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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 24.01.2016

Sport in der KälteLaufen gegen den Winterblues

Von Elmar Krämer

Teilnehmer eines Halmarathons in Russland (picture alliance / dpa / Dmitry Feoktistov)
Gerade um Weihnachten herum gibt es einige traditionelle Laufveranstaltungen, so wie den Halbmarathon im sibirischen Omsk. (picture alliance / dpa / Dmitry Feoktistov)

Weg mit dem Glühwein, her mit den Laufschuhen! Wir haben mit einer Extremsportlerin und einem Wissenschaftler gesprochen, warum gerade bei eisigen Temperaturen Bewegung sinnvoll ist.

"Grundsätzlich ist das ja so, dass der Körper sich ja hormonell verändert, weil ja das Schlafhormon Melatonin, also unser Dunkelheitshormon deutlich dominanter wird, haben wir ja ein bisschen das Bedürfnis, viel mehr Ruhe an den Tag zu legen. Wir wollen dann auch nicht so viel Energie verbrennen. Wir wissen von der Natur auch, dass wir uns dann auch meistens eine kleine Fettschicht mehr anlegen, die auch der Isolation dient – machte ja früher Sinn, indem wir in den kalten Monaten durch Speck etwas mehr isoliert waren, das bedeutet: Zwischen Winter und Sommer gibt es, was Aktivierung betrifft, schon deutliche Unterschiede."

Das heißt aber für Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln nicht, dass er über die Wintermonate die Laufschuhe an den Nagel hängt.

Nicht zu dick anziehen

Auch Extremläuferin Patricia Kusatz trainiert das ganze Jahr über. Pausen im Winter kennt die 46 Jährige nicht:

"Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Man muss sich halt drauf einstellen und ich kann auch bei Eis und Schnee laufen."

Patricia Kusatz ist Läuferin mit Leib und Seele – ihre normalen 5-6 Läufe in der Woche sind um die 20 km lang, in Wettkampfvorbereitungen läuft sie auch mal 40-50 km in einem Trainingslauf – auch im Winter: 0.15

"Ja, man muss einfach nur mehr anziehen und muss sich halt nichts Kaltes zu trinken mitnehmen, sondern vielleicht einen warmen Tee – Fencheltee, ich trinke immer Fencheltee."

Langsamens Aufwärmen ist für die Läuferin das A und O. Bei der Kleidung setzt sie auf das Zwiebelprinzip: Funktionsfaser oder Merinowolle und als oberste Schicht ein Wind Stopper – der Markt ist groß und für jede Anforderung gibt es die geeignete Ausrüstung. Aber zu warme Kleidung ist auch nicht gut, sagt Ingo Froböse:

"Auf keinen Fall zu dick anziehen, das ist eine ganz wichtige Herausforderung. Also ein bisschen fröstelnd loslaufen. Und dementsprechend die Kleindung so machen, dass die Feuchtigkeit nicht auf der Haut stehen bleibt, sondern abtransportiert wird und zum zweiten, dass ich meine Belastung anpasse. Aber das brauche ich erst, wenn ich deutlich unter null Grad bin. Also so ab -5 bis -6 Grad die Belastung herunterschrauben und ab -10 deutlich reduzieren."

Wer bei Minusgraden draußen trainiert, der sollte das nicht ohne Kopfbedeckung tun, denn auch die beste Funktionskleidung am Körper nützt nichts, wenn der Kopf ungeschützt ist.

"Weil 40-60 Prozent der Wärme, je nach Trainingsgrad und Anstrengung, über den Kopf verloren geht. Also: Halte den Kopf trocken und das geht am besten mit der Mütze."

Draußen abtrocknen und nicht durchgeschwitzt nach Hause 

Die Angst vor Erkältungen, die vielen Menschen als Ausrede dient, lässt der Sportwissenschaftler hingegen nicht gelten:

"Ist Quatsch, ich erkälte mich nicht dadurch, dass ich rausgehe, sondern dadurch, dass mein Immunsystem zu schwach ist."

Und genau das wird durch regelmäßiges Training an der frischen Luft, auch über den Wechsel der Jahreszeiten, gestärkt.

"Was passiert: Dadurch wird das Immunsystem belastbarer, das heißt die Abwehrmechanismen werden intensiver, dann haben auch Viren und Bakterien keine Chance."

Die Extremläuferin Patricia Kusatz scheut sich nicht vor eisigen Temperaturen. (Deutschlandradio/Elmar Krämer )Die Extremläuferin Patricia Kusatz scheut sich nicht vor eisigen Temperaturen. (Deutschlandradio/Elmar Krämer )

Nach dem Training sollte man allerdings schnell trockene Kleidung anziehen, um kein Opfer des sogenannten "Open-Window-Phänomens" zu werden:

"Das Open-Window-Phänomen sagt, dass ich nach der sportlichen Aktivität anfälliger bin, Erkältungsviren ein offenes Tor zu bieten."

Zum Beispiel lieber auf dem Parkplatz kurz abtrocknen und frische Kleidung anziehen, als durchgeschwitzt ins Auto und nach Hause.

"Und auch wenn in der dunklen Jahreszeit die Überwindung schwerer fällt: Für Prof. Ingo Froböse und die Extremläuferin Patricia Kusatz ist klar: Auch im Winter wird an der frischen Luft trainiert."

Wenn ich die Dosierung anpasse und ich mich daran orientiere, langsamer möglicher Weise Sport zu treiben und ruhiger einzusteigen, dann mache ich nichts verkehrt.

"Ich denk dann über Gott und die Welt nach und freue mich, dass ich einfach wieder losgelaufen bin sozusagen."

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