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Politisches Feuilleton / Archiv | Beitrag vom 15.04.2013

Steueroasen - riskant, aber diskret und gefragt

Warum sich Schwarzgeld nicht lohnt

Von Georg von Wallwitz

Steueroase: Eine Spielfigur trägt zwei Geldkoffer auf einem Scrabble-Spiel in eine Bank. (picture-alliance/ dpa / Jörg Carstensen)
Steueroase: Eine Spielfigur trägt zwei Geldkoffer auf einem Scrabble-Spiel in eine Bank. (picture-alliance/ dpa / Jörg Carstensen)

Erst knickte Lichtenstein ein, dann die Schweiz, nun Luxemburg und vielleicht auch Großbritannien. Sie alle lockern ihr Bankgeheimnis, geben den Druck der europäischen Nachbarn an ihre Banken weiter. Geld schwarz anzulegen sei eben nicht sonderlich clever, meint Georg von Wallwitz.

Was die Beschäftigung mit den Reichen und Schönen erst das gewisse Champagnerprickeln verleiht, ist die moralische Komponente. Wir können uns nicht mit ihnen messen, wenn es um das Chalet in Sankt Moritz geht oder um die Yacht von Blohm & Voss oder um all die Fleisch gewordenen Trophäen, die das Leben erst so richtig rund machen.

Aber die guten Sitten sind für alle gleich, da kommt kein Promi raus. Früher konzentrierte sich das allgemeine Entsetzen auf die ehelichen Verhältnisse und was darüber hinausging. Heute richtet sich der intime Blick auf die Finanzen unserer geldigen Mitbürger, und was wir sehen ist, wie erwartet, schlimm. So weit so empörend.

Reiche Leute versuchen mit legalen und illegalen Tricks ihr Geld dem Zugriff des Fiskus zu entziehen. So richtig überraschend kann das nicht sein, denn Steuervermeidung ist eine Sünde, die jedem schnell in den Sinn kommt, der Steuern zahlt. Das geht los mit dem schwarz arbeitenden Maler oder Automechaniker und endet noch lange nicht bei der steuerlich begründeten Investition in Schiffsfonds. Der Mittelstand verhält sich hier nicht grundsätzlich anders als das Jet-Set.

Steuervermeidung macht finanziell überhaupt keinen Sinn

Interessant ist vielmehr die psychologische Seite. Die Steuervermeidung macht nämlich in der Regel finanziell überhaupt keinen Sinn. Die Unsummen, welche die Zahnärzte aus München, Frankfurt und Hamburg in der Ostdeutschen Provinz verbaut haben, um Sonderabschreibungen zu erhalten, sind kein Einzelfall. Gier frisst Hirn. Der Wohlhabende ist gerne bereit, in finanziell vollkommen sinnlose Projekte zu investieren, solange es nur Steuern spart.

Das gilt auch für die illegalen Konten in der Schweiz, wo in den meisten Fällen die Gebühren so hoch und die Wertentwicklung der Anlagen so schlecht ist, dass es allemal intelligenter gewesen wäre, brav seine Steuern zu zahlen. Aber bevor man es dem gierigen deutschen Staat in den Rachen wirft, verfüttert man es anscheinend lieber an die Schweizer Banker, deren Appetit ja nicht geringer ist.

Warum also werden überhaupt komplizierte steuerliche Konstruktionen gewählt, bei denen der Ärger programmiert und der Nutzen unwahrscheinlich ist? Die Höhe der Steuern ist weniger ein Problem als ihre Begründung. In Skandinavien ist die Steuerehrlichkeit trotz hoher Steuern relativ hoch, weil die Bürger das Gefühl haben, in einem gut verwalteten Gemeinwesen zu leben, das sein Geld wert ist.

In Italien oder Griechenland dagegen haben die Menschen allzu oft das berechtigte Gefühl, dass mit ihren Steuergeldern nur die Privilegien der herrschenden Klasse finanziert werden. Entsprechend gering ist die Steuerehrlichkeit. Wenn die Menschen sehen, dass die Steuern hoch und die Leistungen des Staates gering sind, werden sie schnell zu Trittbrettfahrern.

Ein anderes Lebenselexier der Offshore-Zentren ist das Versprechen der Diskretion. Seit beliebige Datenmengen ganz einfach auf winzigen Datenträgern oder durch virtuelle Tunnel aus der Bank geschafft werden können, ist es damit zwar nicht mehr weit her - aber anscheinend ist schon die Illusion etwas wert.

Reiche schätzen kaum etwas so sehr wie die Privatsphäre

Die Reichen, das darf man so pauschal sagen, schätzen kaum etwas so sehr wie ihre Privatsphäre, selbst wenn es nichts zu verbergen gibt. Geld gehört zum privaten Bereich und niemand hat es gern, wenn seine finanziellen Umstände publik werden. Die elende Debatte um die Offenlegung der Bezüge unserer Parlamentarier ist dafür Beleg genug.

Daher wird es immer eine Nachfrage nach Offshore-Dienstleistungen geben. Genf ist ja nicht erst in den letzten Jahren ein Bankenplatz geworden, sondern im 18. Jahrhundert, als reiche Franzosen dort ihr Geld in Sicherheit gebracht haben vor dem Finanzbedarf der Könige für Hofhaltung und Kriege.

So lange die Bürokratie immer neugieriger wird und die Ämter immer mehr Zugriff auf Kontendaten haben, wird auch das Geschäft mit der Privatsphäre blühen - selbst wenn diese immer mehr zu einer Chimäre wird. Offshore wird auch in Zukunft sein Empörungspotenzial behalten.

Georg von Wallwitz (Katharina von Wallwitz)Georg von Wallwitz (Katharina von Wallwitz)Georg von Wallwitz, geboren 1968 in München, studierte Mathematik, Philosophie und Irankunde. Nach der Promotion und einem wissenschaftlichen Jahr an der Universität Princeton, USA wurde er Fondsmanager, zunächst angestellt bei einer Münchner Privatbank, dann ab 2004 selbständig als Teilhaber der "Eyb&Wallwitz Vermögensmanagement". Über die Finanzwelt schreibt er auch: als Analyst ein regelmäßiges "Börsenblatt für die gebildeten Stände" und als Autor das Buch "Odysseus und die Wiesel" (Berenberg Verlag Berlin).


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