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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 04.08.2012

Sport treiben, ohne zu übertreiben

Der Fitnesswahn und seine Folgen

Gast: Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln

Froböse: "Gefragt ist der perfekt proportionierte, muskulöse Körper mit wenig Fettanteil."
Froböse: "Gefragt ist der perfekt proportionierte, muskulöse Körper mit wenig Fettanteil." (AP)

Die Welt schaut auf die Olympischen Spiele in London und erwartet Höchstleistungen von den Athleten. Doch während es im Spitzensport klar ist, dass sich die Sportler schinden, ihre Leistungen mit erlaubten und unerlaubten Mittel zu steigern versuchen, passiert Ähnliches längst auch im Breitensport.

Nur bleibt es hier eher unbemerkt – und vor allem unkontrolliert. Vielen Freizeitsportlern reicht es nicht, sich den Waschbrettbauch oder die knackigen Oberarme mühsam anzutrainieren. Jeder Zehnte hilft mit Doping nach. Andere trainieren weit über ihre Leistungs- und Schmerzgrenze hinaus – mit schweren gesundheitlichen Folgen.

"Sport ist gesund – aber nur, wenn die Dosis stimmt!", sagt Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln und Leiter des dortigen Zentrums für Gesundheit. Seine Beobachtung: "Das neue Gebot heißt: Du sollst fit sein!"

Der ehemalige Deutsche Sprintmeister trifft auf immer mehr Menschen, die regelrecht sportsüchtig sind, auf "Adrenalin-Junkies", "Ausdauerfreaks" und "Muskelsüchtige". Bei ihm melden sich Mütter, deren magersüchtige Töchter unter Sport-Bulimie leiden, junge Männer mit Muskelverletzungen, weil sie auf Teufel komm` raus Gewichte stemmen, Manager mit Herzproblemen, weil sie unbedingt Marathon laufen müssen. Alle überschätzen ihre körperlichen Möglichkeiten und unterschätzen die Folgen des exzessiven Sports. Und sie denken, ihr Körper sei nur dazu da, nach ihren Wünschen geformt zu werden.

"Gefragt ist der perfekt proportionierte, muskulöse Körper mit wenig Fettanteil." Die Folgen: Erhöhte Herzfrequenz, Infektanfälligkeit, Herzmuskelentzündungen, Gelenkprobleme, arthritische Reizungen. Seine Mahnung: "Es wird höchste Zeit, dass wir Fitness und Sport wieder als das ansehen, was es ist: eine unwahrscheinlich tolle und Spaß bringende Nebensache! Und vor allem hat es unzählige positive Effekte – wenn wir es denn nicht übertreiben."

"Sport treiben, ohne zu übertreiben – Der Fitnesswahn und seine Folgen"
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler Ingo Froböse. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.


Informationen im Internet:
Prof. Dr. Ingo Froböse