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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.06.2015

Sterbehilfe-DebatteDie Begriffsverwirrung um die Palliativmedizin

Heiner Melching im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

Ein Stationsarzt und eine Krankenschwester während einer Visite auf einer Palliativstation. (Imago / EPD)
Ein Stationsarzt und eine Krankenschwester während einer Visite auf einer Palliativstation. (Imago / EPD)

Die fehlende Abgrenzung von Palliativmedizin und ärztlich assistiertem Suizid in der öffentlichen Debatte bereitet Probleme. Die Diskussion gehe an den Problemen der Patienten vorbei, beklagt Heiner Melching von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

"Es fängt an mit den vielen Begrifflichkeiten, die durcheinander geworfen werden",

kritisierte Heiner Melching im Deutschlandradio Kultur. Begriffe wie aktive oder passive indirekte Sterbehilfe tauchten in keinem deutschen Gesetz und in keiner Berufsordnung auf, so der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Die Begriffsverwirrung mache allerdings Diskussionen über das Thema umso schwieriger.

Tatsächlich sei aber die Sorge der Menschen groß, am Ende ihres Lebens einer Medizin ausgeliefert zu sein, die sie nicht haben wollten, fasste Melching das Grundproblem der Patienten zusammen. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin sehe ihre Hauptaufgabe in der Aufklärung: über die Selbstbestimmungsrechte der Patienten, die Möglichkeiten der modernen Palliativmedizin und der Hospizversorgung.

Multiprofessionelle Teams kümmern sich um Sterbende

Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, im Studio von Deutschlandradio Kultur, aufgenommen am 8.6.2015 (Deutschlandradio / Markus Humsberger)Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, im Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Markus Humsberger)

Leider werde die Palliativmedizin bis heute als eine bessere Schmerzmedizin missverstanden und auf die Rolle der Ärzte reduziert, sagte der DGP-Geschäftsführer. Es fehle an breiten Kenntnissen zur Versorgung von schwerstkranken Patienten mit begrenzter Lebenserwartung, die immer in multiprofessionellen Teams geleistet werde. Ärzte, Pfleger, Sozialarbeiter, Psychologen, Ergotherapeuten und auch Seelsorger gehörten dazu, erläuterte Melching:

"Der Ansatz ist eben nicht, nur auf das Körperliche zu gucken. Und vor allem nicht nur auf den Patienten zu gucken, sondern auch auf das soziale Umfeld."

Die Palliativmedizin widmet sich der Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung, deren Lebenserwartung begrenzt ist.

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandradio Kultur, Interview, 13.02.2014)

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