. Wer sich einen Abend wie ein engagierter Delegierter gefühlt hat, wird die echten Klima-Verhandlungen künftig mit ganz anderen Augen sehen.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.12.2012

Surreale Vertonung eines Kultromans

Der russische Komponist Edison Denisov und seine Oper "Der Schaum der Tage"

Von Uwe Friedrich

Das Stuttgarter Opern-Ensemble in "Der Schaum der Tage"
Das Stuttgarter Opern-Ensemble in "Der Schaum der Tage" (dpa / picture alliance / Franziska Kraufmann)

Vom lässigen Duke-Ellington-Jazz über die sowjetische Musik-Avantgarde bis zu Musical-Anklängen ist alles drin in Edison Denisovs Oper "Der Schaum der Tage" nach Boris Vians Kultroman "L’écume des jours". In Stuttgart wurde sie 16 Jahre nach der Pariser Uraufführung neu inszeniert.

Darin geht es um die Gedanken, Worte und Werke von zwei jungen Paaren im Paris der 40er-Jahre. Colin und Chloé genießen gerade ihre Flitterwochen, als sie einer merkwürdigen Krankheit anheim fällt. In Chloés Lunge wächst eine Seerose, die sie am Atmen hindert. Die Ehe von Chick und Alise kriselt hingegen, weil er alles Geld für die Schriften ihres Philosophielehrers Jean-Sol Partre ausgibt, mit dem natürlich Jean-Paul Sartre gemeint ist.

Schließlich kommt die Polizei, will die Schriften beschlagnahmen, Chick wird beseitigt, Alise stirbt beim Versuch, die Dokumente zu verbrennen, und Chloé erliegt ihrer rätselhaften Krankheit. Einzig Colin bleibt übrig und diskutiert mit dem desillusionierten und unbeteiligten Jesus.

Kein Wunder, dass dieses 1981 vollendete surreale Werk in der Sowjetunion nicht aufgeführt werden konnte. Dabei war der 1996 in Paris verstorbene Edison Denisov einer der führenden sowjetischen Komponisten der Generation nach Schostakowitsch, von dem er sehr gefördert wurde. Wie kein anderer unterstützte der studierte Mathematiker Denisov den musikalischen Austausch zwischen den politisch und ästhetisch getrennten Blöcken im Osten und Westen, kannte selber keine Grenzen zwischen den Genres und Stilen.

Das zeigt sich auch in seiner Oper "Der Schaum der Tage", die von französischer Kammermusik ebenso beeinflusst ist wie von katholischen Kirchenklängen oder klassisch-russische Symphonik.