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Tonart | Beitrag vom 10.03.2016

So klingt Musik für KatzenZum Schnurren schön?

Von Kerstin Poppendieck

Können die kleinen Kätzchen schon Musik hören? (picture alliance/dpa/Patrick Pleul)
Können die kleinen Kätzchen schon Musik hören? (picture alliance/dpa/Patrick Pleul)

Es klingt ziemlich verrückt: Menschen komponieren Musik für Tiere. Der Musiker David Teie hat jetzt das weltweit erste Album für Katzen veröffentlicht. Wie klingt die Musik für Katzen? Und mögen die Tiere sie tatsächlich? Unsere Autorin Kerstin Poppendieck hat das Album von Katzen probehören lassen.

So klingt Musik für Katzen: Ein bisschen nach Chillout-Lounge und ein bisschen nach Experimenteller Musik. Gesang gibt es dabei keinen, weder menschlichen noch tierischen. Das würde aber auch der Idee von David Teie widersprechen, der aus Tönen, die Katzen mögen, ein Album komponieren wollte. Dafür hat er in einer wissenschaftlichen Studie zusammen mit Biologen untersucht, auf welche Klänge Katzen positiv reagieren. Und Gesang war eben nicht dabei. Bisher hat David Teie im National Symphony Orchestra in Washington Cello gespielt, an der dortigen Universität unterrichtet und komponiert – all das für Menschen. Mit seiner Katzenmusik jetzt hofft er, eine neue Verbindung zwischen Katzenbesitzer und Katze herzustellen.

"Wir Menschen lieben unsere Haustiere. Für viele von uns sind sie wie Familienmitglieder. Diese Menschen hoffen, mit der Musik besser mit ihren Katzen kommunizieren zu können. Und wenn sie sie alleine zu Hause lassen müssen, dann haben sie jetzt etwas, das speziell für ihre Katzen ist. Den Leuten gefällt dieser liebevolle und fürsorgliche Gedanke dahinter, Musik nur für ihre Katzen zu haben."

Katzenbesitzer kennen das vielleicht: Man muss zur Arbeit und stellt für Mitzi das Radio an, damit sie sich nicht alleine fühlt. Mitzi allerdings ist das Radio ziemlich egal. Bei der Studie kam heraus, dass keine Katze positiv auf unsere menschliche Musik reagiert hat. Unabhängig davon, ob es Klassik war, Jazz oder Hip Hop. Bevor David Teie angefangen hat, für Tiere zu komponieren, hat er sich mit der Frage beschäftigt, welche Töne uns Menschen positiv berühren. Sein Ergebnis: Musik muss Klänge beinhalten, mit denen wir etwas Positives verbinden. Das hat er jetzt auf Katzen übertragen.

"Wenn wir Menschen zur Welt kommen, sind die Gehirnstrukturen, die für Emotionen zuständig sind, bereits fast vollständig ausgebildet. Deshalb hat alles, was nach Pulsschlag klingt auf uns eine positive Wirkung, weil wir ihn permanent im Mutterleib gehört haben. Da bei Katzen das Gehirn größtenteils in den ersten Wochen nach der Geburt wächst, spielt derPulsschlag für sie kaum eine Rolle. Dafür hören alle Katzen das Sauggeräusch beim Milchtrinken an der Mutter. Was für uns Menschen also der Pulsschlag ist, ist für Katzen das Sauggeräusch."

Katzen mögen Geige

Und so hat David Teie eine Tabelle aufgestellt, in der er in die linke Spalte geschrieben hat, welche Dinge uns Menschen bei Musik berühren, und in der rechten Spalte hat er dann nach dem Katzen-Äquivalent dafür gesucht. Daraus hat er dann seine Musik komponiert. Um das Sauggeräusch zu imitieren, hat David Teie zum Beispiel mit seinen Fingernägeln über eine Leinwand gestrichen. Aber gereicht hat das noch nicht:

"Unser Schlagzeuger ist Bartträger. Irgendwann kratze er seinen Bart. Das hat mir gefallen, es klingt tatsächlich nach einem Saugen. Also hab ich es verwendet. Ich hab auch mit einer Spraydose in eine Walnuss gesprüht, um dieses Sauggeräusch zu erzeugen. Es war wirklich schwierig, ein Geräusch zu produzieren, dass so klingt, wie es eine Katze hört, denn das klingt anders, als für uns Menschen. Katzen hören dieses Saug-Geräusch nicht über die Luft, sondern in ihrem Kopf. Dann fehlen bestimmte Frequenzen, die wir Menschen wiederum hören. Es geht nicht darum sich vorzustellen, wie wäre es, wenn ich eine Katze wäre, sondern wie es für eine Katze ist, eine Katze zu sein. Das umzusetzen war das Anstrengendste."

Generell mögen Katzen lieber Töne, die eine Oktave höher sind als unsere menschlichen Töne. Deshalb war auch die Geige ein geeignetes Instrument. Auch Cello und Keyboard funktionieren gut. Für die Schnurrgeräusche nutzte David Teie Orgeltöne und hat diese dann so modifiziert, dass sie einem Katzenschnurren ähneln.

Okay, in der Theorie klingt das alles spannend und auch überzeugend. Aber was sagt Lilly dazu? Lilly, die Katze meiner Nachbarn. Grau-weiß gestreift und etwas zurückhaltend. Auch heute, als ich ihr einen Besuch abstatte, verzieht sie sich gleich hinter der Couch.Dabei will ich ihr doch etwas Gutes tun.

Musik für misshandelte Tiere

Die Musik beginnt zu spielen und Lilly hebt suchend ihren Kopf. Eine Weile verharrt sie so, dann läuft sie langsam zur Lautsprecher, reibt ihren Kopf daran und legt sich davor auf den Boden. Lilly gefällt offenbar, was sie hört. Aber ich schicke die Musik auch noch zu anderen Freunden mit Katzen. Manche erleben Ähnliches, doch bei manchen reagieren die Katzen überhaupt nicht.

Dieses Album für Katzen ist erst der Anfang für David Teie. Bald sollen Alben für andere Arten folgen. Vor allem Tieren in Gefangenschaft oder misshandelten Tieren will er damit Entspannung und Wohlbefinden verschaffen. Deshalb soll seine Musik auch Tierärzten und Tierheimen kostenlos zur Verfügung stehen. David Teie scheint eine Marktlücke gefunden zu haben, mit der er jetzt sogar in die US-amerikansichen Billboard-Charts einsteigen wird. Die Produktion des Katzenalbums mit dem naheliegenden Titel "Music for Cats" hat er mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert. Über 10.000 Menschen haben fast eine Viertel Million Dollar gespendet. Mit der Veröffentlichung wird das Album also in die Billboard-Charts einsteigen, denn jeder der Kampagnenunterstützer bekommt ein Exemplar.

"Ein witziger Meilenstein, der erste zu sein, der ein Album für Tiere in den Charts hat. Ich hoffe, dass dieses Projekt die Denkweise von Menschen verändert, dass sie eben nicht mehr glauben, Musik wäre nur etwas für Menschen. Am Anfang haben viele gesagt, was für ein Quatsch. Aber je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr stellt man fest, dass es eigentlich eher Quatsch ist, Musik nur für eine Spezies zu haben. Ich hoffe also, dass Menschen akzeptieren, dass es Musik für Menschen gibt und Musik für andere Spezies."

Tonart

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