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Studio 9 | Beitrag vom 18.02.2016

StadtarchitekturArchitekten wollen Berliner Schloss im Dschungel-Look

Von Werner Bloch

Entwurf: So könnte das mit Pflanzen bewachsene Humboldt-Forum einmal aussehen. (Credits / Grüne Fassade: © Hybrid Space Lab – Originalbild: © Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum / Architekt: Franco Stella mit FS HUF PG )
Entwurf: So könnte das mit Pflanzen bewachsene Humboldt-Forum einmal aussehen. (Credits / Grüne Fassade: © Hybrid Space Lab – Originalbild: © Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum / Architekt: Franco Stella mit FS HUF PG )

Mittlerweile gibt es Bauverzögerungen, die Kosten von 600 Millionen Euro werden wohl auch nicht gehalten. Und jetzt das noch! Der Neubau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum könnte wie ein Dschungel mit Pflanzen begrünt werden. Der Namensgeber hätte sicher nichts dagegen.

"Die Idee war, das Humboldt-Forum begreifbar zu machen. Also zu zeigen, wo Humboldt sich herumgetrieben hat, was er mitgebracht hat. Ganz viele der Exponate sind ja Pflanzen, und die Idee war, dass man sie einfach auch sieht, dass es lebt, dass man so reingelockt wird."

Programmtipp: Wilhelm von Boddien, Initiator des Wiederaufbaus des Stadtschlosses, äußert sich morgen, Freitag, um 6:50 Uhr zu dem Begrünungsvorschlag.

Das Berliner Schloss – umrangt vom Grün der Pflanzen. Notker Schweickhardt, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses für die Grünen, ist einer der Initiatoren des Projekt. Es handelt sich keineswegs um ein parteipolitisches Projekt, betont Schweickhardt, sondern um eine private Initiative, die er selbst mit der Sprecherin der Initiative, Uta Belkius, angeregt habe.

Die Idee: Die Fassade des rekonstruierten Preussenschlosses soll begrünt werden. Ja mehr als das: Ein ganzer "Humboldt-Dschungel" soll ins Zentrum Berlins einziehen.

Dschungel statt Beton – der Tropen-Regenwald soll sich über die Fassade des rekonstruierten preußischen Stadtschlosses legen, dessen Hülle gerade gebaut wird. Er soll das interdisziplinäre Denken Humboldts visualisieren. Und er soll Kultur und Natur, Barock und Dschungel miteinander versöhnen. Schließlich soll in Berlin ein Ort geschaffen werden, an dem sich Besucher und Berliner gerne aufhalten – und der auch kulturell bespielt wird.

"Die Idee von Humboldt und Jungle"

Die Initiative wird umgesetzt von hybrid space lab, einem Berliner Architekturbüro. Frans Vogelaar, Professor an der Hochschule für Gestaltung:

"Nee, wir machen keine traditionelle Stadtbegrünung, das ist superlangweilig, da hab 'ich keine Lust drauf. Und dann kam die Idee von Humboldt und Jungle, Jungle und Humboldt ist bei mir im Kopf verbunden, nicht Humboldt und Uni."

Ein historisches Vorbild gibt es schon: das Musée du quai Branly in Paris. Auch dort werden völkerkundliche Sammlungen gezeigt, wie später einmal im Humboldt-Forum. Die hängenden Gärten des Stararchitekten Jean Nouvel sind in Paris leidenschaftlich angenommen werden.

In der Berliner Kulturwelt, ja selbst im Berliner Senat hat das Projekt Humboldt-Dschungel längst ein positives Echo ausgelöst – auch wenn sich manche noch nicht so recht aus der Deckung trauen.

Elisabeth Sikiaridi, *) Partner bei hybrid space lab:

"Jedem, dem wir das gezeigt haben, hat ist es sehr, sehr positiv aufgenommen worde und die haben auch gesagt: dafür würden wir spenden. Und wir haben auch von mehreren Stellen gehört, dass es die Rettung des Humboldt-Forums sein könnte."

Ein tropisches Ensemble aus Palmen und Lianen

Wer die Computersimulation des Humboldt-Dschungels sieht, der ist verblüfft. Ein tropisches Ensemble aus Palmen und Lianen, das sich über das Preussische Schloss stülpt und es animiert.

Humboldt und der Dschungel – das hat viel miteinander zu tun. Einen Großteil seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse gewann Alexander von Humboldt bei seinen drei Lateinamerika-Expeditionen zwischen 1799 und 1805. Er arbeitete interdisziplinär, war einer der ersten globalen Forscher. Der Humboldt-Dschungel würde ihn nun als Denker, Reisenden und Abenteurer nach Berlin zurückbringen.

Christoph Heinrich, Vorsitzender des WWF Deutschland:

"Ich bin einfach von dieser visuellen Wucht völlig inspiriert worden. Ich finde, eine grüne Fassade mit einem Wald oben drauf, da wird mehr draus als ein wieder aufgebautes Berliner Stadtschloss, das aber eine  künstliche Fassade hat, damit weder richtig historisch noch neu ist und mit diesem Problem ja auch hadert."

Das Humboldt-Forum müsse sich diesen Namen erst mal verdienen, meint Heinrich.

Die Initiatoren des Humboldt-Dschungels sehen sich nicht so sehr als Konkurrenz zur Fassade des Preussischen Stadtschlosses, deren Finanzierung von "Schloss-Fan" und Wiederaufbau-Initiator, dem Lobbyisten Wilhelm von Boddien mit aller Macht betrieben wird; sie können sich den Dschungel auch durchaus in Verbindung mit der geplanten Barockfassade vorstellen. Deren riesige Felder von uniformen Steinplatten würden dann durch ein lebendiges Grün überwölbt, das ein Zeichen für die Zukunft sein soll.

 

*) Korrektur: Elisabeth Sikiaridi ist nicht Architekturpofessorin an der Humboldt-Universität, wie es ursprünglich im Beitrag stand. 

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