Seit 20:03 Uhr In Concert
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 20:03 Uhr In Concert
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.07.2015

Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung"Deutsche Geschichtspolitik hat einen Ruf zu verlieren"

Martin Schulze-Wessel im Gespräch mit Susanne Burkhardt

Modell des geplanten Dokumentationszentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)
Modell des geplanten Dokumentationszentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)

Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung kommt nicht zur Ruhe. Auch der Vorsitzende des Historikerverbandes Martin Schulze-Wessel sieht die Entscheidung für den neuen Direktor Winfrid Halder kritisch.

Fünf von 15 Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats kehren der Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung den Rücken – just nachdem Winfrid Halder zum neuen Direktor ernannt wurde. Was Kulturstaatsministerin Grütters im Deutschlandradio Kultur mehr oder weniger als Zufall darzustellen versuchte, sieht der Deutsche Historikerverband kritisch. Sein Vorsitzender, Martin Schulze-Wessel, stuft die Haltung der Ministerin dazu als "salopp" ein:

"Ich weiß nicht, was die Motive der Kulturstaatsministerin sind: Man kann nur warnen vor einem allzu großen Pragmatismus. Wenn man das Thema Flucht und Vertreibung verschenkt, wenn man daraus kein eindrucksvolles Projekt macht, das attraktiv ist im Inland wie im Ausland, dann handelt man letztlich auch gegen die wohl verstandenen Interessen der Vertriebenen."

Wie Historiker aus Tschechien oder Polen gewinnen?

Als einen falschen Weg bezeichnete Schulze-Wessel hingegen das Bemühen, den Interessen der Vertriebenen-Verbände Folge leisten zu wollen, "damit das Projekt irgendwie realisiert wird".

Der Bund müsse sehr viel stärker auf Internationalität und Qualität setze. Doch allmählich werde es schwer, noch qualifizierte Historiker aus Polen und Tschechien für das Projekt zu gewinnen. Dies jedoch sei unverzichtbar, weil der Fokus beim Thema Vertreibung eben nicht nur auf den Deutschen, sondern auch auf anderen osteuropäischen Vertriebenen liegen müsse.

Schulze-Wessel sagte weiter: Aus Gründen der Fairness müsse man dem neuen Direktor eine gewissen Frist einräumen, um dessen Arbeit beurteilen zu können.

"Aber was man doch sagen muss, ist, dass die Geschichtspolitik in Deutschland einen guten Ruf zu verlieren hat."

 

Das Gespräch mit Martin Schulze-Wessel hören Sie in der Sendung "Fazit" ab 23.05 Uhr.

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

Frankreich hat gewähltZwei Kandidaten, ein Schock
Unterstützer des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron bejubeln in Paris mit französischen Flaggen die ersten Hochrechnungen.   (dpa Bildfunk / AP / Thibault Camus )

Emmanuel Macron und Marine Le Pen haben es bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich in den zweiten Wahlgang geschafft. Der Erfolg Le Pens heißt für den Geografen und Sozialwissenschaftler Boris Grésillon: Frankreich geht es schlecht.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur