Seit 01:00 Uhr Nachrichten
 
Montag, 30. Mai 2016MESZ01:02 Uhr

Fazit | Beitrag vom 08.02.2016

Siegfried Zielinski über seinen Vorgänger"Sloterdijk ist missverstanden worden"

Siegfried Zielinski im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Beitrag hören
Blick auf das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe (picture alliance / dpa / Uli Deck)
Blick auf das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe (picture alliance / dpa / Uli Deck)

Siegfried Zielinski ist neuer Leiter der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seinen Vorgänger im Amt, Peter Sloterdijk, nahm er in Schutz. Sloterdijks Äußerungen zur Flüchtlingspolitik seien einfach missverstanden worden.

Siegfried Zielinski gründete vor über 25 Jahren die Kunsthochschule für Medien Köln und lehrte zuletzt unter anderem an der Universität der Künste in Berlin. Der Medientheoretiker gilt als Visionär des akademischen Betriebs, er etablierte neue Medien an der Universität, als viele Kollegen das für Unsinn hielten. Auch heute noch setzt er sich dafür ein, akademische Strukturen und Studienfächer immer wieder zu hinterfragen.

Allerdings dürfte seine intellektuelle Arbeit erstmal in den Hintergrund treten, denn an der Hochschule in Karlsruhe wird seit Monaten darüber diskutiert, wie man mit Marc Jongen, Philosophie-Dozent und AfD-Mitglied, umgeht. Assistent des neuen Rektors wird Jongen jedenfalls nicht. "Herr Jongen wird ein normaler Angestellter der Hochschule sein wie andere auch", sagt Zielinski

Marc Jongen ist nicht wegen AfD-Zugehörigkeit kündbar

Zielinski äußerte zwar großes Unverständnis, wie sich ein Intellektueller einer Partei wie der AfD anschließen könne, verwies aber darauf, dass Jongen Mitglied einer legalen Partei sei "und damit auch nicht kündbar".  Außerdem sei Marc Jongen seit vielen Jahren an der Hochschule "und hat das, was er heute unterrichtet, auch vor zehn oder 15 Jahren unterrichtet, und niemand hat sich darüber aufgeregt".

Gleichzeitig nahm Zielinski seinen Amtsvorgänger Peter Sloterdijk in Schutz, der wegen seiner Äußerungen zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und zur Funktion von Grenzen in die Kritik geratenen ist. "Ich glaube, Peter Sloterdijk ist da in vielerlei Hinsicht auch missverstanden worden. Er provoziert ja gerne und hat das immer wieder auch getan, auch in anderen thematischen Zusammenhängen", sagte Zielinski. "Peter Sloterdijk als prinzipiell konservativen Philosophen hinzustellen, halte ich für ein Abenteuer."

Mehr zum Thema

Berliner Ensemble - Sloterdijk, Gottschalk und "Der kleine Prinz"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 01.12.2015)

Welttag der Philosophie - Die solide Reflexion der Dinge
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 19.11.2015)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsVom Atomkrieg zum weiblichen Orgasmus
Eine Pershing-Rakete wird gefechtsbereit gemacht. (Undatierte Aufnahme). Pershing-Raketen können mit atomaren Gefechtsköpfen ausgerüstet werden. (dpa/Egon Steiner)

Die Feuilletons der überregionalen Tageszeitungen gaben sich in der vergangenen Woche düster: "Die Welt" orakelt von einem denkbaren Atomkrieg, "Die Zeit" prophezeit den möglichen Zusammenbruch der westlichen Welt und interviewt zudem den philosophischen Kopf der AfD, Marc Jongen. Mehr

weitere Beiträge

Fazit

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj