Seit 15:30 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 15:30 Uhr Tonart
 
 

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 22.03.2016

Sicherheitsexperte Ulf Brüggemann im Gespräch"Weiche Ziele nicht schützbar"

Ein Polizist kontrolliert nahe der Grenze zu Belgien auf der Autobahn 44 bei Aachen ein Fahrzeug. (picture alliance / dpa / Marius Becker)
Ein Polizist kontrolliert nahe der Grenze zu Belgien auf der Autobahn 44 bei Aachen ein Fahrzeug. (picture alliance / dpa / Marius Becker)

Der Sicherheitsexperte Ulf Brüggemann weist Vorwürfe über mangelnde Kooperation der Behörden zurück. Gleichzeitig stellt er klar: Der Bürger selbst könne nur wenig tun, um sich vor Anschlägen zu schützen. Darin würden auch Grenzkontrollen nichts ändern.

Die Sicherheitslage müsse nicht nur in Belgien, sondern in ganz Europa als sehr kritisch eingestuft werden, sagte Ulf Brüggemann, Regierungsdirektor an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. "Man kann nicht besonders viel tun als normaler Bürger. Ich werde mein Leben normal weiter führen und ich denke: Etwas anderes bleibt einem nicht übrig", sagte Brüggemann im Deutschlandradio Kultur.

Brüggemann widersprach der Aussage, dass die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Geheimdiensten bisher zu schlecht sei: "Sie kann kaum noch enger gestaltet werden". Jeder Terroranschlag sei ein Schock. "Aber kein Sicherheitsdienst kann es verantworten, auf Informationen sitzen zu bleiben, die für ein anderes Land relevant wären", so Brüggemann.

"Weiche Ziele auch durch Grenzkontrollen nicht schützbar"

Brüggemann glaubt nicht, dass dauerhafte Grenzkontrollen wegen der terroristische Bedrohung weiterhelfen. "Wir müssen akzeptieren, dass weiche Ziele auf Dauer nicht geschützt werden können." Kritik übte er an den belgischen Sicherheitsbehörden. Diese müssten ihre Standards noch einmal überprüfen, so Brüggemann und verwies darauf, dass sich der mutmaßliche Paris-Attentäter Abdeslam lange in Belgien habe verstecken können.

Es sei sicher, dass sich die Attentäter von Brüssel "in irgendeinem Sinne" der Terrormiliz Islamischer Staat zuordnen lassen. Dem IS sei es gelungen, ein Narrativ zu entwickeln, dass viele junge Menschen attraktiv fänden, so Brüggemann. Es sei wichtig, dass der Westen Gegennarrative entwickele: "Also, dass der Westen keineswegs den Islam bekämpft, sondern das wir im Gegenteil mit der islamischen Welt befreundet sind."

Zweiter Teil des Gesprächs mit Ulf Brüggemann und dem Journalisten Alois Berger.

Mehr zum Thema

Terror-Prävention - Mehr Freiheit durch mehr Überwachung
(Deutschlandfunk, Kommentare und Themen der Woche, 22.03.2016)

Albrecht: - "Es kann nie hundertprozentige Sicherheit geben"
(Deutschlandfunk, Interview, 22.03.2016)

Terror in Brüssel - "Toleranz schlägt manchmal in Gleichgültigkeit um"
(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 22.03.2016)

Islamismus-Prävention - Wenn Schüler den IS cool finden
(Deutschlandfunk, Nachrichten vertieft, 04.12.2015)

Studio 9

BrexitEngland hat jetzt 20.833 Probleme
Weg von der EU ist jetzt der einzige englische Weg: Einbahnstraßenschild steht am 10.3.2017 am Europahaus am Smith Square in London vor einer Europaflagge und einem Union Jack dahinter. (dpa / picture alliance / Yui Mok)

Die britische Premierministerin hat den Scheidungsantrag eingereicht, die Brexit-Freunde dürfen jubeln. Den Ärger haben jetzt die Juristen, die in 500 Tagen eine Menge EU-Gesetze und -Regeln aufdröseln müssen. Viel Spaß dabei wünscht Arno Orzessek.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur