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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 25.08.2014

StadtplanungStress and the city

Das Zeitalter der Städte und die psychische Gesundheit

Von Susanne von Schenck

Ein Chinese übt Tai Chi in Shanghai, wo Smog herrscht (picture-alliance / dpa / Lai Xinlin)
Kaum noch Luft: Smog in Shanghai (picture-alliance / dpa / Lai Xinlin)

In Megacities wie Lagos, Schanghai oder São Paulo wohnen über zehn Millionen Menschen. Was das für den Einzelnen bedeutet, damit setzen sich Stadtplaner und Politiker auseinander. Was macht Stadtbewohner krank, was hält sie gesund?

Der japanische Konzern Hitachi kündigte im April dieses Jahres an, den schnellsten Aufzug der Welt zu bauen: 1200 Meter in der Minute, das sind 72 Kilometer pro Stunde. In nur 43 Sekunden wird der Turboaufzug die Besucher vom Erdgeschoss in den 95. Stock des CFT Finance Center im südchinesischen Guandong befördern. Das Gebäude ist eines der neuen Superhochhäuser, die in den letzten Jahren entstanden sind. Willkommen im Jahrhundert der Städte.

Urbanisierung hat Einfluss auf die Psyche

Nach Definition der UN gilt eine Großstadt als "Megacity", wenn sie eine Einwohnerzahl von mindestens zehn Millionen hat. Megacities sind ein relativ junges Phänomen. 1975 lebten lediglich in New York, Tokyo und Mexiko-Stadt mehr als zehn Millionen Menschen. Inzwischen gibt es über dreißig solcher Riesenstädte. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Urbanisierung zu den größten Veränderungen zählt, die die Menschheit je durchgemacht hat - das hat auch Einfluss auf ihre Psyche.

Zum Beispiel Lagos in Nigeria. 1931 zählte die Stadt gerade mal 126.000 Einwohner. Die Hafenstadt vergrößerte sich so schnell, wie kaum eine andere Metropole weltweit. Über elf Millionen Menschen leben heute im Großraum Lagos, fast jeder zehnte Nigerianer.

(picture alliance / ZB / Peter Jähnel )Blick vom Landmark Tower in Yokohama aus 250 Metern Höhe auf die Millionenmetropole an der Bucht von Tokio. (picture alliance / ZB / Peter Jähnel )

Die bevölkerungsreichste Megacity der Welt ist die Region Tokio-Yokohama mit 37 Millionen Einwohnern. Und, sagt Florian Holsboer, Direktor des Max Planck Instituts für Psychiatrie, diese leben relativ friedlich zusammen.

"Das ist sehr schwer zu verstehen, wieso die Asiaten mehr Toleranz gegenüber dieser Dichte haben, sich in U-Bahnen hineinzwängen, quasi koordiniert über die Straße gehen müssen, um nicht übereinander zu trampeln. Alle diese Phänomene könnte ich mir in Amerika oder Europa schlecht vorstellen. Möglicherweise spielt die andere Religion eine Rolle. Es kann sein, dass eine andere Grundveranlagung, die sowohl aus der soziokulturellen Entwicklung, aber auch aus der genetischen Blaupause kommt, hierfür verantwortlich sind."

Berlin könnte richtungsweisend sein

Radfahrer auf dem Tempelhofer Feld - die große Rund ist über sechs Kilometer lang. (Eric Pawlitzky)Radfahrer auf dem Tempelhofer Feld (Eric Pawlitzky)

Es gibt noch weitere Eigenschaften, wie eine Stadt beschaffen sein muss, damit sie nicht krank macht. Berlin, so Thomas Matussek von der Alfred Herrhausen Gesellschaft, könnte dabei richtungsweisend sein:

"Was man von Berlin lernen kann: Wie unerhört wichtig es ist, Grün in einer Stadt anzulegen, nicht alles zuzubauen, sondern Plätze, Gärten Freiräume freizuhalten. Das zweite, was man von Berlin lernen kann: Dem Trend zu widerstehen, dass man bestimmte Viertel hat, wo nur ganz reiche Leute wohnen, wo Sie die sogenannten gated communities überall haben, sondern dass es beiden guttut, wenn es eine gewissen Durchlässigkeit gibt. Was man weiter von Berlin lernen kann: Wie unerhört wichtig es ist, ein funktionierendes öffentliches breites Nahverkehrssystem zu haben. Weil das Auto ist nicht die Lösung. Die autogerechte Stadt ist Quatsch."

 Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat

Mehr zum Thema:

Zur Homepage der Alfred Herrhausen Gesellschaft: Urban Age Project

Metropolen jenseits der Megacities (Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 15.05.2008)Metropolen jenseits der Megacities

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