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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 22.01.2012

Silberglanz im Plasmastrahl

Neue Methode zur Reinigung von Kunstgegenständen

Von Michael Engel

Kunstwerke wie der Heilige St. Georg aus dem Schweizer Silberschatz verfärben sich mit der Zeit (Schweizerisches Landesmuseum Zürich)
Kunstwerke wie der Heilige St. Georg aus dem Schweizer Silberschatz verfärben sich mit der Zeit (Schweizerisches Landesmuseum Zürich)

Wer Silber im Haushalt hat, kennt das Problem: Das Edelmetall reagiert mit schwefelhaltigen Gasen der Luft und läuft schwarz an. Besonders Museen mit Silberschätzen haben darunter zu leiden. Hilfe kommt aus Braunschweig. Dort haben Forscher ein neues Reinigungsverfahren entwickelt.

Auf dem Labortisch liegen allerlei Silberstücke, die von verschiedenen Museen geschickt wurden, sagt Margret von Hausen von der Fraunhofer-Gesellschaft in Braunschweig und nimmt ein fein strukturiertes Silbergefäß in die Hand:

"Also ich halte hier eine Sauciere in der Hand, die mit einer Silbersulfidschicht versehen ist und deswegen nicht mehr silbern glänzend wirkt, sondern bräunlich golden."

"Silbersulfid", das ist der chemische Name für den hässlichen Belag, der sich mit der Zeit bildet. Grund für das sogenannte "Anlaufen" sind schwefelhaltige Gase, die beim Verbrennen von Holz, Kohle oder Öl entstehen. Mit der Luft gelangt der Schwefel an das Silber. Und dann wird es schwierig.

"Wir haben hier zum Teil noch Textilien, in denen Metalllane, das sind ganz dünn geschmiedete Silberbänder, um organische Materialien gewickelt sind. Und bei diesen Objekten haben wir das Problem, dass die sich mit einem normalen Reinigungsverfahren nicht reinigen lassen."

Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet Plasma. Entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik in Braunschweig.

Wie bei einem Schweißbrenner kommt ein bläulicher Lichtbogen aus einer Metalldüse heraus. Es handelt sich um Wasserstoff, der durch hochfrequenten Wechselstrom in ein Plasma verwandelt wird und sehr reaktiv ist. Seit zwei Monaten ist auch Annika Maier von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart mit dabei. Sie hält gerade einen Silberkrug in den nur leicht erwärmten Plasmastrahl.

"Wenn ich das Gefäß unter den Plasmastrom halte, dann hellt sich die Oberfläche ganz langsam auf. Und wir sehen wieder die glänzende Silberoberfläche."

Bislang verwendeten Museen vor allem Schlämmkreide beziehungsweise Elektrolytlösung, um den schwärzlichen Belag auf dem Silber zu entfernen. Beide Komponenten enthalten Salze, die das Silber aktivieren. Es läuft nach der Behandlung noch schneller an und muss erneut behandelt werden. Wertvolle Textilien mit eingearbeitetem Silber konnten mit der "nasschemischen Methode" bislang überhaupt nicht gereinigt werden. Mit dem Plasmaverfahren haben die Museen nun eine echte Alternative, sagt Annika Maier:

"Weil wir bei dem Plasma einfach keinen Fremdstoff eintragen. Das heißt, wir haben kein Salz, das zurückbleibt. Oder keine Paste, die zurückbleibt. Und insofern ist das natürlich sehr gut. Allerdings reicht das Plasma alleine vermutlich nicht aus, weswegen eine Kombination angestrebt wird."

Denn das Verfahren hat auch seine Grenzen. Bei sehr dicken Schichten hinterlässt der Plasmastrahl eine stumpfe Fläche. An diesen Stellen muss dann aufwendig nachpoliert werden. Und Handarbeit ist teuer. Museen mit reichlich Silber in den Vitrinen werden das schnelle und materialschonende Verfahren in jedem Fall zu schätzen wissen, so die Hoffnung in der Fraunhofer-Gesellschaft. Noch ist die Maschine ein Prototyp. Doch das werde sich bald ändern, sagt Dr. Michael Thomas:

"Wir arbeiten mit den Anlagenherstellern auch stark zusammen, dass halt die Maschinen auch angepasst werden, die auch kostengünstig genug sind, um sie in die Restaurierung zu bringen. Zurzeit kosten solche Anlage, also ein Plasmajet, wie wir ihn gerade gesehen haben, um die 10.000 Euro, die man investieren muss."

Für Museen eine eher überschaubare Summe. Private Haushalte indes werden sich wohl weiter mit Silberputztüchern, Silberpaste oder Tauchbädern mit Aluminiumfolie begnügen müssen. Solche Hausmittel kommen für Museen natürlich nicht in Betracht, sagt Margret von Hausen:

"Weil diese Polituren immer auch abrasiv wirken, das heißt, dass ein Teil des Silbers entfernt wird mit jedem Politurvorgang. Im Laufe der Zeit potenziert sich das natürlich. Je öfter man das Silber putzen muss, desto mehr Material geht letztlich verloren, bis man dann in messbare Bereiche auch kommt."

Versilberte Gegenstände werden dann stellenweise rötlich, weil das darunterliegende Kupfer beziehungsweise Messing zum Vorschein kommt. Auch der alte Hausfrauentipp, angelaufenes Silber in einem Wasserbad mit Salz und Alufolie zu tauchen, hat seine Tücken. Salz macht das Silber korrosiv, es reagiert noch schneller mit dem Schwefel. Deshalb der Tipp, die hauseigenen Silberschätze nach dem Alubad gründlich in destilliertem Wasser zu baden. Da dort kein Salz drin ist, bleibt die Freude am Silberglanz länger erhalten.

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