Fazit / Archiv /

"Streitbar und polarisierend"

Der Kulturjournalist Wolfgang Hagen über den verstorbenen Theatermacher Ivan Nagel

Ivan Nagel, Theaterwissenschaftler, Intendant, Publizist, verstorben am 9. April 2012 in Berlin
Ivan Nagel, Theaterwissenschaftler, Intendant, Publizist, verstorben am 9. April 2012 in Berlin (picture alliance / dpa - Kay Nietfeld)

Ivan Nagel hat sich immer als Lernender verstanden und dieses Lernen als "unvergleichliches Glück" empfunden. Wolfgang Hagen hat ihn über die vergangenen zwei Jahre persönlich kennengelernt. Für das Deutschlandradio hat er gemeinsam mit Jens-Malte Fischer letzte Interviews mit Nagel geführt.

Wolfgang Hagen hat den am Ostermontag verstorbenen Theatermacher Ivan Nagel als einen der wichtigsten Theatertheoretiker des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet. Immer wieder hätte Nagel dem deutschen Theater neue Impulse verliehen, sich aber auch auf anderen Gebieten hervorgetan, zum Beispiel als Essayist und Philosoph, sagte Hagen im Deutschlandradio Kultur. Damit bezog er sich vor allem auf die Zeit, in der Nagel das Schauspielhaus in Hamburg leitete und das Festival "Theater der Welt" begründete.

Wenige Monate vor seinem Tod habe er die Gelegenheit bekommen, Nagel zusammen mit Jens-Malte Fischer zu interviewen. Dabei habe er ihn als "eine ganz eigene Persönlichkeit" kennengelernt. Die daraus enstandene sechsteilige Gesprächsreihe läuft seit der Osterwoche im Programm von Deutschlandradio Kultur. Am Ostermontag sei Nagel "friedlich entschlafen".

Hagen wies darauf hin, dass Nagel nie selbst inszeniert habe und auch nie auf der Bühne gestanden habe. Dennoch habe er das Nachkriegstheater in Deutschland wie kaum ein Zweiter geprägt. Dass er sich in fortgeschrittenem Alter noch zu Interviews bereit erklärt habe, sei ein großes Glück gewesen, denn er "wollte nie über sein Leben reden. Er wollte nie das Individuum zelebrieren und inszenieren."

"So eine Persönlichkeit können wir suchen. [...] Er hat die Möglichkeiten gehabt, das Theater der späten 60er, er war ja Chefdramaturg Kortners, und dann der 70er Jahre zu befördern. Man muss auch sozusagen diese Chancen haben, um sie dann zu ergreifen. Ich würde jedenfalls nicht empfehlen, einen großen Heroen aufzubauen, denn das war Ivan Nagel, weiß Gott, nicht. Ein streitbarer Mensch, ein strittiger Mensch, ein Homosexueller, der ja auch wirklich sehr strittige Thesen zu den großen Künstlern der Kunst- und Theatergeschichte vertrat, nämlich zum Beispiel den großen Kunstsinn Shakespeares auch mit seiner Homosexualität erklärte."


Links auf dradio.de:

Trauer um einen großen Theaterförderer - Früherer Theaterintendant Ivan Nagel ist tot

"Ich gehörte zu drei Minderheiten" - Ivan Nagel: Eine Autobiografie in sechs Gesprächen

"Dieses Rätsel will ich leben" - Der Kulturwissenschaftler Jens-Malte Fischer führte mit Wolfgang Hagen letzte Interviews mit Ivan Nagel
Monsieur Lazhar von Philippe Falardeau

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"All You Need Is Love"

Putin-Plakat bei einer Demonstration in Berlin.

Die zurückliegende Feuilleton-Woche war voller Gewalt und Sex. Auch die Ereignisse in der Ukraine und Wladimir Putins Rolle dominierten weiterhin die Zeitungen. Für Aufsehen sorgte ein österlicher Dreiteiler.

 

Fazit

MuseenSchluss mit den Inhalten!

Entworfen hat der Künstler Olafur Eliasson "Dein Audioguide" für die Kunstsammlung in Düsseldorf

Der dänisch-isländische Lichtkünstler Olafur Eliasson hat die Video-App "Dein Audioguide" entwickelt. Das Museum wird mit ihr als geist- und erkenntnisfreier Raum präsentiert.

ChocolatierskunstAuf den Spuren der ersten Praline

Pralinen liegen in einem Laden des belgischen Pralinen-Herstellers Neuhaus in Brüssel.

Wegen ihrer besonders aufwändigen Produktion gilt die Praline als die Krönung der Chocolatierskunst. Jetzt zu Ostern wird die Praline in unendlichen Variationen gekauft, versteckt und verschenkt. Doch wer kam als erster auf die Idee ihrer Herstellung, und warum?

HannoverMehr Platz für die Kunst

Der Veranstaltungsraum im Erweiterungsbau des Sprengel Museums in Hannover

Rund 1400 Quadratmeter neue Ausstellungsfläche bekommt das renommierte Sprengel Museum in Hannover durch einen Anbau. Die Kosten dafür sind zuletzt auf 31 Millionen Euro hochgeschnellt. Kritiker spötteln über eine "Maschsee-Philharmonie".