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Tonart | Beitrag vom 28.01.2016

Siemens-Musikpreis für Per Per Nørgård Avantgardist und Allrounder

Von Volker Michael

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Die undatierte Aufnahme zeigt den dänischen Komponisten Per Noergard. Noergard erhält 2016 den Ernst von Siemens Musikpreis. (Manu Theobald/dpa)
Die undatierte Aufnahme zeigt den dänischen Komponisten Per Noergard. (Manu Theobald/dpa)

Der dänische Komponist Per Per Nørgård erhält eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen in der klassischen Musik: den Ernst von Siemens Musikpreis. Geehrt wird ein experimenteller Künstler, den balinesische Musik genauso inspiriert wie die Songs der Beatles.

Per Per Nørgård hat als wirklicher Avantgardist begonnen - aus mathematischen Formeln leitete er Melodien ab - und als einer der ersten schrieb er Spektralmusik - wie in dem Orchesterstück IRIS von 1967.

Iris - die Konstellation einer Blüte war ein Muster für Per Per Nørgård, als er aus einfachen Melodien und Rhythmen ein Netzwerk formte. Auf natürliche Art komplex ist, was er aus der Einfachheit entwickelt. Ein wichtiges Prinzip für Per Nørgård in allen Phasen seines Schaffens. Er gehört zu den Komponisten, die sich immer wieder neu erfinden, die niemals zwei Werke entsprechend einer gleichen Regel oder Idee schreiben. Bis heute wird er mit seinem Konzept der "Unendlichkeitsreihen" in Verbindung gebracht.

"Darin gibt es bei mir ein besonderes Gefühl, das ist sehr faszinierend, weil es nur aus zwei Tönen aufgebaut ist ... dann entwickelt es sich wie ein Baum. Aber ich wollte mich wie im Gefängnis fühlen, wenn ich dann immer nur ... - das wäre der Tod für mich."

Inspiriert von Musik aus Korea und Bali

Per Per Nørgård verabscheut Gefängnisse, die aus ästhetischen Prinzipien gebaut sind. Er liebt die Freiheit um den Preis, dass er seine Techniken immer neu gestalten muss. Und er liebt die Musikkulturen der Welt viel zu sehr. Ein Bob-Marley-Stück kann genauso inspirierend sein für ihn wie altkoreanische Hofmusik oder ein balinesisches Gamelanorchester – oder ein Beatles-Song.

Per Per Nørgård ist außerdem ein Sinfoniker aus Überzeugung, ein Däne, der Carl Nielsen gut kennt und schätzt, Sibelius verehrt und der dennoch immer sehr modern wirkende Musik geschrieben hat. Per Per Nørgård ist, so seltsam es klingt im 21. Jahrhundert, ein überzeugter Sinfoniker:

"Ich glaube, ich bin ein Sinfoniker ohne zu wissen was es meint, nichts weniger, als dass es ist ein langes wichtiges Werk, das die wichtigsten Gefühle in meinem Leben ausdrückt, dies ist die Sammelkarte sozusagen."

Achte Sinfonie, das Werk eines inzwischen 80 Jahre alten Künstlers, der unermüdlich kreativ ist und seinen Alterstil gefunden hat wie in dieser Sinfonie

Liebe zu einfachen Klängen: Vogelgesang und Wassertropfen

Statt radikaler Auflehnung gegen alles Alte, pflegte er schon als junger Komponist eine sentimental anmutende Liebe zu einfachen Dingen – wenn der Gesang der Vögel im Garten auf das Tropfen eines Wasserhahns in der Küche trifft, oder die abstrus wirkende Kunst eines psychisch Kranken.

"Adolf Wölfli war ein Schweizer schizophrener Künstler, ich habe mich sehr viel mit seinem Werk, besonders mit seinen Texten beschäftigt."

Zwei Sinfonien, eine Oper und andere Werke wie zum Beispiel dieses Wiegenlied sind nach Adolf Wölflis Bildern und Texten entstanden. Ein gutes Beispiel für Per Per Nørgårds Sehnsucht nach Freiheit ist zudem seine Liebe zum Schlagzeug, einem Instrumentarium, das in der Musik Europas bis vor kurzem wie ein unbeschriebenes Blatt war.

Sein Schlagzeugkonzert "For a change" von 1982 zeigt Per Nørgårds ständige Arbeit mit der Verwandlung. Es ist selbst aus einem Solostück herausgewachsen. Wenn er darüber spricht, scheint seine verschmitzte tiefgründige Ironie auf, die zuerst weltenfern wirkt, doch eigentlich sehr durchdacht und tiefgründig ist und seine sympathische Menschlichkeit spiegelt:

"Es ist der einzige Fall, wo das Solostück das Erste ist und dann kommt das Orchester nachher und unterstützt: 'Können wir etwas tun für Sie, Herr Solist?'"

Tonart

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