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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.06.2016

Studie: "Die enthemmte Mitte"Wie weit rechts ist Deutschland?

Oliver Decker im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Deutschland-Fahnen und Pegida-Fahnen wehen im Wind vor blauem Himmel, am unteren Bildrand ist die Dresdener Altstadtkulisse zu sehen und Menschen, die demonstrieren. (imago stock&people)
Vom Stammtisch auf die Straße: Mit Pegida lernten die Parolen plötzlich laufen. (imago stock&people)

Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland verbieten, wollen 40 Prozent der Befragten einer neuen Studie. Und: Jeder Zehnte in Deutschland findet, Juden hätten einen zu großen Einfluss. Diese Zahlen bezögen sich auf alle gesellschaftlichen Schichten, sagt der Leiter der Untersuchung.

50 Prozent der Befragten einer am Mittwoch vorgestellten Studie gaben an, sich angesichts vieler Muslime manchmal wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen. Im Jahr 2014 hatten dies 43 Prozent angegeben. In der Studie "Die enthemmte Mitte" der Universität Leipzig sagten mehr als 40 Prozent der Bürger, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden (2014: 36,6 Prozent). Außerdem sind 49,6 Prozent der Meinung, Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden (2014: 47,1 Prozent). 

Jeder Zehnte in Deutschland glaubt, dass wir einen starken Führer brauchen. Ebenso groß ist der Anteil derer, die meinen, Juden hätten einen zu starken Einfluss. Herausgegeben wird die Studie seit 2002. Wie weit rechts ist Deutschland mittlerweile? 

"Sehr deutliche Radikalierungstendenzen"

Oliver Decker ist Herausgeber der Studie. Er erkennt keine Zunahme der Anzahl rechtsextrem Eingestellter in der Bevölkerung, aber: "Wir haben Milieus beschreiben können, die sehr deutliche Radikalierungstendenzen zeigen und eine hohe Gewaltbereitschaft."

Auch sei der Begriff "Rechtsextremismus" irreführend. "Wir reden nicht über Ränder, wir reden über Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, die lange Zeit in unseren Studien klar gebunden waren an große demokratische Parteien, die aber immer schon rechtsextrem gedacht haben - die aber als solche gar nicht in Erscheinung getreten sind." Und es gebe Bedingungen, die dazu führen, dass solche Menschen nicht mehr nur so denken, sondern auch beginnen, so zu handeln. Völkisches Denken werde aktuell handlungsleitend, analysiert Decker, und das sei eine neue Qualität. 

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