Profil / Archiv /

Sich immer wieder als Entdecker fühlen

Andreas Hofmeir - Tubist, Popstar, Kabarettist und Professor am Mozarteum

Von Georg Gruber

Andreas Hofmeir beherrscht die Tuba wie nur wenige.
Andreas Hofmeir beherrscht die Tuba wie nur wenige. (Genuin - Philippe Gerlach)

Auf einer Liste der meistgespielten Instrumente wären Gitarre, Flöte und Klavier vermutlich ziemlich weit vorne, die Tuba hingegen auf den hinteren Rängen. Dabei ist das Instrument von erstaunlicher Vielseitigkeit – wenn man es so beherrscht wie Andreas Hofmeir.

Andreas Hofmeir ist einer der versiertesten Tubisten in Deutschland, vielfach preisgekrönt als klassischer Musiker, unter anderem ausgezeichnet als erster Tubist überhaupt beim Deutschen Musikwettbewerb. Und er wird bejubelt von den Fans der wilden bayerischen Brass-Pop-Funk-Band La Brass Banda.

Dabei kam er eher zufällig zur Tuba. Als Fünfjähriger lernte er Klavier, mit acht ging er als Schlagzeuger zur Blaskappelle in seinem Heimatort Geisenfeld in Oberbayern, durfte aber nur selten mitspielen, weil er dort nicht der einzige Trommler war. Als einer der beiden Tubisten ins Nachbardorf zog, wurde er gefragt, ob er nicht Tuba lernen wolle. Er sagte: Ok, aber nur, wenn ich dann auch immer zum Einsatz komme. Zwölf war er damals.

"Ich habe es früh gemerkt, dass es mir sehr leicht fällt mit der Tuba quasi Erfolg zu haben oder gut zu werden, dass es gut klingt. Wenn ich jetzt ein anderes Instrument gelernt hätte, hätte es in eine andere Richtung auch gehen können, aber die Tuba war das Instrument, das ich in der Hand hatte."

Nach dem Abitur überlegt er kurz, Medizin zu studieren oder Mathematik – entscheidet sich dann aber doch für die Tuba und schafft es 1998 auf die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin.

"Die Berufsaussichten sind natürlich sehr sehr schlecht, grad bei der Tuba, aber auch bei allen anderen Instrumenten, weil es einfach so wenige Stellen gibt im Orchester und so wahnsinnig viele Leute, die das machen wollen, dass man sich nie sicher sein kann. Aber ich hab eigentlich dann nicht mehr links noch rechts geschaut, für mich war dann klar, als ich angefangen hab zu studieren, das zieh ich durch, bis ich etwas hab."

Ganz oder gar nicht - und doch schaffte er es, neben seinem Aufstieg zum vielgefragten Tubisten und Professor am Mozarteum auch noch erfolgreich Kabarett zu machen, Musikkabarett und politisches Kabarett mit der "Qualkommission".

Nicht zu vergessen La Brass Banda, eine Band, die für Aufsehen sorgt, weit über Bayern hinaus, schon bei der Gründung 2007 hatte Andreas Hofmeir an den Erfolg geglaubt:

"Wir hatten nach unserem ersten Probentag schon unseren ersten Auftritt. Und zwei Leute kannte ich bis einen Tag vorher noch gar nicht, die hatte ich noch nie gesehen. Dann haben wir diesen Auftritt gespielt und haben wirklich da schon richtig abgeräumt von der Stimmung und dann war mir eigentlich schon klar, das kann dann kein Zufall gewesen sein."

Zu dieser Zeit war er noch Tubist beim Brucknerorchester Linz in Österreich.

"Es war manchmal so, dass ich in Linz noch Oper gespielt habe, bis um halb elf abends und mich dann ins Auto gesetzt hab und um ein Uhr in der Nacht in Rosenheim auf der Bühne stand und dann wieder zurück gefahren bin um drei in der Früh und um zehn wieder im Orchester saß. Das ging schon ein bisschen an die Substanz."

"La Brass Banda"-Konzerte sind Schwerstarbeit, totale Verausgabung, barfuß und in Lederhosen auf der Bühne. Und nicht allzu viele im Publikum werden wissen, dass Andreas Hofmeir daneben auch noch Klassik und Kabarett macht.

"Mich reizt diese Auseinandersetzung mit den verschiedenen Möglichkeiten und für mich ist jedes gleichbedeutend und gleich wichtig, und ich glaube, wenn man alle diese Möglichkeiten der Ausdrucksform und der Kunst nutzt, dann gewinnt auch jeder Bereich."

Es scheint, als habe er unerschöpfliche Energiereserven:

"Es ist ja eigentlich gar nicht so etwas Energie Raubendes, es ist halt, diese verschiedenen Sachen zu machen, eher ein Bedürfnis, und das schafft mir eine Befriedigung und auch eine gewisse Ruhe, wenn ich das mach. Ich glaub ich wäre unruhiger, wenn ich es nicht machen würde."


Mehr Infos im Netz:

Website von Andreas Hofmeir, Tubist



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Profil

Shakespeare-SchauspielerEin Leben für den Jahrtausenddichter

Peter Lüchinger als Lewis Parish in dem Stück "Wie es Will gefällt" von der Shakespeare Company in Bremen

Seit 25 Jahren ist Peter Lüchinger Mitglied der Shakespeare Company in Bremen und damit der dienstälteste Schauspieler des Ensembles. Doch langweilig wird ihm die Arbeit nie - denn der Shakespeare-Kosmos bleibt unerschöpflich, meint er.

LiteraturWortspieler in Berlin

Die Skyline hebt sich in Berlin im Licht der untergehenden Sonne ab. Im Vordergrund die Oberbaumbrücke, dahinter der Fernsehturm.

Der Russe Eugene Ostashevsky ist Dichter und Übersetzer und lebt eigentlich in New York. Nun arbeitet er für ein Jahr in Berlin, dank eines Stipendiums. Ostashevsky liebt das Spiel mit Worten und Sprachen.

KytemanMusikalischer Grenzgänger

Der niederländische Musiker Colin Benders, alias Kyteman

In den Niederlanden ist er bereits ein Star, in Deutschland noch ein Geheimtipp: Unter dem Künstlernamen Kyteman verschmilzt der junge Musiker Colin Benders Klassik, Jazz und Hip Hop zu einer spannenden Melange.