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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 23.12.2009

"Soul Kitchen"

Hans-Ulrich Pönack über eine Komödie von Fatih Akin

Zwei ungleiche Brüder: Adam Bousdoukos als Zinos und Moritz Bleibtreu als Illias  (AP)
Zwei ungleiche Brüder: Adam Bousdoukos als Zinos und Moritz Bleibtreu als Illias (AP)

Die Kneipe "Soul Kitchen" des jungen griechischstämmigen Wirtes Zinos im Hamburger Kiez läuft gerade nicht besonders. Seine Freundin entscheidet sich für die Karriere in China und dann taucht auch noch sein kleinkrimineller Bruder auf.

Deutschland 2009, Regie: Fatih Akin, Hauptdarsteller: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, ab 12 Jahren

Über Fatih Akin braucht man nicht mehr viel sagen. Der 36-jährige türkischstämmige Hamburger zählt inzwischen zu den besten einheimischen Filmemachern. Hat sich mit Filmen wie "Solino" (2002), "Gegen die Wand" (2004, "Goldener Berlinale Bär", Deutscher und Europäischer Filmpreis) und "Auf der anderen Seite" (2007, Drehbuch-Preis Cannes) große Reputation erworben. In seinem neuen Film, den er selbst als "frechen, schmutzigen Heimatfilm" bezeichnet, geht es um eine "Pinte" namens "Soul Kitchen" in Hamburg, "abseits" gelegen und mit "exotischem Personal" ausgestattet.

Dabei im Blick- und Mittelpunkt: Der griechischstämmige deutsche Wirt Zinos (Auch-Co-Autor: Adam Bousdoukos. Der ist ein ganz freundlicher, (viel zu) lieber, naiver Geselle. Plagt sich aber gerade mit privaten Wehwehchen herum. Freundin Nadine macht sich auf den beruflichen Weg nach China, und das, sagen wir mal, "Bistro" für "einfache Leute", mit immer demselben Geschmack für aufgewärmte Tiefkühlkost, sorgt nicht gerade für "Reichtum". Um es bescheiden zu formulieren. Sodass die Monatsmieten immer mehr "gestreckt" werden müssen. Als dann auch noch ein ausgeprägter Bandscheibenvorfall Zinos fast platt-macht, ist das Chaos beinahe perfekt.

"Beinahe", denn nun taucht auch noch sein kleinkrimineller Angeber-Bruder und Knast-Freigänger Ilias (Moritz Bleibtreu) ebenso auf wie der gut-getarnte fiese Immobilien-Junkie und schulische Ex-Freund Neumann (wer schon anders als Star-"Bösewicht" Wotan Wilke Möhring), der es auf die profitable Immobilie abgesehen hat. Denn dort, wo das "Soul Kitchen" beheimatet ist, sollen lukrative Neubauten entstehen.

Davon weiß allerdings der schmerzgeplagte Zinos nichts, denn dank der "Petze" Neumann treten nun auch das beamtete Gesundheitsamt (in Gestalt des TV-Vorabend-Polizisten Jan Fedder als "Herr Meyer") und das dynamische Finanzamt (in Gestalt einer nur anfangs ziemlich zugeknöpften Frau Schuster, prima: Catrin Striebeck) "feurig" auf. Und machen Zinos zusätzlich die Hölle heiß. Also Schluss, Aus, Ende? Alles verkaufen? Und ab zur Freundin gen China? Nö. Denn irgendwie geht´s doch weiter.

Zunächst mit dem arbeitslosen Koch-Exzentriker Shayn (BIROL ÜNEL), der hier mitmacht, doch zunächst nur für völlige kulinarische "Verwirrung" sorgt, mit der sogleich auch die letzten Stammgäste vergrault werden. Doch dann ist der buchstäbliche multikulturelle Soul angesagt, und der entwickelt immer mehr Dampf, sprich: Sorgt für neue neugierige, interessierte Gäste, sozusagen mit "Anders-Appetit" und -Appeal sowie für exotischen Rock ´n´ Roll, also für einen Hip-Hop-Stimmung-Mix, bestehend aus Hans Albers und Rembetiko.

Zudem: Diese neue bodenständige wie trinkfeste Kellnerin Lucia (Anna Bederke) ist ja auch "nicht ohne". Die Mischung macht´s: augenzwinkernd locker pendelnd zwischen La Paloma, Reggae und Bandscheiben-Kummer. Ein nett-verrücktes Atmo-Ding ist das hier. Angesiedelt zwischen Dampf, Dollerei und Wut. Dass das Leben einfach nicht so laufen will, wie Mann, also Zinos, das vorhat, plant. Weil immer wieder etwas dazwischenkommt, was eigentlich alles noch viel Schrecklicher aussehen und empfinden lässt.

Doch Runterkriegen-Lassen is´ nicht. Wird nicht akzeptiert. Immer weiter. Schräg. Komisch. Bizarr. Mit schönen exotischen Nummern. Und viel Typen-Rotz. Motto: Egal wie, Hauptsache - immer wieder aufstehen. Laut wie deutlich. Sich wieder positionieren. Klar doch, ihr sympathisch-bekloppten, melancholischen Off-Hamburg-Spinner. Eine Radau-Komödie. Uneinheitlich, grob, robust, mit vielen winkligen Ecken und Windungen, bisweilen so "durcheinander" wie das Innenleben von Zinos selbst, mal Pfeffer, mal Räucherstäbchen, mal rauf, mal runter. Mal Knall, mal Fall bzw. umgekehrt. Kein Schenkelklatscher-Movie, mehr `ne Multi-Chose mit Schrott-Charme und Anarcho-Krach. Auch musikalisch übrigens. Da kocht der Sound.

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