Fazit / Archiv /

Steinfeld: Kein literarischer Racheakt an Schirrmacher

Feuilleton-Skandal um Schwedenkrimi

Thomas Steinfeld, Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung
Thomas Steinfeld, Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Der Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung, Thomas Steinfeld, hat unter dem Pseudonym Per Johannson den Schwedenkrimi "Der Sturm" verfasst. Darin wird ein Zeitungs-Chefredakteur umgebracht. Dass diese Figur FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher sein soll, bezeichnet Steinfeld als "völligen Unsinn".

Anfang der Woche äußerte "Welt"-Literaturchef Richard Kämmerlings den Verdacht, bei dem fiktiven Großjournalisten handele es sich um Frank Schirrmacher, den Mit-Herausgeber der Frankfurt Allgemeinen Zeitung. Im Deutschlandradio Kultur sagte Kämmerlings:

"Ganz offensichtlich gibt es hier, ja, eine offene Rechnung oder so etwas wie den Wunsch jedenfalls, ja, also die vielleicht Rivalitätsgefühle gegenüber der Konkurrenz, gegen einen Konkurrenten speziell, eben Chef eines anderen großen Feuilletons, ja, den eben symbolisch zu vernichten, könnte man oder muss man eigentlich nach Lektüre des Romans sagen."

Nun hat sich Thomas Steinfeld zu den Vorwürfen geäußert. Er bestätigte, den Roman verfasst zu haben. Den Vorwurf eines literarischen Rufmords wies er allerdings entschieden zurück. Steinfeld sagte: "Dieser Großjournalist ist ein Amalgam aus lauter Figuren, die wir alle kennen. Er ist nichts Spezifisches von einer Person. Es ist eine rein abstrakte Figur."

Kämmerlings führte als Indiz für seine These vom Schirrmacher-Mord an, dass der im Roman ermordete Chefredakteur zu denselben Themen publiziert hätte wie Schirrmacher. Steinfeld verwies darauf, dass Problemfelder wie "Finanzkrise" und "Überalterung der Gesellschaft" nicht allein vom FAZ-Mitherausgeber besprochen würden: "Das sind die großen Themen, die uns alle die letzten Jahren beschäftigt haben."

Dennoch sei er überrascht gewesen, dass seine Identität hinter dem Pseudonym derart schnell publik wurde, sagte Steinfeld. Er bestätigte zudem, dass sich hinter dem Pseudonym Per Johannsen auch noch ein weiterer Autor verbirgt. So sei der Roman in enger Zusammenarbeit mit einem Münchner Arzt entstanden, der sich sehr gut mit Kriminalromanen auskenne.

Nach knapp zehn Büchern zu wissenschaftlichen Themen wollte Steinfeld sich einer anderen Herausforderung stellen. Der Kriminalroman zähle für ihn zu den wichtigsten Genres der Literatur. Mittlerweile bewertet Steinfeld sein Projekt etwas anders: "Was mich in den vergangen zwei Tagen diese Geschichte schon an Nerven gekostet hat, da bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich, wenn ich die Wahl gehabt hätte, das hätte machen wollen."

Hinweis:
Sie können das vollständige Gespräch mit Thomas Steinfeld mindestens bis zum 16.1.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Subtile Vergeltung

 

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsMensch oder Maschine?

Hauptdarsteller Johnny Depp steht bei der Premiere von "Transcendence" in Westwood, Kalifornien, mit Sonnenbrille vor einem Filmplakat.

Uneinig sind sich die Feuilletons bei der Bewertung des Thrillers "Transcendence". Ob Johnny Depp tatsächlich ein Superhirn spielen kann, das mit Großrechnern fusioniert, wird in der "SZ" mit einem Seufzen beantwortet.

 

Fazit

Kino"Irre sind männlich"

Die Schauspieler Peri Baumeister (l-r), Fahri Yardim, Milan Peschel und Marie Bäumer kommen am 10.04.2014 zur Premiere des Films "Irre sind männlich" in den Mathäser Filmpalast in München (Bayern).

Die Titelhelden und Programmierer Daniel und Thomas begeben sich in "Irre sind männlich" aufgrund ihrer Beziehungsprobleme in Therapie. Was komisch sein soll bleibt vorhersehbar und lahm und enttäuscht auf ganzer Linie.

RegiedebütLärmende Zukunftswarnung

Hauptdarsteller Johnny Depp steht bei der Premiere von "Transcendence" in Westwood, Kalifornien, mit Sonnenbrille vor einem Filmplakat.

In dem Cyber-Thriller "Transcendence" digitalisiert der Wissenschaftler Dr. Caster (Johnny Depp) kurz vor dem Tod sein Gehirn, um so als Daten-Mensch weiterzuleben. Die Geschichte bleibt aber allzu fade.

Schwabinger KunstfundWie geht es weiter mit den Gurlitt-Bildern?

Ingeborg Berggreen-Merkel 27.11.13

Eine Taskforce untersucht derzeit die verdächtigsten Bilder des Schwabinger Kunstfundes. Das Ziel: Innerhalb eines Jahres soll weitgehend aufgeklärt sein, wem die Bilder aus der Sammlung zustehen.