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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 07.07.2010

Semantic Web

Wie Computer verschiedene Informationen verwerten können

Von Achim Killer

Das Semantische Web gilt als Erweiterung des World Wide Web. (Deutschlandradio - Jan-Martin Altgeld)
Das Semantische Web gilt als Erweiterung des World Wide Web. (Deutschlandradio - Jan-Martin Altgeld)

Theoretisch könnte das World Wide Web nahezu jede Frage beantworten. Es kann aber nicht, weil Computer nicht verstehen, was auf Web-Seiten geschrieben steht. Dem versuchen Wissenschaftler mit dem Semantischen Web abzuhelfen.

"Wenn ich Ihnen so einen klassischen Satz gebe - Sie saßen auf der Bank vor der Bank – dann ist für uns schnell ersichtlich, dass der gleiche String Bank ganz unterschiedliche Bedeutung hat."

Sagt Professor Helmut Krcmar vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der TU München. Für unsereinen ist klar, was damit gemeint ist, wenn so eine Zeichenfolge, ein String, auf einer Web-Seite steht. "Bank" bedeutet einmal Sitzgelegenheit und einmal Geldinstitut.

Darauf kommt ein Computer, der im gewöhnlichen World Wide Web unterwegs ist, nicht. Nur im semantischen Web kann er zwischen einer Sitzbank und einer Geschäftsbank unterscheiden, weil er da gesagt bekommt, was jeweils gemeint ist.

"Der zentrale Begriff dabei ist der des Auszeichnens oder Tagens, also der Beschreibung dessen, was dort als String, als Zeichenkette, steht."

Und solche Auszeichnungen, Tags, machen das gewöhnliche Web zu einem semantischen Web, ohne dass der Surfer etwas merkt, sagt Christoph Riedl, Doktorand an Professor Krcmars Lehrstuhl.

"Die sind unsichtbar im Hintergrund. Für den Benutzer sichtbar bleibt der Text gleich. Aber im Hintergrund gibt’s eben Zusatzinformationen. Und aus diesen Informationen kann der Computer dann neue Funktionen ableiten und dieses inhaltliche Wissen mit anderen Informationsquellen vernetzen und dadurch systematisch Informationen bereitstellen."

Eine praktische Anwendung des semantischen Web hat Professor Martin Hepp von der Münchner Bundeswehrhochschule entwickelt. "Good Relations" nennt er sie, Gute Beziehungen, Geschäftsbeziehungen: Die vielen Angaben, die Internet-Händler ins Netz stellen werden dabei ausgezeichnet, getaged.

Und so können Computer unterscheiden, ob es sich bei einer Zahlenangabe um die Konfektionsgröße einer Jacke aus dem Sortiment, deren Preis oder um die Hausnummer der Firmenadresse handelt. Um diese Tags zu generieren, müssen Web-Shop-Betreiber nur ein Formular im Netz ausfüllen:

"Es gibt ein Tool. Das nennt sich Good-Relations-Annotator. Das ist im Web frei verfügbar. Mit dem kann jedes Geschäft eine kurze Beschreibung seiner Adresse seines Standortes, der Öffnungszeiten, der Zahlarten, der Lieferwege und Ähnliches veröffentlichen. Wenn man das abgeschickt hat, bekommt man so etwa 20 Zeilen zusätzlichen Web-Seiten-Inhalt, den man einfach in diese Web-Seite kopiert mit Copy und Paste.

Und dann ist die Seite mit entsprechenden reichen Zusatzdaten versehen. Das heißt: Auch ein Nichtprogrammierer, ein Kleingewerbetreibender kann damit für sein Geschäft oder für ihr Geschäft entsprechende Zusatzdaten erzeugen."

Und potenzielle Kunden können dann alle mit derartigen Tags versehene Web-Shops gezielt durchstöbern. Sie können bei speziellen Suchmaschinen beispielsweise anfragen, ob es irgendwo ein Notebook zu kaufen gibt mit einer Akkulaufzeit von über 5 Stunden und einem Preis von unter 300 Euro oder wo man ein bestimmtes Handy ohne Vertragsbindung bestellen und per Nachnahme bezahlen kann.

Auch Professor Krcmars Lehrstuhl entwickelt eine praktische Anwendung des semantischen Webs. Texo heißt das Projekt:

"In dieser künftigen Welt des Semantic Web oder in dieser zum Teil schon vorhandenen Welt des Semantic Web stellt man sich vor, dass sehr viele Dienste, Services genannt, angeboten werden. Und eine der interessantesten Fragen ist es aus der Sicht der Verwender, diese Dienste nicht von einem einzigen Anbieter stets zu beziehen, sondern sich ganz unterschiedlicher Dienste, unterschiedlicher Anbieter sich zu bedienen.

Dazu muss man die Dienste erst einmal finden. Und wenn man diese Dienste finden will, muss man sie beschreiben können. Und Texo versucht, das auf eine semantisch gebaute Web-Plattform zu setzen."

Mit Texo soll es beispielsweise einmal möglich werden, dass ein Autoversicherer einem Kunden, der einen Unfall meldet, anhand der Handy-Ortung eine Vertragswerkstatt in der Nähe nennt und ihm einen adäquaten Mietwagen besorgt. Und wenn’s nötig wäre, könnte auch ein Hotelzimmer gebucht werden. Zusammenstellen würde dieses Dienstleistungspaket ein Computer, der das semantische Web durchforstet. Er könnte das, weil er versteht, welche Dienstleistungen dort angeboten werden.

Allerdings bis Derartiges praktisch möglich ist, dürfte es noch einige Zeit dauern. Obwohl schon seit Jahren darüber diskutiert wird, herrscht im semantischen Web immer noch eine babylonische Sprachverwirrung. Konkurrierende Projekte verwenden für die gleichen Sachverhalte unterschiedliche Begriffe oder die gleichen Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen.

"Das macht deutlich, dass das zum einen eine intellektuelle Herausforderung ist: Welche Bedeutungen gibt es genau? Wie unterscheiden die sich? Und zum anderen eine soziale, eine politische Bedeutung hat: Welches Begriffsverständnis der begrifflichen Zusammenhänge wird sich durchsetzen?"

Nur in winzigen Teilbereichen gilt eine einheitliche Sprachregelung mit eindeutigen Definitionen. Aber die braucht der Computer, damit er das Web wirklich verstehen kann.

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